Christoph Spehr

 

1996: Die Ökofalle.
Nachhaltigkeit und Krise. 

1999: Die Aliens sind unter uns!
Herrschaft und Befreiung
im demokratischen Zeitalter

2003: Gleicher als Andere.
Eine Grundlegung der Freien Kooperation.

wikipedia  Spehr 
*1963 in Augsburg

dnb  Person

dnb Name

dnb Nummer (11)


detopia   S.htm

Umweltbuch  

Utopiebuch

Prof. Brand *1967

Hermann Scheer

Klaus-Simon-2014

 

 

 

2003: Gleicher als Andere. - Eine Grundlegung der Freien Kooperation. 309 Seiten. Dietz-Berlin.      Inhalt dnb     dnb Buch    bing Buch   goog Buch  

  Volltext 114 Seiten  Erster Teil des Bandes 9 aus der Reihe »Texte« der Rosa-Luxemburg-Stiftung, erschienen 2003 im Karl Dietz Verlag Berlin.

  Volltext 309 Seiten  mit Debatte


1999: Die Aliens sind unter uns! - Herrschaft und Befreiung im demokratischen Zeitalter. 313 Seiten. Goldmann-1999.      Inhalt dnb    dnb Buch   bing Buch


aus  wikipedia

  • *1963 in Augsburg. Landesvorsitzender der Partei Die Linke in Bremen.

  • Spehr studierte Sozial- und Wirtschaftsgeschichte in München und promovierte 1993 in Bremen.

  • Er engagierte sich in entwicklungs- und wissenschaftspolitischen Organisationen, teilweise in Leitungspositionen, sowie in der Gewerkschaft GEW.

  • In seinen Werken kritisierte Spehr zunächst die Umweltbewegung, die in ihrem Verhältnis zur Natur die gesellschaftlichen Verhältnisse und insbesondere die Herrschaftsverhältnisse vernachlässige.

  • Um die Jahrtausendwende erlangten Bücher wie <Die Aliens sind unter uns> und Artikel wie <Befreiungstheorien im Elchtest> wegen der Erläuterung politischer Zusammenhänge mit popkulturellen Mitteln Kultstatus in Teilen der sozialen Bewegungen. Spätere Arbeiten befassen sich mit linker Politik.

  • Spehr lebt mit seiner Lebensgefährtin und zwei Kindern in Bremen.

  • Von 1981 bis 1989 war er Mitglied der SPD. Seit 2005 gehört er der Partei Die Linke an. Er war Bundessprecher der Parteiströmung Emanzipatorische Linke.

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Weblinks


 

1994 = Dissertation-1993
Die Jagd nach Natur
Zur historischen Entwicklung
des gesellschaftlichen Naturverhältnisses
in den USA, Deutschland, Grossbritannien und Italien
am Beispiel von
Wildnutzung, Artenschutz und Jagd
284 Seiten

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1996  Die Ökofalle. Nachhaltigkeit und Krise /Christoph Spehr


 

Der Autor unternimmt eine kritische Analyse der Nachhaltigkeits-Diskussion und den daraus entworfenen Zukunftsstudien, die eine Lösung der ökologischen Krise in der Entwicklung verbesserter Technologien sehen.

Mit der Aufdeckung der methodischen Mängel dieser Zukunftsmodelle werden die in der Diskussion bewußt ausgeblendeten Herrschaftsverhältnisse sowie die wirtschaftspolitischen Eigeninteressen der Industrieländer sichtbar gemacht. Durch die fundierte Aufarbeitung der gesamten Debatte begründet und untermauert Spehr seine These, daß die ökologischen und sozialen Probleme durch einen propagierten "reformierte[n] Ökokapitalismus" (10 f.) nicht zu lösen seien. Vielmehr markiere die "ökologische Krise als soziale Krise eine prinzipielle Krise des herrschenden Systems" (14), die Ökologie-Debatte fungiere letztlich als "Einfallstor dafür, an alten Fehlern, Vorstellungen und Illusionen festzuhalten" (11).

