Gregor
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wikipe Autor dnb Name (30) dnb Nummer (30) detopia |
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detopia-2023: Dr. Taxacher und detopia standen im Kontakt.
2019 zeitzeichen.net/node/8041 Taxacher + 2020 zeitzeichen.net/node/8056 Taxacher
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2012 Apokalypse ist jetzt. 222 Seiten Vom Schweigen der Theologie im Angesicht der Endzeit
2019 Podium oder Panel
Dr. Taxacher in Zürich
bei "Salon um sechs" Moderation: Dr. Stefan Grotefeld.
Taxacher
antwortet präzise (und auch clever) auf die üblichen 2019 Video Zürich Podium auf youtube 70 min 2019 Audio Zürich Podium 70 min, Filmton
<== In Zürich: Dr. Grotefeld und Dr. Taxacher - 2019 |
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Weitere Schriften von Taxacher
Kurzartikel von Taxacher auf Zeitzeichen.net = "Evangelische Kommentare zu Religion und Gesellschaft"
Sonstiges
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Autor Gregor Taxacher, geboren 1963 in Köln, Dr. theol., studierte Kath. Theologie, zeitweise auch Philosophie und Germanistik, in Würzburg, Tübingen und Bonn. 1993 Promotion in Theologie mit einer Arbeit über den evangelischen Theologen Karl Barth. Seither zehn Jahre Tätigkeit in der Erwachsenenbildung, später als freier Journalist und Autor und als Redakteur beim Westdeutschen Rundfunk und als Lehrbeauftragter für Theologie an der Universität Dortmund. Gregor Taxacher studierte von 1983 bis 1990 Theologie an den Universitäten Würzburg, Tübingen und Bonn. Von 1987 bis 1989 machte er Pflegedienst in Düsseldorf. Nach einem Graduiertenstipendium des Cusanuswerks wurde er 1994 an der Universität Bonn zum Dr. theol. promoviert. Dann war er Referent an der Thomas-Morus-Akademie Bensberg. Von 2003 bis 2009 war er freiberuflicher Journalist und Autor, von 2009 bis 2017 Redakteur beim Westdeutschen Rundfunk. Seit 2017 ist er Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Katholische Theologie der Technischen Universität Dortmund. Im Oktober 2020 habilitierte er sich im Fach Systematische Theologie/Dogmatik. |
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Interview-2012 mit Gregor Taxacher
URL buecher aendern leben taxacher apokalxpse jetzt 2024: "buecheraendernleben.wordpress.com is no longer available. The authors have deleted this site."
1) Während viele Menschen auf den für Dezember 2012 angekündigten Weltuntergang warten, sagen Sie, die “Apokalypse ist jetzt”. Wie kommen Sie zu dieser Überzeugung?
2) In geballter Form haben Sie in Ihrem Buch Fakten zusammengetragen die uns zeigen, dass die Erde in ihrer bislang schwersten Krise steckt. Auf dem Cover Ihres Buches lese ich: “Von Schweigen der Theologie im Angesicht der Endzeit”. Was kann die Theologie da heute noch helfen?
3) Hat die Theologie die Zeit verschlafen?
4) Sie bringen uralte biblische Zitate die plötzlich so aktuell klingen als wären es Ausschnitte aus einer Rede der Opposition im deutschen Bundestag: “Die Reichen prassen und unterdrücken die Armen – so wird der Krieg ihren Reichtum zerstören und sie demütigen.” (Amos). Das Thema ist gut benannt. Warum höre ich die Vertreter der Theologie heute in gesellschaftspolitischen Diskussionen so selten?
5) Zu recht sagen Sie über uns Christen, dass wir mitgemacht haben, dass wir jetzt nicht weglaufen können vor der Apokalypse. Aber sie rufen dazu auf “den Aufstand gegen die Verhältnisse zu proben.” Sind Sie etwa ein Revolutionär? Wie soll dieser Aufstand ganz konkret aussehen?
6) Ist die Apokalypse ... unumkehrbar?
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Interview 2019 mit Dr. Taxacher
«Die Wahrheit über die Apokalypse ist zumutbar» In Anbetracht von Klimawandel und Artensterben klagt Gregor Taxacher von den Kirchen eine Theologie der Apokalypse [ein] statt verwedelndem Zweckoptimismus.
