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3  Genesung und Erneuerung      Janov 1980

 

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Chronische Krankheiten — jeglicher Art — beschleunigen den Tod. Wenn wir leben wollen, muß der Körper gesund, bleiben. Das heißt, daß wir so frei wie möglich von chronischem Primärschmerz sein müssen. Unsere Lebenszeit wird durch die Neurose — die ungreifbarste, verheerendste und weitverbreitetste Krankheit — verkürzt. Viele Krankheiten, die wir für natürliche Todesursachen halten, werden von dieser ihnen zugrunde liegenden Krankheit beschleunigt und vielleicht sogar erzeugt. 

Die Funktion der Verdrängung besteht darin, uns am Leben zu halten. Doch mit dem Älterwerden steigt der Preis unaufhörlich, den wir dafür zahlen müssen, unsere Urschmerzen begraben zu haben. Primärschmerz ist eine ständige Last, die den Stoffwechsel erhöht, was den Körper nach und nach zermürbt, Krankheiten hervorruft und schließlich zu einem vorzeitigen Tod führt.

Organismen, die eine höhere Stoffwechselrate haben, verbrennen und sterben früher. Bestimmte Nagetiere mit hoher Stoff­wechselrate, wie zum Beispiel die Spitzmaus, leben nur ungefähr ein Jahr. Spezies wie die Schildkröte mit außergewöhnlich niedriger Stoffwechselrate leben dagegen mehr als ein Jahrhundert. Indem wir die allgemeine Stoffwechselrate unserer Patienten senken, was wir mit der Primärtherapie tun, werden sie, so nehme ich an, befähigt, eine signifikant längere natürliche Lebens­spanne zu erreichen.

Im Gegensatz zu anderen Krankheiten, die sich auf ein bis zwei Organe beschränken, ist Neurose eine Krankheit, die den ganzen Menschen ergreift. Was uns als Säuglingen und Kindern widerfährt, passiert nicht nur einem Arm, einem Bein oder einer Lunge. Es geschieht als eine Erfahrung. Aus diesem Grund muß die Beschäftigung mit einem Symptom in der Therapie fehlschlagen, denn der Körper wird, solange die Neurose nicht aufgelöst ist, ein neues Symptom entwickeln. Wenn kein anderes Symptom dem Schmerz als »Abflußrinne« dienen kann, glaube ich, daß der Mensch aufgrund der erhöhten metabolischen Last sogar früher sterben kann.

Symptome haben eine eigene Sprache. Die primäre Bedeutung jedes Symptoms liegt in dem Hinweis auf ein physiologisches Ungleich­gewicht und dem Herausschreien des Bedürfnisses nach Wiederherstellung der normalen Bedingungen der Befriedigung.

Am Ende bleibt nur die Frage, welches System für Streß anfällig und welches System zum Ziel der Absorbierung von Streß geworden ist. Das hängt wahrscheinlich sowohl von Vererbung als auch davon ab, welche Systeme am meisten in prototypische Primärsituationen verwickelt waren. So kann ständiges heftiges Schlagen gegen den Schambogen während der Geburt jemand in Streßsituationen anfällig für Kopfschmerzen machen, wohingegen jene, die in der Geburtsflüssigkeit fast ertrinken, später anfälliger für Brust- und Lungenbeschwerden sein können.

Als allgemeine Regel gilt, Primärschmerz führt zu einem Zusammenziehen, seien es Muskeln, Blutgefäße oder Pupillen. Auf diese Weise entziehen sich physische Systeme der Gefahr. Ständiger Urschmerz stellt eine zusätzliche Belastung des Kreislaufsystems dar.1 Leiden, wie etwa Schlaganfälle, könnten aus Veränderungen des Kreislaufsystems resultieren, die im Laufe der Zeit von Urschmerz hervorgerufen wurden. Es kann auch sehr viel mit chronischer Migräne zu tun haben. Ich glaube, daß sich das Kreis­laufsystem unter massiven Traumata der ersten Ebene so sehr verengt, daß der Verengungsprozeß letztlich versagt, was zu einem Vasodilatations-»Rückschlag« und schwerer Migräne führt.

