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Ein nicht mehr zeitgemäßes medizinisches Paradigma 

Oder: Wieso chronische Krankheiten durch
konventionelle Methoden der Schulmedizin
nicht geheilt werden können

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Die moderne sogenannte Schulmedizin, wie wir sie heute praktizieren, entwickelte sich zu einer Zeit, in der akute (plötzlich auftretende) Infektionskrankheiten die Hauptkrankheits- und Todesursachen waren. Die meisten anderen Probleme, die Menschen zum Arzt brachten, verliefen ebenfalls akut, wie etwa eine Appendizitis (allgemein als Blinddarmentzündung bekannt) oder eine Lungenentzündung. Die Behandlung war in diesen Fällen »relativ einfach«: Der Patient entwickelte eine Lungenentzündung, ging zum Arzt, erhielt ein Antibiotikum und wurde entweder gesund oder starb. Ein Problem, ein Arzt, eine Behandlung.

Die Dinge sind heute nicht mehr so simpel. Der durchschnittliche Patient sucht heute medizinische Hilfe wegen einem oder mehreren chronischen Problemen, die einer komplexen wie teuren Behandlung bedürfen, in der Regel mehr als einen Spezialisten erfordern und häufig bis zum Lebensende anhalten. Sie eignen sich schlichtweg nicht für den klassischen Ansatz »ein Problem, ein Arzt, eine Behandlung«.

Es ist aber gerade die Anwendung des klassischen medizinischen Paradigmas auf das ständig wachsende komplexe Problem chronischer Krankheiten, das uns in den letzten Jahrzehnten in Bedrängnis gebracht hat. Es hat zu einem System geführt, das sich auf die Unterdrückung von Symptomen mit Medikamenten konzentriert, anstatt die zugrunde liegende Ursache der Krankheiten anzusprechen. Noch besser wäre es, wenn wir wüssten, wie wir diese chronischen Krankheiten vermeiden oder zumindest so lange wie möglich hinauszögern könnten.

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Bei der Behandlung chronischer Krankheiten sind Struktur und Trägheit unseres Gesundheitswesens mehr als problematisch. Wie bereits angeklungen, sind die primären Ursachen der Ausbreitung chronischer Krankheiten nicht in erster Linie genetisch, sondern zu einem großen Teil verhaltens- und ernährungsbedingt.

Es läuft darauf hinaus, dass Menschen (häufig mangels besseren Wissens) die falschen Entscheidungen in Bezug auf Ernährung, körperliche Aktivität, Schlaf und so weiter treffen - immer und immer wieder, von der Kindheit an, ein Leben lang. Dies macht deutlich, dass eine der wichtigsten Rollen unserer Gesundheitssysteme und unserer Regierungen in der Unterstützung der Bevölkerung bei positiven Verhaltens- beziehungsweise Ernährungs­änderungen liegen sollte.

Leider macht das herkömmliche System derartige Maßnahmen schwierig oder sogar unmöglich. Ein durchschnittlicher Patientenbesuch bei einem Kassenhausarzt dauert in vielen Fällen bestenfalls zehn bis zwölf Minuten, sodass dem Arzt kaum Zeit bleibt, ein Medikament für die vorgebrachten Symptome eines Patienten zu verschreiben, geschweige denn für eine eingehende Erörterung der Ernährung und des gesamten Lebensstils. Infolgedessen ist bereits die überwiegende Mehrheit der Gesundheitsdienstleister der pessimistischen Auffassung, dass der Gesundheitsberuf im Niedergang begriffen sei und dass sie das derzeitige System kaum ändern könnten. Dies sind nur einige Gründe, weshalb Burn-out im Gesundheitswesen so häufig ist und viele Kolleginnen und Kollegen laut Umfragen diesen Beruf kein zweites Mal wählen würden.

Um es ganz deutlich zu sagen: Die derzeitige Denkweise der konventionellen Schulmedizin kann und wird niemals das ständig anwachsende Problem der chronischen Krankheiten lösen. Wir müssen beginnen, die Dinge anders zu sehen und zu handhaben. »Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.« Dieses Zitat wird Albert Einstein zugeschrieben und ist eine der zentralen Aussagen in diesem Buch. Welche aber sind die Denkweisen und die daraus resultierenden Handlungen, die zum Problem der gegenwärtigen Epidemie chronischer Krankheiten geführt haben? Um diese Fragen beantworten zu können, müssen wir unseren Blick zunächst auf das richten, was sich innerhalb des letzten Jahrhunderts, insbesondere der letzten Jahrzehnte, geändert hat, und uns dann näher ansehen, ob diese Veränderungen die Zunahme chron­ischer Krankheiten erklären.

Der deutsche Philosoph Ludwig Feuerbach (1804-1872) hat den bekannten Satz »Du bist, was du isst« geprägt. Diese Weisheit scheint unter den gegenwärtig exponentiell ansteigenden Erkenntnissen der modernen biomedizinischen Forschung mehr Wahrheitsgehalt zu haben, als wir uns jemals vorzustellen vermochten. Betrachten wir alle Dimensionen unserer persönlichen Ernährung, werden wir ungeahnte Zusammenhänge erkennen. Zusammenhänge zwischen unserer Lebensgrundlage, dem Erdboden, der Nahrungsmittelproduktion, unserer rücksichtslosen Ressourcennutzung und imperialen Lebensweise, der Vernichtung von Lebensräumen, der nicht mehr zu leugnenden globalen Klimaveränderung, der steigenden sozialen Ungleichheit, der Migration und der kriegerischen Ereignisse.

Haben wir diese Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung einmal erkannt, können wir effektive, nachhaltige und zukunftsfähige Konzepte entwickeln, um nicht nur unseren persönlichen Gesundheitszustand zu verbessern, sondern auch, um den kommenden Generationen die Möglichkeit eines friedlichen und gesunden Lebens auf der begrenzten Ressource namens Planet Erde zu ermöglichen. Setzen wir diese Erkenntnisse nicht rasch um, ist die Zukunft des Homo sapiens mehr als ungewiss.

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