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Anmerkungen, Ergänzungen und Literaturhinweise / Ditfurth-1985
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a1-7 zu Einleitung LS:7
1) Arthur Koestler: <Der Mensch. Irrläufer der Evolution>, 1978. — Koestler entwickelt darin u.a. den Gedanken, daß der Durchgang durch eine thermonukleare Entwicklungsphase eine Art kosmischen Tests auf psychische Gesundheit darstelle, den jede Zivilisation — auch K. rechnet mit einer großen Zahl außerirdischer Zivilisationen — früher oder später zu bestehen habe. "Kranke" Zivilisationen würden dabei als ihre eigenen Scharfrichter selektiv wirksam in der Art eines "kosmischen Unkrautvertilgers". (S. 328)
Als Belege für eine "Geisteskrankheit" unserer eigenen Spezies führt er auf: die in grauer Vorzeit anzutreffenden Rituale des Menschenopfers, das hartnäckige Austragen intraspezifischer Kriege, die paranoide Spaltung zwischen rationalem Denken und irrationalem, auf Affekten beruhendem Glauben sowie den Gegensatz zwischen der Genialität der Menschheit bei der Unterwerfung der Natur und ihrer Unfähigkeit, mit ihren eigenen Problemen fertig zu werden — symbolisiert durch die neue Grenze auf dem Mond und Minenfelder quer durch Europa.
2) Robert Malthus, ein englischer Pfarrer und Nationalökonom, sagte in seinem 1798 in erster Auflage erschienenen Buch über die Gesetze des Bevölkerungswachstums katastrophale Hungersnöte und eine Reduzierung der Menschenzahl durch Seuchen und Kriege mit der Begründung voraus, daß die Nahrungsmittelproduktion, da sie nur in arithmetischer Progression zunehme, hinter der geometrisch zunehmenden Bevölkerungszahl hoffnungslos zurückbleiben müsse. Die angekündigten Hungersnöte blieben jedoch aus, da die von Malthus nicht vorhergesehene Erfindung des Kunstdüngers den landwirtschaftlichen Ertrag um ein Vielfaches steigerte.
Dieses Beispiel wird heute mit großer Regelmäßigkeit von denen ins Feld geführt, welche die augenblicklich uns drohenden Gefahren nicht wahrhaben oder verniedlichen wollen. Dabei wird übersehen, daß sich, betrachtet man die heutige Welternährungssituation, Malthus keineswegs "geirrt" hat. Der weitere Verlauf bis heute hat die angeführte Prophezeiung vielmehr auf eine furchtbare Weise bestätigt. Die einzige Korrektur, die an der Vorhersage von Malthus anzubringen ist, betrifft den zeitlichen Ablauf.
3) Zit. nach Kyra Stromberg, "Heilige Aussteiger und Wilde Leute", in: Kunst und Antiquitäten, Nr. 3 (1983), S. 12
4) Karl Rahner, "Zum Verhältnis von allgemeiner und biblischer Heils- und Offenbarungsgeschichte", in: Wolfgang Böhme (Hrsg.), "Freiheit in der Evolution", Herrenalber Texte, Nr. 57, Karlsruhe 1984, S. 79
5) Interessenten finden alle wichtigen Details in: Heinrich K. Erben, "Leben heißt Sterben. Der Tod des einzelnen und das Aussterben der Arten", Hamburg 1981.
6) Pierre Teilhard de Chardin, "Der Mensch im Kosmos", München 1959, S. 285 ("Voraussagen, die auszuschließen sind"). — In einer Schrift mit dem Titel "Mein Glaube" hat Teilhard die Voraussetzung der im Text zitierten "Beweisführung" — ohne auf sie Bezug zu nehmen — allerdings selbst relativiert, wenn nicht zurückgenommen:
"Wenn man es wirklich für allzu anthropozentrisch hält, sich eine einzige Menschheit im Universum vorzustellen, bleibt noch der Ausweg, sie als einzigartig zu begreifen ... Doch ebenso wie auf der Erdoberfläche die menschliche Seele nicht allein ist, sondern wesentlich als Legion auftritt, ist es auch unendlich wahrscheinlich, daß sich die bewußte kosmische Schicht nicht auf einen einzigen Punkt (unsere Menschheit) beschränkt, sondern sich außerhalb der Erde zu anderen Sternen und anderen Zeiten hin fortsetzt. Viel wahrscheinlicher ist die Menschheit weder ›unica‹ noch ›singularis‹: Sie ist ›eine unter tausend‹."