Eine emanzipatorische Politik dagegen müsse am Kern der Krise ansetzen. Hierzu entwirft Spehr ein Konzept der "Abwicklung des Nordens" (209 ff.), das folgende Prinzipien enthält: Unterbindung jeglicher Intervention, Zurückdrängung des globalen Sektors, die Entprivilegierung der formalen Arbeit, eine direkte Aneignung von Räumen und Zusammenhängen sowie Maßnahmen zur direkten Überlebenssicherung (214).

Diese spannend zu lesende, mit eingängigen Metaphern arbeitende Studie wurde im Rahmen eines Nachhaltigkeitsprojektes des "FORUM entwicklungspolitischer Aktionsgruppen (Bremen)" erstellt und vermag all jenen, die bei der bisherigen Nachhaltigkeitsdiskussion Unzufriedenheit verspüren, handlungsorientierte Denkanstöße zu vermitteln.

Anke Rösener (AR)  Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de
pw-portal.de/aussen-und-sicherheitspolitik/ueberblick/die-oekofalle_1641


"Praktisch bedeutet das, in leicht schematisierter Form:

  • Die Interventionsmacht des Nordens gegenüber dem Süden zu behindern. Also: Aktivität gegen militärische Intervention, gegen die Aufrüstung, aber auch gegen die kalte Intervention: die weitere Liberalisierung des Welthandels, die Strukturanpassungsprogramme des Internationalen Währungsfonds und so weiter.

  • Den globalen Sektor zurückzudrängen - durch Deinvestition, durch Aktivität gegen die Entwicklung der Zukunftstechnologien (Gen- und Biotechnologie vor allem), aber auch persönlich durch die Weigerung, für diesen Sektor zu arbeiten.

  • Die Privilegien der formalen Lohnarbeit abzubauen. Das beinhaltet die Forderung nach einer sozialen Grundsicherung, die den Zwang lockert, sich um jeden Preis zu verkaufen; es bedeutet auch, die geschlechtliche Arbeitsteilung un die Arbeitsteilung zwischen formeller und informeller Arbeit abzulehnen und zu konterkarrieren.

  • Sich Räume und Zusammenhänge kollektiv wieder anzueignen, statt sie für Investoren preiszugeben. Also: städtischen Raum für sich zu besetzen, Landkommunen aufzubauen, eine radikale regionale Autonomie einzufordern und praktisch durchzusetzen.

  • Den Norden in dem Sinn zu dekolonisieren, daß Strukturen gefördert und aufgebaut werden, die ein umfassendes Überleben auf eigene Rechnung möglich machen. Aktivitäten gegen den zerstörerischen Flächenzugriff nach außen, etwa durch das Fleisch- und Agrobusineß.

  • Wiederaneignung von Techniken und Lebensweisen, die ein sozial befriedigendes Leben ermöglichen, ohne den Umweg über Lohnarbeits-Geld, imperialistischen Außenhandel und eine industrielle Konsummaschine zu nehmen."

Aus "Die Öko-Falle" (1996)
projektwerkstatt.de/index.php?domain_id=19&p=10522


Lesebericht:

transitionsblog.de/content/buch-rezension-die-oekofalle-nachhaltigkeit-und-krise-christoph-spehr

Öko liegt im Trend und nachhaltige Lebensstile werden für immer mehr Menschen ein Thema. Doch warum hilft dies nicht den gegenwärtigen Trend im Ressourcenverbrauch zu stoppen? Spehr zeigt, warum ein grüner Kapitalismus die Probleme nicht lösen wird und ohne eine Herrschaftskritik, ökologische Lebensstile sinnlos sind.

Ökologische Lebensstile in der Ökofalle

Kernthese seines Werkes ist die Ökofalle, in der wir gefangen sind. Ökologisch orientierte Lebensstile predigen oft den Verzicht: weniger Fliegen, weniger Autofahren oder weniger Luxuskonsum von den vielen kleinen Dingen, die uns das Leben versüßen. Öko heißt sparen, den Gürtel enger schnallen und den ökologischen Fußabdruck verkleinern, auf dem wir leben. Das Verführerische an diesem Leben mit dem erhobenen Zeigefinger ist die einfache Logik dahinter:

weniger Konsum = weniger Rohstoffverbrauch = mehr Nachhaltigkeit

Diese Gleichung wurde allerdings ohne einer grundlegenden Herrschaftskritik gemacht.

