Waleri M. Sablin
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"Einer gegen alle" Georg Elser Max Hoelz Hans Paasche Gorbatschow Gleb Boki (Tschekist) Unabomber-Kaczynski Gundermann Kourdakow Jerofejew Wolkogonow Mitrochin-KGB Hartmut Gründler Freitod US-Atom-General Butler Bahro-1977 Belenko-1976 MIG-Flucht Schewschenko 1975/78 UNO-Flucht |
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1975
versuchte der sowjetrussische Marine-Polit-Offizier Valeri Sablin, die
Sowjetführung zu stürzen. |
detopia-2023 Er hat die Laufzeit des Imperiums verkürzt. Vorläufer, Spurtreter, Vordenker. |
2022
2023 |

Von Karsten Packeiser - Moskau, 2.11.2005 - aktuell.ru
Viel war es nicht, was Valeri Sablin gegen eine ganze Supermacht aufbieten konnte: Mit einem gekaperten Zerstörer der sowjetischen Kriegsmarine und einer Handvoll treu ergebener Matrosen nahm er im Herbst 1975 Kurs auf Leningrad. Der Offizier mit seinen Visionen von einer menschenwürdigen sozialistischen Gesellschaft bezahlte den Versuch, eine neue russische Revolution auszulösen, mit dem Leben.
Kommunist mit ganzer Seele
Eigentlich sollte Sablin als Politoffizier des Zerstörers “Storoschewoi” (“Wächter”) die Matrosen ideologisch auf der richtigen Linie halten. Jahrelang hatte der überzeugte Kommunist die Klassiker der marxistischen Philosophie studiert. Doch seine Zweifel am Kurs der greisen Kreml-Führung wurden dadurch mit den Jahren ständig größer. Im November 1975 weihte Sablin in Riga einige Mannschaftsmitglieder in seinen Umsturzplan ein. Nach der Kriegsschiffs-Parade zum 58. Jahrestag der Oktober-Revolution sollte die “Storoschewoi” nicht wie die anderen Schiffe von der lettischen Hauptstadt aus Kurs auf ihre Heimathäfen nehmen, sondern Leningrad ansteuern. Dort wollte Sablin neben dem legendären Kreuzer “Aurora” festmachen und im Staatsfernsehen seine Forderungen verbreiten: Meinungsfreiheit, Kampf gegen Vetternwirtschaft und Bevorzugung der Partei-Bonzen, echter Sozialismus.
Panzerkreuzer Potjomkin bringt Mannschaft in Stimmung
Am Abend des 8.11. ließ ließ Sablin Kapitän Potulny im Unterdeck einschließen und der versammelten Mannschaft im Bordkino den Eisenstein-Film “Panzerkreuzer Potjomkin” vorspielen, um den allgemeinen Kampfesgeist anzuheben. Mit feurigen Reden brachte er nahezu alle Matrosen und die viele der Offiziere hinter sich. Die neue russische Revolution konnte beginnen. Als die “Storoschewoi” die Rigaer Bucht erreichte, war die Flottenführung jedoch durch einen geflohenen Bordmechaniker bereits vor der Meuterei gewarnt worden. Neun Schiffe des sowjetischen Grenzschutzes und der Ostseeflotte mit Marineinfanteristen an Bord nahmen die Verfolgung auf. Die Admiräle der Flottenführung fürchteten, Sablin könnte versuchen, mit einem der modernsten russischen Kriegsschiffe nach Schweden zu flüchten. Der mitten in der Nacht aus dem Bett geholte Parteichef Leonid Breschnew befahl, die Meuterer um jeden Preis zu stoppen und das Schiff notfalls zu versenken.
Flagge der Revolution gehisst
Sablin funkte derweil an die Armee- und Parteiführung: “Unsere Tat trägt einen rein politischen Charakter und ist kein Vaterlandsverrat. Die Heimat verraten alle diejenigen, die sich gegen uns stellen.” Auf dem Schiff sei die “Flagge der bevorstehenden kommunistischen Revolution” gehisst worden. Am Vormittag des 9.11. verließ die Mannschaft nach einigen Bombenabwürfen der Luftwaffe direkt neben dem Zerstörer allerdings zunehmend die Hoffnung auf ein glimpfliches Ende der Meuterei. Besatzungsmitglieder befreiten den eingesperrten Kapitän, der auf die Brücke stürmte, Sablin ins Bein schoss und wieder das Kommando übernahm.