Dann allerdings taucht das geo-zentrische Motiv in anderer Form schon im nächsten Satz wieder auf mit der Frage: "Wie aber kommt es dann, daß sie wider alle Wahrscheinlichkeit als Zentrum der Erlösung gewählt wurde? Und wie kann sich von ihr aus die Erlösung von Gestirn zu Gestirn ausbreiten? Die Frage bleibt für mich noch ohne Antwort." (S. 55/56) Am Schluß heißt es dann: "Denn selbst wenn es wirklich (wie es nunmehr wahrscheinlicher ist) Millionen von ›bewohnten Welten‹ am Firmament gibt, bleibt die Grundsituation für den Christen unverändert ... Gewiß ... ist es unvermeidlich, daß das Ende des ›Mono-genismus‹ uns möglicherweise dazu zwingt, eine ganze Reihe unserer theologischen ›Vorstellungen‹ zu revidieren und anpassungsfähiger zu gestalten‹." (S. 278/79) — "Mein Glaube", Ineditum, New York 19537) In einem Brief an seine Frau aus dem Jahre 1540. Luther hat dem Satz ein "Amen" hinzugefügt, so daß an dem Gebetscharakter kein Zweifel besteht. Quelle: Kurt Aland (Hrsg.), "Lutherlexikon", 31974, S. 319. Ich verdanke diesen Quellenhinweis der freundlichen Hilfe von Prof. Dr. Liselotte Corbach.
a8-28 zu K1:Krieg LS:20
8) Edgar Lüscher, "Pipers Buch der modernen Physik", 2. Aufl., München 1980, S. 143
9) Die 92 natürlich vorkommenden Elemente werden in der Reihenfolge durchnumeriert, die ihrem zunehmenden Gewicht — dem Gewicht der Atome, aus denen sie bestehen — entspricht. Wasserstoff, das leichteste Element, trägt folglich die "Ordnungszahl" 1, Helium, das nächstschwerere, die Ordnungszahl 2 usw. bis zum schwersten, dem Uran, mit der Ordnungszahl 92. Diese Ordnungszahlen sind zugleich identisch mit der sog. Kernladungszahl, an ihnen läßt sich also unmittelbar ablesen, wie viele elektrisch geladene Teilchen ("Protonen") der Kern des jeweiligen Atoms enthält: Bei Wasserstoff (H) ist es ein einziges, beim Helium (He) sind es 2, beim Uran 92. Zu dem Gewicht des Kerns — der mehr als 99,9 Prozent der Masse des ganzen Atoms ausmacht — tragen außerdem aber noch ungeladene Kernteilchen, die "Neutronen", bei.
Die "Massenzahl" der jeweiligen Atomart gibt die Summe von Protonen und Neutronen im Kern an. Beim Wasserstoff, dessen Kern nur 1 Proton (und kein Neutron) enthält, ist sie mit der Ordnungszahl identisch. Beim Helium, dessen Kern aus 2 Protonen plus 2 Neutronen zusammengesetzt ist, beträgt sie folglich 4 und beim Uran (92 Protonen plus 146 Neutronen) 238.
10) Für den spontanen Zerfall radioaktiver Elemente gilt ein eigentümliches Gesetz, das seinen Ausdruck in der sog. Halbwertszeit gefunden hat: Sie ist die — für jedes radioaktive Element spezifische — Zeit, in der, gänzlich unabhängig von der absoluten Größe der Menge, jeweils die Hälfte der vorhandenen Menge zerfällt. Das "normale" Radium (mit der Massenzahl 226) hat z. B. eine Halbwertszeit von 1620 Jahren. Das heißt, daß von 100 Gramm Radium nach 1620 Jahren noch die Hälfte, also 50 Gramm, übrig wäre. Von diesen zerfallen dann aber in weiteren 1620 Jahren nur 25 Gramm, also wiederum nur die Hälfte (und nicht etwa die restlichen 50 Gramm), während einer anschließenden abermaligen Frist von 1620 Jahren 12,5 Gramm usw.