Spehr schreibt dazu:

„Die verschiedenen Strömungen der sozialen Gegenbewegung haben dieses Dogma in unterschiedlicher Weise akzeptiert und vertreiben sich die Zeit, die sie in der Ökofalle absitzen, am liebsten mit gegenseitigen Mäßigungsapellen“ (S. 236)

Nachhaltigkeit lässt sich nicht ohne Herrschaftskritik denken

Wenn wir sparen, heißt dies nicht, dass am Ende für alle mehr übrigbleibt. Das, was wir sparen, wird wieder von anderer Seite verbraucht. Beispielsweise durch die aufwändige Produktion und lange Transportketten der multinationaler Konzerne, die weltweit auf der Jagd nach billigen Arbeitskräften und Rohstoffen sind. Das sind aufgeblähte Staatsapparate, die mit Polizei und Militär die Praktiken der Konzerne sichern, indem sie Eigentumsrechte sichern (z.B. Landgrabbing) und die Aufstände der Bevölkerung niederdrücken, weil sie für mehr Land, bessere Arbeitsbedingungen und Demokratie auf die Straße gehen. Und es ist die Werbe- und Propagandamaschinerie, die uns erzählt, dass Geiz geil ist und das Freiheit der Besitz der neuesten Gadgets bedeutet – egal unter welchen ausbeuterischen Bedingungen das neue Smartphone produziert wurde. Die ökologische Frage kann nicht getrennt von der sozialen Frage beantwortet werden. Und diese ist eng verwoben mit Imperialismus, Rassismus und Sexismus.

Kritik der Ökobewegung

Spehr analysiert die blinden Flecken der Ökobewegung. Warum die vielen Nachhaltigkeitsstudien wie Zukunftsfähiges Deutschland oder Towards Sustainable Europe grundlegende Denkfehler haben und deshalb nicht die richtigen Schlüsse ziehen können. Warum die vielen staatlichen Naturschutzgebiete eher der Ressourcensicherung dienen, als dem Naturschutz. Oder wieso es auch für einen grünen Öko-Kapitalismus wichtig ist, die Umwelt zu zerstören. Nur so schafft er es, alle weiter in die kapitalistische Tretmühle einzuspannen uns sich über die ganze Welt auszudehnen.

Lösungen für eine nachhaltige Gesellschaft

Der Lösungsvorschlag von Spehr besteht in der Abwicklung des Nordens. Dies meint zunächst, die Zugriffsmöglichkeiten des Nordens auf die Ressourcen anderer Länder einzudämmen. Direkt durch die Friedensbewegung, aber auch die globalisierungskritische Bewegung (z.B. Attac). Die aktuellen Proteste gegen TTIP/CETA sind ein wichtiger Hebel, um die „Waffenfunktion der Ökonomie“ gegen ärmere Länder zu einzuschränken. Weiterhin fordert er eine Zurückdrängung des globalen Sektors durch die Förderung regionaler Produktions- und Konsumtionskreisläufe. Nur die weltweite Vernetzung ermöglicht es Unternehmen, ArbeitsnehmerInnen gegeneinander auszuspielen und Arbeits- wie Umweltschutzgesetze der Länder zu unterlaufen. In diese Kerbe schlägt auch die Forderungen nach einem bedingungslosen Grundeinkommen. Als „Entprivilegisierung der formalen Arbeit“ soll die schon lang formulierte feministische Forderung nach Anerkennung von Reproduktionsarbeit umgesetzt werden. Andere Punkte seines Lösungsvorschlags beschreiben Änderung der Gesellschaftspolitik zu mehr Basisdemokratie, Selbstorganisation und regionale Tausch- und Produktionskreisläufe in einer Shared Economy. 

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(Ordner)    www.detopia.de        ^^^^ 

Christoph Spehr, *1963