Wenn wir Urschmerz aus dem Körpersystem entfernen und eine Krankheit dauerhaft verschwindet — und wenn dies darüber hinaus häufig genug geschieht —, können wir mit einiger Sicherheit sagen, daß Urschmerz der Grund der Krankheit war. Da die Fragebogenuntersuchung aufgezeigt hat, daß viele Störungen, einschließlich Migräne, durch die Auflösung von Urschmerz gebessert oder zum Verschwinden gebracht werden können, ist dies natürlich nicht mehr nur eine Hypothese.

1  Siehe dazu den Abschnitt über Thennographie in Teil IV, Kapitel 2, »Das Messen von Krankheit und Gesundheit».

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Der Weg des Urschmerzes vom Gehirn, zum Körper 

Der uralte Teil unseres Gehirns, der Hypothalamus, setzt Schmerz in Veränderungen innerorganischer Systeme wie Herzschlag­frequenz, Körpertemperatur und Blutdruck um. Ein naher Verwandter des Hypothalamus ist die Hypophyse, die für den Ausstoß von Schlüsselhormonen verantwortlich ist. Diese beiden Gebilde sind zum Zeitpunkt der Geburt ausgereift und für die Integration frühester Primärschmerzen verantwortlich. 

Die Reife dieser Gehirnstrukturen zur Zeit der Geburt trägt zur Erklärung bei, warum das Wiedererleben von Traumata der ersten Lebenstage so bemerkenswerte Veränderungen der vitalen Körperfunktionen und Hormonsekretionen hervorrufen kann. Es erklärt auch, warum einige Menschen ohne ersichtlichen Grund unter chronisch hohem Blutdruck und Puls leiden. Diese primären Strukturen stehen unter dauerndem Streß versteckter und unzugänglicher gespeicherter Traumata.

Der Hypothalamus und die Hypophyse versorgen den Körper das ganze Leben lang mit Hormonen. Wenn Zellen sich Hormone zur Wiederherstellung nutzbar machen können, wird die Heilung verstärkt und das Altern vermutlich verlangsamt. Hat sich das Hormonsystem verändert und ist jetzt unzulänglich, dann ist die Genesung nicht mehr so leicht, und der Organismus bricht schneller zusammen. Die Veränderungen der Hormonproduktion, wie sie die Ergebnisse der Goodman-Sobel-Untersuchung zeigen, sind Indikatoren einer besseren Heilungsmöglichkeit. Hinweise darauf finden wir auch in unseren Beobachtungen von Männern, die in ihren Zwanzigern und Dreißigern zum erstenmal reichlichen Barthaarwuchs entwickeln, und von einigen Frauen, deren Brustwachstum wieder beginnt.

Ich habe an anderer Stelle beschrieben, daß Urschmerz buchstäblich eine dem Hypothalamus zugeführte elektrische Spannung ist. Tierversuche am New York Medical College zeigten, daß elektrische Reizung des Hypothalamus Veränderungen der Hauptkranzarterien von Ratten verursacht.2 Die Beziehung von Ursache und Wirkung zwischen Schmerz und Herzkrankheit ist in diesen Untersuchungen evident. Die Reversion der hypothalamischen Belastung könnte auch viele Herzkrankheiten umkehren, oder besser, in der Zukunft Herzkrankheiten vorbeugen. Wir konnten bereits Umkehrungen der Krankheit bei einigen von uns behandelten Herzpatienten feststellen, besonders bei Fällen von Angina Pectoris.3

2)  Brain-Mind Bulletin, 20. Februar 1978.
3)  Ein Fall aus der Primärtherapie wird im Detail von Dr. E. Michael Holden im Journal of Psychosomatic Research, Bd. 21, S. 33-50, geschildert.

