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Prof. Dr. Hans Krah
Weltuntergangsszenarien
Narrationen vom
<Ende>
2004 im Verlag Ludwig, 416 Seiten
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2004 416 Seiten |
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35 Euro Inhalt.pdf Lesebericht von Löchel: literaturkritik.de/id/7315 Verlag:
Wie und in welchen Diskursen wird das Denken über einen dezidiert nicht empirischen Sachverhalt ausgedrückt? Welche ›neuen‹ Weltentwürfe werden propagiert, und in welchem Verhältnis stehen diese zu bestehenden Ideologemen? Welche Problemkonstellationen werden aufgebaut, welche Bewältigungsstrategien entworfen, welche Sinngebungsmodelle zitiert, adaptiert, verworfen? Und was heißt es wann, über die zeitliche Periode 1945 bis in die 1980/90er Jahre, konkret, sich eine globale Katastrophe denken und medial präsentieren zu können?
Lesebericht Von Rolf Löchel Vor genau zwanzig Jahren vertrat die feministische Utopieforscherin Elaine Hoffman Baruch bereits die Auffassung, dass die Utopien der Männer die Dystopien der Frauen sein könnten. Ähnlich, wenn auch ohne die geschlechterdifferente Zuspitzung oder auch nur Bezugnahme auf die feministische Utopieforscherin und ihre altbekannte These, verkündet der Passauer Literaturwissenschaftler Hans Krah in seinem neuen Buch, "[w]as als Utopie, was als Dystopie zu setzen" sei, sei "im Wesentlichen pragmatisch, von der jeweiligen Perspektive des Interpreten abhängig".
So unspektakulär diese These ist, so wenig kann es überraschen, dass es ihm ohne weiteres gelingt, sie - etwa anhand von Oskar Maria Grafs Roman "Die Erben des Untergangs" (1959, zuerst 1949 unter dem Titel "Der Eroberung der Welt") - zu verifizieren. Was Graf als "moderne Utopie" - wie Krah in laxer Formulierung sagt - "verkauft", sei "ein mit den Mitteln totalitärer Diktaturen geschaffener, selbst Totalität/Globalität beanspruchender vormoderner, bäuerlich-patriarchal organisierter Weltentwurf", mithin für Krah eine Dystopie. Eine Bewertung, die sich leicht nachvollziehen lässt.
Allerdings sind nicht alle Thesen und Ansätze, die Krah in seiner mit einigen stilistischen Eigenheiten ausgestatteten und nicht immer ganz flüssig zu lesenden Untersuchung der "Weltuntergangsszenarien und Zukunftsentwürfe" in den "Narrationen vom 'Ende' in Literatur und Film" offeriert, derart unspektakulär und so wenig innovativ wie die oben genannte. So setzt er etwa anstelle des Gegensatzes Utopie/Dystopie denjenigen von "aporetisch-komplexitätsreduzierende[r] Utopie", der die eigentliche Utopie entspricht und der der Dystopie entsprechenden "apodiktisch-restriktive[n] Utopie".
Aporetisch-komplexitätsreduzierend nennt er erstere aufgrund ihrer "konstitutive[n] Ideologie des Alle-jeder-ganz-Denkens" und deren "Vereinnahmung sämtlicher Lebensbereiche", wobei der "Ausgleich zwischen Anspruch auf Individualität und Integration (und Unterordnung dieser Individualität) in eine (und als wesentlich gesetzte) Gesamtheit" ein "zentrales Moment" dieser Utopie-Form sei. Die komplexitätsreduzierende "Ideologie des 'Alles'" produziert, wie Krah zeigt, notwendigerweise Aporien und Widersprüche.
Weitere Charakteristika der aporetisch-komplexitätsreduzierenden Utopie bestehen darin, dass die "gleichsam unveränderlich[e]" ideale Gesellschaft von den Figuren "verdient" werden muss, obwohl sie in der Narration ebenso "konkurrenzlos" wie "einzigartig" ist und es keine "Alternativkonzept[e]" zu ihr gibt. .... |
Inhalt Einleitung (7) Gegenstandsbereich (8) Narrationen vom >Ende<: theoretische Grundlagen (9) Narrative Raummodelle - Lotmans Grenzüberschreitungstheorie (12) Zur zeitlichen Abgrenzung (15) 1. Konstituierung des Diskurses (18)
1.1
Oskar Maria Graf, Die
Erben des Untergangs - Apokalypse und Utopie, Technik und Religion (18)
1.2 Aufbruch aus der Frühen Moderne (62)
1.3
Weltuntergangsszenarien: Bedingung der Möglichkeit - die Katastrophe
(76) 2. Konsolidierung des Diskurses: die 50er und frühen 60er Jahre - Raum, Grenzen und Differenzen (105) 2.1 Das Paradigma The Time Machine 105 2.2 Narration und Genre (119)
2.3 Der Akt des Überlebens: wer, wo und wie? K. H. Scheer, Die Großen in der Tiefe 132
2.4 Mutation und Bunkerräume (158) 1 Mutation und Strahlung (158) 2 Bunker, Bunkerräume, Kuppelstädte (166) 3. >Diskurskrisen< und neue Sinnkonstruktionen: die späten 60er und 70er Jahre (174) 3.1 Extremisierungen/Dekonstruktionen 174
3.2 Lösungsvarianten/Lösungsstrategien im Film der 70er Jahre (207)
3.3 Warnung und Selbstrettung: literarische Lösungen der 70er Jahre - das Beispiel Unternehmen Stunde Null 235
3.4 Sexualität, Geschlechterrollen, Geschlechterspezifik (263)
4. Diskursformationen der 80er Jahre (283) 4.1 Filme der 80er Jahre: der Mythos des Kriegers und der Mythos der Schwangerschaft 283
4.2 Realismus, Initiation, Fantasy - Endzeitliteratur der 80er Jahre (312)
3 Paradigmen der literarischen Verhandlung 332 4.3 Diskurskonstituenten (338)
5. Medien und Katastrophe (364) 5.1 Sprache, Schrift, (Speicher-)Medien. Medienkonkurrenzen im filmischen Diskurs (364) 5.2 Der filmische Diskurs - Genrestatus (375) 5.3 Literaturverfilmung - Literatur und Film (387) 5.4 Globale Katastrophe - Film und Literatur im Vergleich (393)
Anhang
(399) Filmographie
(399) Primärtexte (401) |
( Ordner ) detopia.de ^^^^
Prof. Dr. Hans Krah (2004) Weltuntergangsszenarien und Zukunftsentwürfe