1 Delf Bucher: Wenn Sie nächste Woche nach Zürich kommen - fliegen Sie dann oder fahren Sie mit dem Zug? Gregor Taxacher: Ich komme mit dem Zug. Bei den unvorstellbaren Mengen, die die Mobilität an CO2-Emissionen verursacht, ist das nur ein bescheidener individueller Beitrag. Rein rechnerisch bringt das nichts und der Einwand sticht: Es braucht vor allem politische und wirtschaftlich geänderte Rahmenbedingungen, um den Klimawandel abzumildern. In einer Demokratie werden aber Veränderungsprozesse nur angestossen, wenn sich dafür ein Bewusstsein ausbildet. Das Menschen sich Gedanken machen, auch ein schlechtes Gewissen, kann zum Schluss in einen politischen Prozess einmünden. Man merkt dies jetzt bei den Schülerprotesten.
2 Ihre Botschaft ist, dass der Klimawandel in seiner ganzen Drastik, in seiner
apokalyptischen Dimension Wir dürfen nicht immer gleich beschwichtigen: «Es ist wohl schlimm, aber wir schaffen es noch.» Dem entgegne ich mit einem Wort von Ingeborg Bachmann: «Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar.» Ich nehme deshalb auch das Wort Apokalypse in den Mund und sage sogar: Die Apokalypse ist jetzt. Das heisst: Wir sind schon jetzt in einer Situation, in der wir, wenn wir nichts ändern, die Endzeit der Menschheit, in der Art wie sie jetzt existiert, herbeiführen werden. Die Apokalypse besteht also darin, dass Endzeit bereits jetzt ist. Und damit auch die Zeit der Entscheidung da ist.
3 Sie wollen also uns die Illusion nehmen, irgendwie kriegen wir das schon hin? Diese Illusion ist weit verbreitet. Kürzlich wurde auf einem FDP-Parteitag unter der Maxime «Verbote bringen nichts» am Konzept des alten Fortschrittsglaubens weiter gestrickt. Ein Redner forderte das emissionsfreie Flugzeug – sozusagen das Perpetuum Mobile, das Ökologie und unbegrenzte Mobilität ermöglicht. So wird immer noch argumentiert bis weit in die Grünen hinein: Mit einer bisschen klügeren und ökologisch ausgerichteten Technik könnten wir die ökologische Katastrophe abwenden, ohne unsere Lebens- und Wirtschaftsweise ändern zu müssen.
4 Apokalyptischen Klartext sollen nun - Ihrer Meinung nach - die Kirchen reden. Aber die meiden - wie die Umweltpädagogen - das Skandalwort Apokalypse. Das hat verständliche Gründe. Die modernen Kirchen wollen sich lossagen von ihrer Vergangenheit, in der die Kirche mit grossen Drohbotschaften der Hölle aufgetreten ist. Die Apokalypse steht unter Verdacht, das frühere Instrument einer herrschenden, erziehenden Kirche zu sein.
5 Und warum sollen die Kirchenleute trotzdem offensiv ihr biblisch angelegtes apokalyptisches Erbe vertreten? Sie können das Wort wieder zu ihrer alten Bedeutung zurückführen. In Literatur und Film wird die Apokalypse nur als Schrecken des Weltendes gezeigt. Biblisch ist aber die Apokalypse ein Wendepunkt. Es ist die Schnittstelle auf der Zeitachse, an der sich aus der Katastrophe heraus etwas Neues ergeben kann.
6 Aber der Wendepunkt ist biblisch immer mit dem Gericht verbunden. Für viele zeitgenössische Christen eine Zumutung? Dass ich in dieser Debatte wieder das Gericht als Kategorie einführen will, hat weniger mit dem Jüngsten Gericht zu tun. Mir geht es darum, die Folgen unseres Handelns zu bedenken. Für uns gilt die gleiche Frage, die sich schon die Propheten gestellt haben: Was sind unsere Götzen, denen wir dienen?
7 Aber der Götzendienst steckt in allen Poren unseres gesellschaftlichen Seins. Ich kann ihm nicht entkommen, wenn ich mich nicht zu einem Eremitendasein entschliesse. Stimmt. Man kann ja fast nichts kaufen, ohne in diesen Schuldzusammenhängen, die wir produzieren, verstrickt zu sein. Hier sollten wir den heute in der kirchlichen Verkündigung tabuisierten Begriff der Sünde wieder neu formulieren. Schon Paulus sprach von der Versklavungsmacht der Sünde und wir finden oft im Neuen Testament die Rede von den Mächten und Gewalten. In Grunde wird da vorweggenommen, was wir in einer entmythologisierenden Sprache Systemzwänge nennen.
