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E.   Kann der Wettlauf mit der Umweltkrise gewonnen werden?


II. Beitrag von Dr. Thomas Goppel

Bayerischer Staatsminister für Landesentwicklung und Umweltfragen

226-235

"Ohne Hoffnung gibt es keine politische Haltung."  (Friedrich Dürrenmatt)

Das Grundmotiv des politisch Tätigen ist Hoffnung - die Hoffnung auf die Sinnhaftigkeit und den Erfolg seines politischen Handelns. So stellt sich die Frage „Kann der Wettlauf mit der Umweltkrise gewonnen werden?" wie der Wissenschaft auch dem Umweltpolitiker, und er wird ehrlich zugeben müssen, daß er - wie die Wissenschaft - darauf keine sichere Antwort weiß. Die Zukunft ist offen. Aber der Umweltpolitiker wird sich - wie jeder Politiker - zu seiner Hoffnung bekennen, zu seinem Vertrauen in den Menschen, in dessen Vernunft, Lebenswillen, Ideenreichtum und Verantwortungsbewußtsein. Wer am Umweltschutz arbeitet, weiß um die Dimension der Probleme, die sich auftürmen, in denen sich Macht und Ohnmacht des Menschen zugleich beweisen. Aber vor der Größe der Probleme zurückzuschrek-ken, pessimistisch-resignierend die Hände in den Schoß zu legen, hieße, diese Probleme für unlösbar zu halten. Deshalb sollte man den Mut zur Hoffnung und den Mut zur Verantwortung haben.

In der Umweltkrise offenbart sich die Ambivalenz des „Projekts Moderne" - der Emanzipation des Menschen von der Natur kraft seiner Wissenschaft und Technik. Der wissenschaftliche, technische und wirtschaftliche Fortschritt hat den Menschen der Industriestaaten ein Leben beschert, von dem frühere Generationen nicht einmal zu träumen wagten. In der industriellen Revolution haben die Menschen mittels ihrer Wissenschaft und Technik, ihrer Kultur die Abhängigkeit von der Natur aufgehoben. Diese Emanzipation hat ihren Preis. Der Versuch, sich von den natürlichen Abhängigkeiten zu befreien, hat neue, selbstgeschaffene Abhängigkeiten erzeugt. Die Dynamik der Industrialisierung aber beweist - um mit Hubert Markl zu sprechen -, daß die Menschheit das selbstgeschaffene Elend allemal für das geringere hält als das von der Natur geschaffene. Die Industrie-Zivilisation, die vor knapp 200 Jahren in Europa ihren Ausgang genommen hat, umspannt heute den Globus, und es gibt kein Land auf der Welt, das sich ihrer schier überwältigenden Faszination entziehen kann.

Die Sorge aber wächst, ob sich eben diese Attraktivität nicht als gefährliche Falle erweist, ob es noch gelingen wird - wie Hans Jonas schreibt -dem „galoppierenden Vorwärts die Zügel anzulegen", damit nicht „wenig später die Natur es auf ihre schrecklich härtere Weise" tut.

Mut für die Zukunft macht ein Blick in die Vergangenheit. Kein politisches Thema der Zeitgeschichte ist so erfolgreich wie der Umweltschutz. In wenigen Jahrzehnten hat sich kaum Vorstellbares vollzogen. Vor rund 30 Jahren gab es das Wort „Umweltschutz" praktisch noch nicht. Den Begriff „Ökologie" kannten Biologen und sonst niemand. Mit der Wende von den 60er zu den 70er Jahren aber setzte ein Bewußtseinswandel ein, der die Welt verändert hat. Der bis dahin herrschende, naive, ungebrochene Fortschrittsoptimismus der Industriezivilisation sah sich mit den natürlichen „Grenzen des Wachstums" (so der Titel des berühmten Berichts des Club of Rome von 1972) konfrontiert. Die ersten großen internationalen Umweltkonferenzen fanden statt. Die Wissenschaft erhob ihre warnende Stimme. Und der Freisaat Bayern - das darf hier mit einem gewissen Stolz angemerkt werden - gründete 1970 als erstes Land in Deutschland und in Europa ein eigenes Umweltministerium.

Diese Wende von den 60er zu den 70er Jahren werden künftige Geschichtsbücher vielleicht einmal als eine Zeitenwende beschreiben, als den Beginn einer „Ökologisierung" der Industriezivilisation, als einen wichtigen evolu-tiven Schritt in der Geschichte der Moderne. Seither hat die „Umweltfrage" unsere Gesellschaft und Wirtschaft in einem ähnlichen Maße verändert, wie es die „Soziale Frage" gut hundert Jahre zuvor getan hat.

Dem engagierten Umweltschützer wird diese Entwicklung der letzten 20,30 Jahre nicht schnell und weit genug gehen. Aber ein Blick über den Tellerrand der tagespolitischen Umweltdiskussion hinaus zeigt: In diesen letzten zwei, drei Jahrzehnten hat sich eine grundlegene kultur- und geistesgeschichtliche Evolution vollzogen. Der „Großtanker" der Industriezivilisation ändert seinen Kurs -zunächst nur langsam, Grad für Grad, auf lange Sicht und Frist aber mit neuen Zielen und zu neuen Horizonten.

Das belegen eindrucksvoll auch die Erfolge der letzten Jahre und Jahrzehnte. In Mitteleuropa, vor allem in seinem hochindustrialisierten und dichtbesiedelten Zentrum, hat sich die Umweltsituation nachhaltig verbessert. Die jüngsten „Daten zur Umwelt" des Umweltbundesamtes von 1996 unterstreichen, daß die Belastung von Luft, Wasser und Boden in Deutschland entscheidend zurückgegangen ist. Die Wohlstandsentwicklung wurde immer mehr vom Umweltverbrauch abgekoppelt.

Bayerns Flüsse z. B. sind...

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