Die Meuterei auf der Ostsee wurde zu Sowjetzeiten zum Staatsgeheimnis erklärt. Auch westliche Geheimdienste glaubten viele Jahre lang die vom KGB verbreitete Version, Sablin habe das moderne Kriegsschiff in den Westen bringen wollen. Die wenigen Informationen, die über den Vorfall ins Ausland drangen, inspirierten den US-Autor Tom Clancy zu seinem Spionage-Roman “Jagd auf Roter Oktober”, hatten mit den wirklichen Ereignissen jedoch so gut wie nichts mehr zu tun.
Politbüro befiehlt Hinrichtung
Vor allem gab es kein Happy End für die Beteiligten: Wieder an Land gebracht wurde dem aufrührerischen Polit-Offizier der Prozess gemacht. Alle Besatzungsmitglieder bis auf den Matrosen Alexander Schein distanzierten sich von der Meuterei. Auf höchsten Befehl aus dem Politbüro hin lautete das Urteil Hinrichtung durch Erschießen für Sablin und acht Jahre Gefängnis für Schein wegen Landesverrats. Viele der anderen Besatzungsmitglieder wurden aus der Marine entlassen. “Umgebe Dich nie mit Leuten, die kritisieren ohne zu handeln”, schrieb Sablin vor der Hinrichtung in einem Abschiedsbrief an seinen Sohn, “Das sind Heuchler.”
Nach dem Zerfall der Sowjetunion scheiterten mehrere Versuche, Sablin und Schein zu rehabilitieren. “Bis heute will niemand anerkennen, dass das Urteil nicht richtig war”, klagt die Mutter von Alexander Schein, dessen Gesundheit seit der langen Haft ruiniert ist.
Das Oberste Gericht des demokratischen Russland befand 1994 lediglich, Sablin hätte nicht erschossen werden dürfen. Die Richter notierten aber ausdrücklich, dass wegen seiner Vergehen “keiner vollständigen Rehabilitierung” möglich sei.
wikipedia Storoschewoi Sablins "Aurora" - im Dienst bis 2003
Die vergessene Rebellion
Vor 30 Jahren (1975) meuterte ein Teil der Besatzung des sowjetischen Kriegsschiffes «Storoschewoj»
2005 Von Frank Preiß auf sicherheitspolitik-dss.de (down)
Wer freut sich nicht auf ein paar arbeitsfreie Tage. Da machen die Russen keine Ausnahme. Der Anlass ist dabei für viele eher nebensächlich. Dass sie aber künftig am 4. November statt am siebenten, dem Jahrestag der Oktoberrevolution, zu Hause bleiben dürfen, leuchtet manchem nicht so recht ein. Auch wenn die Meinungen zur Machtergreifung der Bolschewiki am 7. November 1917 weit auseinandergehen. Die Bürger des größten Landes der Erde sind in der Masse recht pragmatisch, und ideologische Eiferer findet man erstaunlich selten.
Zum "Tag der nationalen Einheit", wie der "Ersatzfeiertag" heißt, hat man kein rechtes Verhältnis. In der reichen Geschichte des Landes war die Vertreibung der polnisch-litauischen Besatzung aus Moskau im November 1612 ein zwar erwähnenswertes, aber nicht besonders herausragendes Ereignis. Zudem sind sich die Historiker nicht einmal ganz sicher, ob die Okkupanten tatsächlich am 4. November aus der Hauptstadt verjagt wurden. Auch wird diskutiert, ob der neue Festtag nicht gar eine antiwestliche Ausrichtung habe und damit eher kontraproduktiv sei.
Außerdem ist anzumerken, dass die berüchtigten klerikal-monarchistischen Schwarzhunderter, die vor allem in den Jahren 1905-1907 antisemitische und antisozialistische Pogrome organisierten, die Symbolik des Aufstandes des Bürgers Minin und des Fürsten Poscharskij gegen die Okkupanten im Jahre 1612 ausgiebig für ihre Propaganda nutzten. Ist es also Zufall, dass am 4. November 2005 Demonstranten mit dem Ruf "Russland den Russen" durch Moskaus Straßen zogen?