Uran 238 hat eine Halbwertszeit von 4,5 Milliarden Jahren. Daher ist von ihm heute immerhin noch die Hälfte der Menge vorhanden, die es kurz nach der Entstehung der Erde auf unserem Planeten gab. Und daß Uran 235 so viel seltener ist, erklärt sich leicht aus seiner Halbwertszeit von nur 710 Millionen Jahren.11) Die Bindungsenergie innerhalb des Kerns von U-238 ist so viel größer als im U-235, daß die Energie "langsamer" Neutronen zu seiner Spaltung nicht ausreicht. Als "langsam" werden in der Kernphysik Neutronen mit einer Bewegungsenergie von weniger als 1 Million Elektronenvolt bezeichnet, wie sie sich z. B. in den modernen Teilchenbeschleunigern erzeugen lassen.
12) Zit. nach W. L. Laurence, "Dämmerung über Punkt Null" (Die Geschichte der Atombombe), List-TB, o.J., S. 169
13) Frank Barnaby gibt in "Types of Nuclear Weapons" (AM-BIO, Vol. XI, 1982, S. 83) "etwa 60 kg" als kritische Masse für das in der Hiroshima-Bombe verwendete Uran 235 an, von denen 700 g gespalten worden seien.
Tom Wilkie nennt in "Old age can kill the Bomb" (New Scientist, 16.2.1984, S. 27) "ungefähr 52 kg für Uran 235 von normaler Dichte". Werner Miaiki, "Energie aus dem Atomkern. Grundlagen und Anwendung", Berlin 1966, S. 218, nennt "15 bis 20 kg... wenn man die Anwendung von Tamper (Fachausdruck für den die krit. Masse umgebenden Stahlmantel) und Reflektor voraussetzt". Auf (geschätzte) ca. 10 kg für die Hiroshima-Bombe kommt man, berücksichtigt man zusätzlich die durch die zündende Dynamitexplosion bewirkte Verdichtung des Urans.
14) Hier ist vor allem das mit Recht gerühmte Buch von Jonathan Schell, <Das Schicksal der Erde; Gefahr und Folgen eines Atomkriegs>, München 1982, anzuführen, das ich mir als Pflichtlektüre in die Hand aller Politiker und Militärs wünschte (siehe dazu aber auch Anm. 22!).
15) Ich entnehme die folgenden Angaben der Darstellung von Nina Byers u. Hubert Kneser, "Physikalische Wirkungen einer Wasserstoffbomben-Explosion über Frankfurt a. M.", in: Hans-Peter Dürr et al. (Hrsg.), "Verantwortung für den Frieden. Naturwissenschaftler gegen Atomrüstung", Spiegel-Buch, Reinbek 1983, S. 46 ff.
16) Eugene Rostow, Leiter der Rüstungskontroll- und Abrüstungsbehörde (!) der USA: "Schließlich hat Japan den Atomangriff nicht nur überlebt, sondern hat danach eine Zeit der Blüte erlebt." Zit. nach Edward M. Kennedy u. Mark O. Hatfield, "Stoppt die Atomrüstung", Hamburg 1982, S.18
17) Aus diesem Grunde muß es einen mit Ratlosigkeit und Resignation erfüllen, wenn man erfährt, daß auch der namhafte Kernphysiker und Friedensforscher C. F. von Weizsäcker sich einen privaten Atombunker auf seinem Grundstück installieren ließ. In was für eine Welt will der Gelehrte mit den Seinen eigentlich nach wochen-, wenn nicht monatelangem Bunkeraufenthalt zurückkriechen, falls seine Familie es überhaupt fertig bringen sollte, sich im Augenblick der Explosion gerade vollzählig in ihrem Schutzraum aufzuhalten? Wenn die Phantasie selbst dieses Mannes nicht ausreicht, die wirklichkeitsfremde Abwegigkeit einer solchen "Vorbeugungsmaßnahme" und ihre mehr als bedenkliche psychologische Öffentlichkeitswirkung zu durchschauen, muß man hinsichtlich der geistigen Verfassung jener militärstrategischen Profis, denen der Umgang mit Begriffen wie "Megatod" und "Weichzielen" (für lebende Organismen) längst zur Gewohnheit geworden ist, von den schlimmsten Voraussetzungen ausgehen.