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Es gibt sehr viel Material über den Zusammenhang von hohen Cholesterinspiegeln und Herzkrankheiten. Die Goodman-Sobel-Forschung läßt die Schlußfolgerung zu, daß der Cholesterinspiegel in Beziehung zu Urschmerz steht. Experimente mit Kaninchen, denen Nahrung mit hohem Cholesteringehalt verabreicht wurde, weisen erneut auf die Rolle von Primärschmerz hin. Der Hypothalamus einer Gruppe wurde periodisch elektronisch stimuliert (wie es bei Urschmerz geschehen könnte), die andere Gruppe nicht. Nach drei Monaten wies die stimulierte Gruppe einen höheren Fettgehalt im Blut und im Todesfall schwerere Atherosklerose auf. Vielleicht entwickeln einige von uns bei einer bestimmten Ernährung einen hohen Blutcholesterinspiegel, andere, die das gleiche essen, hingegen nicht. Die Ursache kann in einer Kombination von Ernährungs­weise und dem Ausmaß von Urschmerz liegen, das den Hypothalamus in Mitleidenschaft zieht.

Leute, die hohe Cholesterinwerte produzieren, können auf ihre Ernährungsweise achten und immer noch für Herzkrankheiten anfällig sein, bis der Hypothalamus seine normale Funktion wiedererlangt hat. Die Beziehung zwischen Schmerz und Herzkrankheit wird von der Arbeit J.E. Skinners veranschaulicht.4 Er konditionierte Schweine — die ein dem Menschen ähnliches kardiovaskuläres System haben — derart, daß sie Schmerzen erwarteten. Dieser Antizipation spürte er durch die verschiedenen Gehirnstrukturen nach und entdeckte, daß die Botschaft an den Hypothalamus vermittelt wurde, der dann das Herz und das kardiovaskuläre System regulierte. Ferner blockierte Skinner die Kranzarterien von Schweinen und setzte eine Gruppe unter Streß, die andere nicht. Die gestreßten Tiere starben innerhalb von Minuten, während die ungestreßten nicht starben. Skinner folgerte, daß psychische Faktoren an erster Stelle bei der Entwicklung bestimmter Arten von Herzkrankheiten stünden.5

4  In einem Bericht an die Society for Neuroscience, November 1978.
5  Seit Skinner haben mehrere Untersuchungen auf eine Verbindung von Urschmerz und Herzkrankheit hingewiesen. Zum Beispiel stellte eine Untersuchung der Ohio State University fest, daß Kaninchen, die umhegt wurden, nur halb soviel Arteriosklerose entwickelten wie Kaninchen, denen die gleiche Nahrung verabreicht wurde, die aber nicht gehätschelt wurden (Science News, 15. September 1979). Eine Untersuchung der Stadt Roseto, Pennsylvania, die sich über neunzehn Jahre erstreckte, kam zu dem Schluß, daß die Stadt nur so lange relativ immun gegen Herzkrankheit war, wie ihre Familien und Sippen die Wichtigkeit »anerkannt zu werden, dazuzugehören und ohne Auflagen unterstützt zu werden« erkannten (Stewart Wolf und John G. Bruhn, The Roseto Story: An Anatomy of Health, University of Oklahoma Press, Norman 1979).

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Die neuere Altersforschung läßt vermuten, daß es im Gehirn eine »Uhr« gibt, die das Tempo des Alterns kontrolliert, und daß diese »Uhr« wahrscheinlich in den hypothalamisch-hypophysären Zentren liegt. Veränderungen im Hypothalamus lösen Veränderungen im ganzen Körper aus.6 Forschungsergebnisse in der Sowjetunion7 deuten darauf hin, daß es sehr gut der Hypothalamus sein kann, der eine Verschlechterung der Vitalfunktionen im hohen Alter einleitet.

Eine weitere Theorie, die vor kurzem an der University of Southern California und dem California Institute of Technology untersucht wurde, geht von der Annahme der Existenz eines »Todeshormons« aus, das vom Hypothalamus ausgelöst und dann zu einem kritischen Zeitpunkt, wenn das Endokrinsystem zusammenbricht, von der Hypophyse abgesondert wird. Ein Feedback-Mechanismus überwacht den Körper und teilt dem Gehirn mit, wann er anfängt, sich abzunutzen. Daraufhin wird das Hormon abgesondert.