Fest steht, dass Russland auf der Suche nach eigenen, postsowjetischen Traditionen ist. Schaut man in die Annalen, dann sieht man, dass Russland keineswegs arm an denkwürdigen und weniger umstrittenen Daten ist.
Von der Öffentlichkeit unbeachtet jährte sich ein solches Ereignis vor kurzem. Vor 185 Jahren, am 28. Oktober 1820 kam es in der Leibgarde des Zaren, im Preobrashenski-Regiment zum ersten russischen Soldatenaufstand. Der Aufruhr der Truppe gegen die Grausamkeiten des Regimentskommandeurs Oberst Schwarz wurde brutal niedergeschlagen.
1825/26 schließlich rebellierte die Armee erneut. Heute spricht man nach dem Monat der Erhebung vom Dekabristenaufstand. Die Liste der Unruhen ist lang. Erinnert sei hier nur an den Aufstand der Matrosen des Panzerkreuzers Potemkin im Sommer 1906 und die blutig zerschlagene Revolte der Kronstädter Matrosen im Februar und März 1921 unter der Losung "Sowjets ohne Kommunisten" gegen die Herrschaft der Bolschewiki .
Auch der Sturz des Zaren in der bürgerlich-demokratischen Revolution im Februar 1917 und die Machtübernahme durch die Bolschewiki und die Linken Sozialrevolutionäre im Herbst 1917 wären ohne die Unterstützung der Armee und vor allem der Flotte undenkbar gewesen.
Die Zahl der darüber verfassten Geschichtsbücher ist unübersehbar. Das im Folgenden geschilderte Ereignis ist jedoch nur wenigen bekannt.
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Nein, so hatte sich das Kommando der Sowjetischen Baltischen Rotbannerflotte die Feiertage anlässlich des 58. Jahrestages der Oktoberrevolution nicht vorgestellt. Zwar verlief die Flottenparade am 07.11.1975 im Hafen von Riga ganz nach Plan, als jedoch am frühen Morgen des folgenden Tages Oberleutnant Firsow gegen 02.55 Uhr klammheimlich von Bord seines Kriegsschiffes, des großen U-Boot-Abwehr (UAW) Schiffes «Storoschewoj», sprang und zu einem in der Nähe liegenden U-Boot schwamm, begann eine selbst heute noch unglaublich anmutende Geschichte.
Der Offizier meldete, dass der Politstellvertreter der «Storoschewoj», Kapitän 3. Ranges (Korvettenkapitän) Waleri Sablin, das Kommando übernommen habe und der Kommandant, Kapitän 2. Ranges (Fregattenkapitän) Potilyn und mit ihm ein Teil der Besatzung im Unterdeck eingeschlossen worden seien. Sablin hätte erklärt, er wolle nach Kronstadt, der Hauptbasis der Baltischen Flotte vor Leningrad, auslaufen.
Die Meldung klang so unwahrscheinlich, dass der kurz nach 3 Uhr eiligst in die Kommandozentrale gerufene Kommandierende, Vizeadmiral Kosow, zunächst an einen Irrtum glauben mochte. Schließlich war Feiertag, und vielleicht hatte der eine oder andere vorschriftswidrig doch noch mit Wodka angestoßen.
Als aber die «Storoschewoj» Anker lichtete und Kurs auf die offene See nahm, verflogen alle Hoffnungen auf eine banale Erklärung der Situation. Ein Teil der Besatzung war noch an Land, und so konnte ausgeschlossen werden, dass sich der Kapitän lediglich im Zeitplan geirrt hatte und einige Stunden zu früh die geplante Fahrt in die Werft nach Lipaja antrat.
Aus den späteren Untersuchungen des Vorfalls und aus den Schilderungen von Augenzeugen und Teilnehmern lässt sich recht gut und zuverlässig rekonstruieren, was an Bord des Schiffes vor sich gegangen war.