18 Wolfgang Send, "Von der Ohnmacht des Zivilschutzes", in: "Verantwortung für den Frieden", Reinbek 1983, S. 77
19 Tom Wilkie, "Old age can kill the Bomb", s. Anm. 13
20 Robert Scheer, "Und brennend stürzen Vögel vom Himmel", München 1983, S. 34 ff. Der melodramatische Titel dieses Buchs ist leider irreführend. Es handelt sich um eine kommentierte Auswahl von Interviews, die der Autor als Reporter der "Los Angeles Times" in den letzten Jahren mit maßgeblichen amerikanischen Politikern zum Thema Sicherheits- und Verteidigungspolitik führte.
21 AMBIO (published by the Royal Swedish Academy of Sciences), Sonderheft "Nuclear War: The Aftermath", Vol. XI, Nr. 2-3, 1982. Deutsche Ausgabe unter dem Titel "Nach dem Atomschlag", Frankfurt 1984
22 Josef Joffe, "Schells Schreckschuß", Die Zeit, Nr. 28, 9. Juli 1982, S. 11 — Die von keinerlei Selbstzweifeln getrübte Selbstgerechtigkeit, mit der hier ein politischer Redakteur der "Zeit" eine abweichende Meinung über ein zwiespältiges Thema moralisch abqualifizieren zu können glaubt, macht ein wenig ratlos. Die politischen Schlußfolgerungen Schells mögen in der Tat naiv sein. Wenn Joffé daraus nun aber das Recht ableitet, die in dem Buche Schells spürbar werdende Betroffenheit über eine allzusehr verdrängte Bedrohung abwertend zu verdächtigen, so spricht daraus eine eigentümlich unjournalistisch wirkende Arroganz. Man fühlt sich unwillkürlich an den Vorwurf von Günter Grass erinnert, der Leiter eben dieser Redaktion schreibe nicht wie ein kritischer Journalist, sondern "wie ein verhinderter Staatssekretär".
23 "Verantwortung für den Frieden", Reinbek 1983, S. 54
24 Colin S. Gray u. Keith Payne, "Victory is possible", Foreign Policy, Nr. 39, 1980
25 Alastair Hay et al., "No Fire, no Thunder: the threat of chemical and biological weapons", Pluto Press, London 1984
26 Werner Dosch, "Neue biologische und chemische Waffen", in: "Verantwortung für den Frieden", Reinbek 1983, S.79
27 Am 12. Dezember 1979 beschlossen die Außen- und Verteidigungsminister der NATO-Staaten auf einer Sondersitzung, der UdSSR Verhandlungen über eine Rüstungsbegrenzung im Bereich der europäischen Mittelstreckenraketen vorzuschlagen, deren Ziel es vor allem sein sollte, die östliche Seite zu einem Verzicht auf die Aufstellung von SS-20-Raketen und zum Wiederabbau der bereits aufgestellten Raketen dieses Typs zu bewegen. Zur Begründung wurde angegeben, daß die Aufstellung dieser Raketen das eurostrategische Rüstungsgleichgewicht gefährde. Zugleich mit diesem "Verhandlungsteil" des Doppelbeschlusses kündigte die Ministerrunde der NATO an, daß die westliche Seite ab Herbst 1983 beginnen werde, ihrerseits in Westeuropa neue Kernwaffenträger aufzustellen (108 Pershing-2-Raketen und 464 Marschflugkörper oder "Cruise Missiles"), wenn die Verhandlungen bis zu diesem Zeitpunkt nicht zu dem angestrebten Ziel (Abbau der SS-20) führen sollten ("Nachrüstungsteil" des Doppelbeschlusses).
28 Einzelheiten in: W. Dosch, a.a.O. (s. Anm. 26) sowie in: Alastair Hay, "At War with Chemistry", New Scientist, 22. März 1984, S. 12
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