8 Also ein modernes Modell der Erbsünde? Das problematische Wort Erbsünde – es geht ja nicht um Vererbung - deutet darauf hin, dass die Bibel schon weiss, dass die Sünde einem Menschen nicht nur individuell anrechenbar ist und im Umkehrschluss auch von einem Einzelnen nicht moralisch überwunden werden kann. 9 Zum Schluss: Hat Sie der Klimaprotest der Jungen überrascht? Die Jungen auf der Strasse, das war für mich schon ein Hoffnungszeichen. Sie haben den Zeitaspekt des Apokalyptischen erkannt, gingen auf die Barrikaden mit der Botschaft, dass sie keine Zeit mehr hätten. Sie sagen laut: Wir wollen nicht das auslöffeln, was ihr Erwachsene angerichtet habt. Das ist eine Botschaft, die auf den ersten Blick recht unpolitisch wirkt, aber die Kraft hat, die Politik wirklich in Bredouille zu bringen. Denn die Träger dieser Botschaft sind nicht einem bestimmten politischen Lager zuzuordnen. 10 Sie sind also nicht der hoffnungslose Apokalyptiker?
Ich bin nicht ohne Hoffnung. Aber ich glaube nicht an einen evolutionären
Weg, der Mensch und Natur versöhnen kann. Dafür ist es jetzt viel zu spät.
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Kirche in der Klima-Apokalypse
Warum ein christlicher Segen für den „Green New Deal“ nicht reichen wird.
Gregor TaxacherStephan Kosch setzt auf grünen Kapitalismus – und fordert die Kirchen auf, in ihrem Wirtschaftsgebaren von der Versorgung ihrer Gebäude bis zu den Geldanlagen ernst zu machen mit einem Green New Deal. Letzterem kann man nur zustimmen: Wie sollen Kirchenworte zum Klimawandel glaubwürdig sein, wenn die Kirchen nicht beispielhaft vorangehen im ökologischen Umbau.
Wesentlich skeptischer bin ich gegenüber Koschs Hoffnung, die ökologische Katastrophe durch einen grünen Kapitalismus abzuwenden, indem die „Billionen, die täglich um den Globus fliegen und nach Anlagemöglichkeiten suchen“, in die Dekarbonisierung der Wirtschaft fließen. Dazu bräuchte es dann nur noch die nötigen Anreize, damit es sich lohnt. Ich fürchte, „Dekarbonisierung“ ist genauso ein vereinfachendes und dadurch missbrauchbares Wort wie derzeit der Begriff „klimaneutral“. Das wollen inzwischen ganze Konzerne (wie etwa Bosch) und jetzt gleich auch die ganze EU werden. Unsere gesamte auf Wachstum getrimmte Wirtschaft soll in wenigen Jahren keine klimaverändernden Auswirkungen mehr haben? Die Industrie, der Verkehr, und nicht zu vergessen: die Landwirtschaft?
Die dafür präsentierten Rechnungen erinnern leider bei genauerem Hinsehen meist an die Erklärung eines Flugreisenden, sein Flug sei klimaneutral gewesen, weil er eine Kompensation gespendet habe. Bruno Kern hat kürzlich in seinem Buch „Das Märchen vom grünen Wachstum“ (Plädoyer für eine solidarische und nachhaltige Gesellschaft. Zürich 2019) die vorliegenden Studien zu diesen Verheißungen kritisch zusammengefasst. Und uns daran erinnert, was wir eigentlich alle wissen (können): Auch Windkraftanlagen werden unter immensem Materialbedarf keineswegs klimaneutral hergestellt. Solaranlagen und insbesondere die Batterien für Elektroautos verursachen von Herstellung bis Entsorgung immense Umweltprobleme.
Der wachstumskritische Ökonom Niko Paech rechnet seit langem vor, dass die umweltfreundlichen Effektivitätsgewinne neuer Technik stets durch das Wachstum an Produktion und Konsum mehr als wettgemacht werden. Bei diesem sogenannten Rebound-Effekt geht es um viel mehr als um das individualpsychologische Problem, dass man Energiesparlampen leichteren Herzens länger brennen lässt. Es geht um unserer Wirtschaftsweise, die nicht auf die Versorgung der Bevölkerung und den nachhaltigen Bestand der Gesellschaft, sondern auf die Akkumulation von Kapital um seiner selbst willen ausgerichtet ist, und die deshalb jeden Einspareffekt nutzt, um gleich mehr, größer, schneller … zu rotieren.