Korvettenkapitän Sablin lockte seinen Kommandanten unter einem Vorwand unter Deck und schloss ihn dort in eine Kammer ein. Sein Helfer Stabsmatrose Schein, der Bordbibliothekar und Kinovorführer, erhielt eine Pistole und den Auftrag, den Zugang zum Gefängnis des Fregattenkapitäns zu sichern. Danach versammelte der Meuterer die restlichen an Bord befindlichen Besatzungsmitglieder.
Der zusammengerufenen Besatzung erklärte Sablin, dass er die Absicht habe, nach Kronstadt zu laufen und dass dort einer der Matrosen öffentlich auftreten werde, um die Wahrheit über ihre persönliche Situation und die des Landes zu sagen. Er habe daher auch einen Aufruf "An Alle! An Alle!" verfasst, und dieser solle dem Land und dem Politbüro der Kommunistischen Partei auch per Funk zur Kenntnis gegeben werden.
Der Politoffizier erinnerte die Besatzungsmitglieder an die Gespräche mit ihnen, in denen sie ihm vom alltäglichen Warenmangel, von Korruption und anderen Mühsalen und Problemen der sowjetischen Gesellschaft berichtet hatten. Es sei nun an der Zeit, etwas zu unternehmen und die Partei und das Land darauf aufmerksam zu machen.
Ein Teil der Besatzung, darunter drei Leutnants und einige Maate, erklärten ihre Unterstützung für Sablin. Die übrigen wurden eingesperrt. Kurz vor dem Auslaufen sprangen schließlich noch ein Oberbootsmann und ein Matrose über Bord und schwammen zu einem in der Nähe ankernden Kriegschiff.
Der Flottenführung wurde allmählich klar, dass es sich hier um ein Vorkommnis besonderer Art handelte und dass nicht nur die Meuterer Kopf und Kragen riskierten. Die Versuche, mit der «Storoschewoj» Funkkontakt aufzunehmen und diese zur Umkehr zu veranlassen, schlugen zunächst fehl. Sablin hatte Funkstille befohlen. Trotzdem hörten die Funker die Aufrufe und das Versprechen, bei Aufgabe straffrei zu bleiben.
Währenddessen entschloss sich die Flottenführung, den Insurgenten notfalls mit Gewalt zu stoppen. Das Küstenschutzschiff «Komsomolez Litwy» erhielt um 08.45 Uhr den Befehl, die «Storoschewoj» mit einer Artilleriesalve vor den Bug zum Stoppen zu zwingen und bei Nichtbefolgen des Befehls auf die Schiffschraube zu feuern.
Einige Matrosen begannen schließlich an Sablins Vorhaben zu zweifeln. So kam es zum Funkkontakt mit der Flottenführung, und ein Signalgast übermittelte einem anlaufenden Schiff der Grenzwache, dass sie keine "Vaterlandsverräter" seien.
Ob die eher zufällig zu Mitverschwörern Gewordenen bemerkten, dass das Schiff angeblich den Kurs gewechselt hatte und nicht mehr 337 Grad Richtung Kronstadt, sondern ab 09.00 Uhr mit 18 Knoten auf Kurs 290 Grad Richtung Schweden lief? In knapp 3 Stunden hätte die «Storoschewoj» dessen Territorialgewässer erreichen können. Damit war man zwar außerhalb der Reichweite der Flottenführung, das politische Vorhaben damit aber obsolet. Bis heute gehen die Meinungen, was Sablin tatsächlich bezweckte, weit auseinander.
Man kann in einigen Veröffentlichungen lesen, dass sogar Flugzeuge der strategischen Bomberflotte zur Vernichtung des aufrührerischen Schiffes alarmiert wurden.
Es kam jedoch nicht zum Äußersten. Die arretierten Besatzungsmitglieder konnten sich schließlich befreien, und zum Blutvergießen kam es lediglich, als Kommandant Potilyn bei der Besetzung der Brücke seinem Politstellvertreter ins Bein schoss. Die oftmals kolportierte Beschießung des Schiffs gehört offenbar dem Reich der Legenden an.