Weiteres Beweismaterial bezüglich Hypothalamus, Primärschmerz und Altern stammt aus den Experimenten von Paola Timiras an der University of California, Berkeley, und wird von Albert Rosenfeld in Prolongevity zitiert. Timiras glaubt, daß bei der Eliminierung einer Substanz namens Tryptophan aus der Nahrung der Alterungsprozeß verlangsamt werden könnte. Tryptophan ist ein Baustein des Serotonins, einem der wichtigsten Neurotransmitter, der zur Verdrängung von Urschmerz beiträgt. Timiras schloß, daß man durch eine Verlangsamung der Serotoninproduktion das Altern in hohem Maße aufhalten könnte. Kurz gesagt, durch eine Verminderung der Verdrängungskräfte scheint sich das Altern in Schach halten zu lassen.

An erster Stelle ist Primärschmerz für die Serotoninproduktion verantwortlich. Primärschmerz regt zur Serotoninproduktion an, die daraufhin den Hypothalamus in Mitleidenschaft zieht, was in schnellerem Altern resultiert. Im strikt experimentellen Sinne ist dies eine Spekulation. Doch nimmt die Verwirrung auf dem Forschungsgebiet nur zu, wenn man Veränderungen bei Hormonen und Neurotransmittern nicht im Zusammenhang mit dem ganzen Menschen sieht, sondern als getrennte Ganzheiten. Infolgedessen lassen Untersuchungen darüber, wie Serotonin das Altern beeinflußt, nicht erkennen, was die Serotoninproduktion verursacht hat.

6  Vgl. Albert Rosenfeld, Prolongevity, Alfred A. Knopf, New York 1976.
7  Am Petrow-Forschungsinstitut.

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Einiges Material deutet auf die Schilddrüse als das für den Alterungsprozeß entscheidende Organ. Rosenfeld weist darauf hin, daß »der Herzschlag, die Stoffwechselrate, die Zeit der Schwangerschaft, der Pubertät und die Zeit von der Pubertät bis zum Tod ... all diese Zeitfolgen« von der Schilddrüse bestimmt werden könnten, weil sie die »geschwindigkeits­kontrollierende« Drüse sei. In der Primärtherapie haben viele Patienten mit Schilddrüsenfehlern nach der Auflösung einiger ihrer Primärschmerzen normale Meßwerte erreicht und sind in der Lage, mit der Einnahme von Schilddrüsenpillen aufzuhören; einige hatten bis zu vier grains pro Tag eingenommen (1 grain = 0,0648 g). Besserung durch Auflösung von Urschmerz ist nicht überraschend, da die Schilddrüse ein weiteres Organ in der Endokrin-Kette ist, das vom Hypothalamus und der Hypophyse kontrolliert wird.

Eine Senkung der Körpertemperatur ist für fast jede Lebensform lebensverändernd. Experimente mit Fischen zeigen, daß schon eine geringe Abkühlung eine beachtliche Verlängerung der Lebensdauer mit sich bringt. Ein Affenexperiment in Purdue zielte auf eine direkte Temperaturveränderung der hypothalamischen Zentren. Die Lebensdauer nahm im Vergleich zur Kontrollgruppe zu. Die Senkung der Körpertemperatur unserer Patienten kann gut wichtige Implikationen für ihre Langlebigkeit haben.

Viele Krankheiten, die normalerweise als nicht psychischen Ursprungs erachtet werden, könnten es dennoch sein. Eine Schulrichtung glaubt, daß Diabetes erblich ist. Wir sind der Ansicht, daß Primärschmerz bei diesem Leiden eine wichtige Rolle spielt, wenn wir die verringerten Insulinerfordernisse (-bedürfnisse) unserer Diabetes-Patienten betrachten. Die Zahl der Diabetiker, die sich der Primärtherapie unterziehen, ist noch zu klein, um einen deutlichen Zusammenhang von Urschmerz und Krankheit aufzeigen zu können. Die Trends sind ermutigend. Bestimmte zellulare Mißbildungen, die aus emotionalen Traumata resultieren, könnten allen Resistenzmängeln, von Asthma bis Krebs, zugrunde liegen.