Bruno Kern plädiert deshalb – wie die von Kosch zitierte Naomi Klein – für einen „Öko-Sozialismus“. Dieser bedeute „nicht nur den Umbau, sondern den konsequenten Rückbau unserer Industriegesellschaft“ (13), d.h.: „Wer die Lebensgrundlagen weltweit sichern will, der muss eine Ökonomie und Kultur des ‚Genug‘ anstreben, der muss sich vom parasitären Charakter unseres Scheinwohlstands verabschieden.“ (89). Und weil Rück- und Umbau der Wirtschaftsweise, also auch Abbau des gewohnten Wohlstands große Gerechtigkeitsfragen aufwirft, lässt sich diese Entwicklung nur politisch steuern. Es braucht „Planung“: „Mengenregulierungen, Rationierungen, Zuteilung von Quoten, Preiskontrollen“ (114).
Hier werden vermutlich viele auch ökologisch orientierte Leser*innen aussteigen. Zwar soll all dies „auf möglichst demokratische und partizipative Weise“ (115) geschehen und auch möglichst dezentral (also lokal und regional), dennoch steht hier ein Dirigismus zur Debatte, den auch viele Linke für die gefährliche Soll-Kippstelle in eine bürokratische Ökodiktatur halten. Kerns Haltung ist jedoch ehrlich und konsequent: Der Übergang zu einer postindustriellen Gesellschaft heißt in ökonomischer Terminologie schlicht „Rezession“, ja „tiefe Depression“ (174). Die wird kommen – entweder durch die Folgen ökologischer Katastrophen oder durch politischen Willen. Wir haben also nur die Alternative: Chaos oder Planung.
Aber wieviel realpolitische Wahrscheinlichkeit wird man dem Umbau in eine Post-Wachstums-Wirtschaft zurechnen? Die Ökosozialisten, für die das Buch spricht, sind nicht einmal eine Splitterpartei. Und wo soll der geforderte Umbau planerisch umgesetzt werden: in einem Land, in Deutschland? Das fatale Wirtschaftssystem, gegen das es geht, ist aber das der Globalisierung. Wird sich gerade der „geneigte Leser“ am Ende nicht sagen: Wenn es tatsächlich nur so geht – dann wird es nicht gehen?
Das scheint mir derzeit die Aporie der Debatte: Entweder wir trösten uns mit illusionären Halbwahrheiten („Das Elektroauto wird uns retten“). Oder wir fixieren uns auf eine Revolution, an deren Umsetzung wir selbst kaum glauben können. Und hier kämen m.E. Kirchen und Theologie wieder ins Spiel, genauso entscheidend wie beim Umbau ihrer Heizungsanlagen. Wer wenn nicht Glaubende, wenn nicht wir Christen hätte denn etwas zu sagen zu einem „Tun des Gerechten“ (D. Bonhoeffer), dessen Kriterium nicht der Erfolg ist? Wer von einem Lebensstil, der auch Verzicht und neue Einfachheit erfordert, und dennoch nicht unglücklich macht? Wer wenn nicht wir könnte echte Hoffnung unterscheiden von einem Optimismus, zu dem wir uns krampfhaft selbst überreden müssen.
Doch wenige Theologen sind bereit, offen auch pessimistische Prognosen vom Glauben her zu reflektieren, wie Thomas Ruster kürzlich in einer Diskussion mit Vertreterinnen von Fridays for Future. Wäre es nicht an der Zeit, alte Kategorien wie etwa die vom „Gericht“ – vom Durchleben der Folgen des eigenen Handelns – religiös neu zu reflektieren? Mir scheint, es herrscht weitgehend kirchliches Apokalyptik-Verbot, weil man sich nicht den Vorwurf zuziehen möchte, Resignation zu predigen. Gleichzeitig höre ich von Kirchenverbänden, die Tagungen zur „Seelsorge im Anthropozän“ organisieren. Denn natürlich hat die säkulare Apokalyptik, also die reale Möglichkeit der Selbstzerstörung unserer Zivilisation, längst die Seelen erreicht. Verdrängung produziert wirklich Resignation.
Wenn Theologie und Kirche in der Klimadebatte also mehr sein wollen als nur Megaphon-Verstärker für das, was eh schon alle rufen, um ihre Angst zu übertönen, dann müssen sie tiefer graben als ihre bisherige Predigt das tut. # 2019, zeitzeichen.net/node/8041 #