Der Riesenaufwand, mit dem das unglaubliche Vorkommnis untersucht wurde, gibt Auskunft darüber, welch enorme Wirkung Sablins Tat im Kreml hatte. Der Regierungskommission gehörten neben dem Oberkommandierenden der Flotte der UdSSR, Flottenadmiral Gorschkow, auch der Chef der Politischen Hauptverwaltung der Sowjetarmee, Armeegeneral Jepischew, und unzählige hochrangige Mitarbeiter des ZK, des KGB und der Militäraufklärung an.
Der ehemalige Politoffizier Sablin wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet. Sein Gehilfe Schein erhielt 8 Jahre Gefängnis. Alle Offiziere und Maate wurden zunächst entlassen, einige schließlich nach Eingaben wieder reaktiviert.
Die Matrosen wurden ausnahmslos sofort demobilisiert. Alle entlassenen Berufssoldaten erhielten Wohnungen, ebenso die Witwe Waleri Sablins. Sein Sohn habe, so ein Augenzeuge, später eine Seeoffiziersschule besucht.
Dass ein so lange zurückliegendes Geschehen, sei es auch noch so ungewöhnlich und dramatisch gewesen, heute noch die russische Öffentlichkeit in seiner Bewertung tief spaltet, ist bemerkenswert.
Für die einen ist Waleri Sablin ein früher Bote der Perestroika und mutiger Kämpfer für Demokratie und Freiheit. Sein Versuch sei daher geradezu ein Lichtstrahl der künftigen Morgendämmerung gewesen.
Andere dagegen meinen, hier hätte lediglich ein persönlich frustrierter, mit seinem dienstlichen Fortkommen unzufriedener Mann versucht, seinem Leben eine positive Wendung zu geben. Dabei seien die politischen Deklarationen nur Deckmantel gewesen. Außerdem habe er nicht nur seinen Eid verletzt, sondern auch das Leben Unschuldiger für die Durchsetzung egoistischer Ziele aufs Spiel gesetzt. Sablin habe daher nicht anders gehandelt, als es heutzutage die Terroristen tun. So beispielsweise die Meinung eines Zeugen der Ereignisse von 1975, Vizeadmiral Anatoli Kornijenko.
Nicht wenige sind auch der Auffassung, der Rebell sei lediglich ein unglücklicher Spinner gewesen.
Trotzdem stellt sich die Frage, warum Korvettenkapitän Sablin von einem Teil der Mannschaft unterstützt wurde. Diese tat das sicher auch deshalb, weil er nicht irgendein Offizier war, sondern als Stellvertreter des Kommandeurs für politische Arbeit eine exponierte Stellung an Bord einnahm. Da galt nicht nur, dass man sich diesen kaum widersetzte, da sie die politische Macht verkörperten. Viele Politoffiziere hatten zudem nicht selten ein besonderes Vertrauensverhältnis zu ihren Unterstellten geschaffen. Sablin war, das belegen die Zeugenaussagen, wohl keine Ausnahme. Dass gerade dieser einen "antisowjetischen Aufstand" inszenierte, haben die entgeisterten Besatzungsmitglieder wohl erst allmählich begriffen. Andererseits sprach er reale Zustände und Missstände in der bürokratischen, poststalinistischen Sowjetunion an, die immer deutlicher ihre eigenen Ideale karikierte. Ohne die Missstände im Lande hätte es die "Storoschewoj-Affäre" wohl nie gegeben.
30 Jahre später sind sowohl die Sowjetunion als auch die Baltische Rotbannerflotte Geschichte. Die neoliberalen Reformversuche der 1990er Jahre haben eine neue Bourgeoisie entstehen lassen, die das Fell des russischen Bären in erbitterten Kämpfen unter sich aufgeteilt hat. Die versprochene und erhoffte lichte Zukunft für die Masse der Bevölkerung ist wieder nicht angebrochen.
Russlands Armee und Marine waren Anfang des neuen Jahrtausends nur noch ein Schatten ihrer mächtigen Vorgänger, und ihre Tage schienen endgültig gezählt.
Die hartnäckigen Versuche der Putinschen Regierung und der sie unterstützenden wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Gruppierungen, die Abwärtsspirale aufzuhalten, scheinen, zumindest vorläufig, geglückt. Das Land erholt sich nicht nur wirtschaftlich, wenngleich die sozialen und politischen Probleme unübersehbar sind.
