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4   Gottes Geschichte universal

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Die Apokalyptik

Die Apokalyptik als zweite maßgebliche Denkform der Verarbeitung und Weiterführung prophetischer Theologie zu bezeichnen, könnte einigen Widerspruch auslösen: Ist doch die Apokalyptik als literarisches und theologisches Phänomen - und darauf wird sich dieser Abschnitt beziehen - eher eine Randerscheinung des Alten und in etwas anderer Weise auch des Neuen Testaments. In die kanonischen Schriften Israels ist nur eine in weiten Teilen apokalyptische Schrift eingegangen, das Buch Daniel. In einigen prophetischen Texten finden sich apokalyptisch geprägte Passagen.1 Aber insgesamt kommt die Apokalyptik für die Entstehung des hebräischen Kanons zu spät. Die vielfältige apokalyptische Literatur der letzen zwei Jahrhunderte vor Christus und des ersten nachchristlichen Jahrhunderts hat die religiöse Denkweise dieser Zeit stark beeinflusst, ohne dass diese Schriften später in die Bibel aufgenommen worden wären. Die Theologie des Neuen Testaments ist zwar fast durchgehend von apokalyptischen Voraussetzungen her zu deuten, aber auch hier ist nur eine Schrift, die abschließende, insgesamt eine Apokalypse, eine „Geheime Offenbarung" über die letzten Ereignisse und die Endzeit.

Warum also dieser Stellenwert in meiner Darstellung?

Zunächst einmal noch eine Abgrenzung: Die Wichtigkeit dieses Kapitels erklärt sich nicht einfach daher, dass mein Buchtitel gerechtfertigt werden soll. Denn - wie schon in Kapitel 1 dargelegt - verstehe ich unter apokalyptischer Vernunft insgesamt diejenige Vernunft, die durch eine göttliche Offenbarung angestoßen und geprägt ist, welche in sich zugleich eschatologischen Charakter hat und welche die Einstellung dieser Vernunft zu Welt und Geschichte konkret und wirkungsvoll prägt. Dies könnte auch ohne eine spezielle Apokalyptik im nun zu behandelnden Sinn der Fall sein. Die apokalyptische Vernunft konstituiert sich nicht erst in der hellenistischen Zeit des Frühjudentums.

Das entscheidende Argument besteht in der wirkungsgeschichtlichen Bedeutung der Apokalyptik im speziellen Sinn für die apokalyptische Vernunft insgesamt. Dies gilt zunächst schon inner-biblisch: Die Kanonisierung des Danielbuches noch vor der neutestamentlichen Zeit und ihre christliche relecture in der Johannes-Offenbarung hat zusammen mit dem sie umgebenden Schrifttum eine solche Ausstrahlung gehabt, dass man zu dem Urteil kommen kann, diese Bücher reichten „mehr als alle andern biblischen Bücher in die religiöse und politische Geschichte

Vgl. Childs, Theologie 1, 220 f. zu Jeremia 4, zu Joel 1, Ezechiel 38-39 und Jesaja 24-27 als „protoapokalyptischem Material", dessen schwierige literaturhistorische Bewertung hier außer Acht bleiben muss.



 

 

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