Markus TiedemannProfessor für Philosophie-Didaktik Post-Aufklärungs-GesellschaftWas wir verlieren
2023 im mentis-Verlag,
Paderborn |
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2023 200 Seiten wikipe Autor *1970 in Hamburg detopia |
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detopia-2025: Mir persönlich erstmal "zu hoch" - "negative Dialektik" (in Einleitung) muss ich erstmal runterschlucken. Aufklärung ist das Beste, was die Menschheit je hervorgebracht hat. Ihre Essenz besteht in dem Streben nach Objektivität und intersubjektiver Rechtfertigung. Ein elitäres Minderheitenprojekt, dem große Teile der Menschheit enorme Errungenschaften zu verdanken haben. Dennoch ist derzeit das Ende der zweiten Aufklärungsepoche zu beobachten. Ursächlich sind die immensen Belastungen einer emanzipierten Lebensform ebenso wie aktuelle politische und soziologische Stressfaktoren. Zu diesen gehören ein kapitalistisch verkürztes Freiheitsverständnis ebenso wie Migrationsbewegungen, eine mangelnde Verteidigung des ethischen Universalismus oder ein Antirassismus ohne Bewusstsein für negative Dialektik. Die Erosion bewirkt eine Rückkehr zu den autoritären Standardmodellen der Menschheit gepaart mit den technischen und medialen Potentialen der Moderne. Zeit für einen Blick zurück in Dankbarkeit und eine kritische Betrachtung dessen, was uns erwartet. https://brill.com/display/title/70753 Verlag mit viel pdf-Vorschau Einleitung und Aufklärungsbegriff Der vorliegende Essay vertritt die Überzeugung, dass wir Augenzeugen eines mentalitätsgeschichtlichen und kulturhistorischen Paradigmenwechsels sind. Wir erleben das Ende der zweiten Aufklärungsepoche und den Beginn der Post-Aufklärungs-Gesellschaft Post-Aufklärungs-Gesellschaft nicht deshalb, weil die Mehrheit der Menschheit bis vor Kurzem in nach Aufklärung strebenden Gesellschaften gelebt hätte. Das war niemals der Fall. Post-Aufklärungs-Gesellschaft deshalb, weil die wenigen, an den Idealen der Aufklärung orientierten Gesellschaften massiv an globaler Bedeutung verlieren oder sich im Zustand der Selbstauflösung befinden. Die Post-Aufklärungs-Gesellschaft ist eine historische Epoche bzw. eine Gesellschaftsform, in der die Errungenschaften und Ideale der Aufklärung nicht mehr als Leitideen wirksam sind. Instanzen, Strukturen und Ideen, die ihre Genese der Aufklärung verdanken, werden nicht in Gänze über Nacht verschwinden, aber sie sind des Primates verlustig. Wenn es hart auf hart kommt, wenn grundsätzliche Entscheidungen anstehen, scharrt sich die Mehrheitsgesellschaft nicht mehr entschlossen hinter diesen Wertvorstellungen. Die Post-Aufklärungs-Gesellschaft ist also ex negativo durch das Fehlen bzw. die Erosion der Aufklärung zu verstehen, weshalb dieser Begriff einzugrenzen ist. Allein im Historischen Wörterbuch der Philosophie füllt der entsprechende Artikel 15 Seiten.1 Die nachfolgende Verwendung des Aufklärungs-Begriffes erhebt daher nicht den Anspruch, allen Facetten des Phänomens oder gar allen analytischen oder hermeneutischen Deutungen gerecht zu werden. Der vorliegende Essay versteht die Essenz der Aufklärung als die stets unabgeschlossene Kultivierung einer nach Objektivität und normativer Rechtfertigung strebenden Lebensform. Unabgeschlossen ist diese Lebensform, weil sie einer immanenten Selbstkritik unterliegt. Ursächlich hierfür ist die Erkenntnis, den eigenen Ansprüchen nie oder nur selten vollumfänglich gerecht zu werden. Um eine Kultivierung handelt es sich, weil das Potential zur rationalen Selbstdisziplinierung zwar im Menschen angelegt ist, sich aber nur durch Pflege und Förderung zu entfalten vermag. Der Mensch ist vernunftbegabt. Er ist weder vernunftaffin, noch kann die Summe seiner Deutungen und Handlungen als vernünftig bezeichnet werden.
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