Russlands Kriegsmarine klopft eifrig den Rost von den Decks und zeigt sich wieder auf den Weltmeeren, denn ohne Seemacht, so meint der Kreml, kann Russland die angestrebte Position einer Großmacht nicht einnehmen.
Bislang sind aus der russischen Truppe nur die gewohnten Beschwerden und Kritiken zu hören. Aufmüpfig ist die Truppe nicht. Politische Meinungen können freilich mittlerweile auch dort relativ frei geäußert werden. Keiner muss mehr ein Kriegsschiff kapern, um über Missstände wie Armut und Korruption im Lande zu berichten. Von derartigen Meldungen und Berichten sind die Medien voll. Wer sein Glück im Ausland sucht, der muss auch nicht mehr bei Nacht und Nebel über die Grenze.
Also alles in Ordnung im Riesenreich? Wir werden sehen und hören. Vielleicht irgendwann einmal sogar von Soldaten oder Matrosen. Manche Traditionen leben fort, auch wenn ihrer nicht offiziell gedacht wird.
Waleri Sablin wurde nach seiner Festnahme in das Moskauer Lefortowo-Gefängnis gebracht. Er nahm alle Schuld auf sich und belastete keine anderen Besatzungsmitglieder. Den Vorwurf des Landesverrates bestritt es bis zuletzt vehement. Der Prozess gegen ihn endete am 13. Juli 1976. Das Militärkollegium des Obersten Gerichtes der UdSSR befand Fregattenkapitän Sablin des Landesverrates gemäß § 64a des Strafgesetzbuches für schuldig. Ihm wurden Dienstgrad, Orden und Medaillen aberkannt. Das Urteil war endgültig und wurde nicht zur Revision zugelassen. Das Gnadengesuch Sablins wurde vom Präsidium des Obersten Sowjets abgelehnt. Am 3. August 1976 wurde Waleri Sablin durch Erschießung hingerichtet.
1994 überprüfte das Militärkollegium des Obersten Gerichtes der Russischen Föderation das Urteil "im Lichte neuer Erkenntnisse". Der Vorwurf des Vaterlandsverrats wurde verworfen. Der 18 Jahre vorher Hingerichtete wurde zu 10 Jahren Haft verurteilt. Der mit ihm verurteilte Matrose Schein erhielt nunmehr 5 Jahre. Seine ursprüngliche Strafe von 8 Jahren hatte er längst vollständig abgesessen. Das Gericht erklärte am 12.04.1994 ausdrücklich, dass damit weder Sablin noch Schein rehabilitiert wurden. #

wikipedia Storoschewoi Sablins Aurora; im Dienst bis 2003
Wie organisierte ein Marineoffizier 1975 eine Revolution in der Sowjetunion?
Von BORIS JEGOROW, 9.11.2018
de.rbth.com/geschichte/81175-marineoffizier-waleri-sablin-1975-revolution-sowjetunion
1975 inmitten der friedlichen und ruhigen Jahre der sogenannten Ära der Stagnation in der Sowjetunion, unternahm ein Marinekapitän einen Putschversuch. Dieses Kapitel inspirierte Tom Clancy zu seinem ikonischen Roman Jagd auf Roten Oktober.
Am neunten November 1975 kam in Russland ein außergewöhnliches Ereignis zustande, das es seit über 50 Jahren nicht mehr gegeben hatte, einen Revolutionsversuch. Kapitän Waleri Sablin meuterte auf einer Anti-U-Boot-Fregatte, weil die sowjetische Führung nach seiner Ansicht nicht mehr der Doktrin von Wladimir Lenin folgte und somit das Land dringend einen radikalen Wandel benötigte.
Das Kriegsschiff der Rebellen verließ den Hafen von Riga und begann seine Reise nach Leningrad, von wo aus Sablin plante, eine große Revolution zu starten, die das ganze Land in seinen Grundfesten erschüttern sollte.
Was veranlasste Ihn dazu?
Waleri Sablin, Marineoffizier in der dritten Generation, war ein fleißiger Schüler an der Leningrader Marinehochschule, der oft von seinen Lehrern gelobt und von Klassenkameraden respektiert wurde, welchen sein ausgeprägter Sinn nach Gerechtigkeit auffiel.