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Robert S. Picard stellte fest, daß »bestimmte Muster langfristiger emotionaler Erfahrungen einen Zustand immunologischer Inkompetenz produzieren, der auch an Krebs beteiligt sein könnte«. Frühe Traumata, die im Organismus verbleiben, könnten jemand anfällig für Krebs machen. Untersuchungen lassen vermuten, daß es nicht einfach nur eine fremde, in den Organismus eindringende Kraft (Macht) ist, die diese katastrophale Krankheit verursacht. Wichtig scheint die Widerstands­kraft eines Menschen zu sein. Es gibt sehr guten Grund zu der Annahme, daß das Immunsystem in Beziehung zur Entwicklung von bösartigen Tumoren steht. Nach der dauerhaften Auflösung von Allergien und Asthma als eine Folge der Primärtherapie zu urteilen, hat die Auflösung von Urschmerz eine eindeutige Auswirkung auf das Immunsystem. Wie bei jedem anderen System ist es möglich, daß das Immunsystem als Folge der globalen Verdrängung einem Reifungsstillstand zum Opfer fällt. Beim Vorhandensein fremder Kräfte, wie etwa Antigenen, bildet daher ein Mensch nicht genügend Antikörper, was verschiedene Symptome zur Folge hat.

Bei einer Untersuchung in den 60er Jahren wurden bei einer Stichprobenerhebung der sogenannten gesunden Bevölkerung Hautbiopsien durchgeführt und bei vielen Personen zahlreiche Krebszellen entdeckt, ohne daß sie an Krebs litten. Die selbstverständliche Folgerung daraus war, daß wir uns in einem konstanten Gleichgewicht im Kampf gegen die gefährlichen Zellen befinden, und nur wenn das Immunsystem unzulänglich ist, gibt es einen Durchbruch der Krankheit. Vielleicht beeinträchtigen Traumata die Entwicklung des Immunsystems, so daß die Krebszellen der Überwachung des Immunsystems entkommen. Die Auflösung von Urschmerz könnte dem Immunsystem Reifung gestatten, so daß es seine ordnungsgemäße Überwachungs­funktion leisten kann.

Diese Schlußfolgerung unterstützende Daten erschienen in einer neueren Ausgabe von Science.8) Elektrische Reizung des Mittelhirns von Ratten mit Krebs erhöhte die Zahl der Metastasen von Krebszellen. Die elektrischen Reize verursachten einen Endorphinausstoß, und es scheint, als hätte dies mit der Ausbreitung von Krebs zu tun. Der Mechanismus scheint darin zu bestehen, daß intern ausgestoßene Opiate sich an Lymphozyten­rezeptoren binden, die Zellen, welche die Überwachungs­funktion haben. Diese Bindung beeinträchtigt ihre Funktion und läßt infolgedessen Krebswachstum aufkommen.

Wir wissen, daß Primärschmerz zu übermäßiger Endorphinproduktion führen kann und daß körperlicher und psychischer Schmerz auf genau die gleiche Weise verarbeitet wird. Daher muß Primärschmerz in der Lage sein, die Lymphozytenkontrolle zu beein­trächtigen, was katastrophale Krankheit nach sich zieht. Die Blockade von Urschmerz bleibt nicht ohne schreckliche Auswirkungen; Verdrängung setzt jemand einem höheren Krebsrisiko aus — eine Auffassung, die wir in der Primärtherapie schon seit vielen Jahren vertreten.

Die neueren Untersuchungsergebnisse bedeuten auch, daß das Wiedererleben von Urschmerz und ein in der Folge gesenkter Endorphinausstoß ein Vorbeugungsmittel gegen Krebszellenmetastasen sein könnten. Diese Ergebnisse lassen vermuten, daß Leute, die sehr verdrängt und von ihren Feelings entfremdet sind, aus der Bevölkerung herausgesucht werden könnten. Menschen hingegen, die ihren Feelings näher stehen, könnten gesünder bleiben. Die Neurose ist eine fatale Krankheit.

Mit Urschmerz und seiner unglaublich destruktiven Kraft vertraut zu sein, heißt, sich zu vergegenwärtigen, daß wir im üblichen Sinne nicht einfach »älter werden« müssen. Altern — wie wir es kennen — ist überflüssig. Feelings werden nicht älter, doch wenn sie ungefühlt bleiben, lassen sie uns vorzeitig altern. Durch häufige Besuche in unserer Kindheit läßt sich die Tendenz zu vorzeitigem Altern aufhalten.

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8)  5. September 1980.

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