Die Karriere eines Militäroffiziers, der blind Befehle befolgt, war jedoch nicht nach Sablins Geschmack. Er war gespannt darauf, die politischen Prozesse in seinem Land zu verstehen und zu analysieren. Und viele Dinge gefielen ihm nicht. Für Sablin stand fest, dass das Land einen radikalen Wandel brauchte.
Offizier Nikolaj Tscherkaschin, Sablins Kollege, erinnerte sich (rus): „Er hat immer global gedacht und er versuchte, soziale Phänomene in ihrer Tiefe zu verstehen. Er war der geborene Politiker.“
Waleri Sablin hatte nie Angst, seine Meinung offen zu äußern. 1962, im Alter von nur 23 Jahren, schrieb er einen Brief an Nikita Chruschtschow mit der Bitte, „die Kommunistische Partei von Schmeichlern und korrupten Elementen zu befreien“. Seine ganze Karriere stand auf dem Spiel, aber Sablin hatte das Glück, nur einen Verweis zu erhalten.
Dieser Skandal hinderte ihn jedoch nicht daran, die Allgemeine Militärakademie der Russischen Streitkräfte zu besuchen. Anstatt ein Kriegsschiff zu befehligen, entschied sich Waleri Sablin, ein politischer Offizier zu werden, der für die politische Bildung des Personals verantwortlich war.
1973 wurde Kapitän Waleri Sablin als politischer Offizier auf der neuesten U-Boot-Fregatte der Burewestnik-Klasse, Storoschewoi, dem besten Schiff der sowjetischen Ostseeflotte, eingesetzt. Sablin entschied, dass dieses Kriegsschiff die perfekte Plattform wäre, seine Ideen mit dem Land zu teilen.
Leninistische Revolution
Während seines zweijährigen Dienstes auf der Storoschewoi sprach Waleri Sablin mit der Besatzung und teilte seine Gedanken mit ihnen auf der Suche nach Verbündeten. Im November 1975, als die Sowjetunion den 58. Jahrestag der Revolution feierte, entschied Sablin, dass die Zeit reif war.
Am achten November isolierte und sperrte Sablin den Kapitän des Schiffes ein, rief die Offiziere zusammen und hielt vor ihnen eine Rede. Er sagte, dass die sowjetische Führung aufgehört habe Lenins Idealen zu folgen und dass das Land in Korruption und Inkompetenz versunken sei.
„Das große Russland sollte der führende Staat der Welt sein, nicht ein hungriges Land unter Breschnew“, sagte (rus) er und fügte hinzu, dass das Land eine neue Revolution brauche.
Die Offiziere, die es ablehnten, Sablin beizutreten, wurden verhaftet und zusammen mit dem Kapitän eingesperrt. Danach hielt Sablin die gleiche Rede vor der Mannschaft.
„Es ist an der Zeit, Gerechtigkeit zurückzubringen. Unser Auftritt ist nur ein kleiner Impuls, der große Taten folgen lassen wird", sagte er.
Seemann Alexander Schein, der Sablins wichtigster Helfer wurde, sagte (rus) später aus: "Seine Rede hat uns enorm inspiriert. Alles, was wir heimlich unter uns diskutiert hatten, wurde plötzlich laut und offiziell ausgesprochen. Würde entstand in jedem von uns.“
Fregatte Storoschewoi
Bald wurde das sowjetische Marinekommando über Sablins Forderungen informiert: die garantierte Integrität der Fregatte und der Besatzung, eine tägliche Gelegenheit, seine Meinung im Fernsehen und Radio zu äußern, und die Möglichkeit, persönliche Gespräche mit dem Volk zu führen.
Das Kriegsschiff verließ Riga und machte sich auf den Weg nach Leningrad, um neben dem Symbol der Russischen Revolution, dem Schlachtschiff Aurora zu ankern.
Als Leonid Breschnew erfuhr, was sich abspielte, gab er den Befehl, die Fregatte zu zerstören. Falls Sablin sein Schiff in schwedische Hoheitsgewässer navigieren würde, könnten streng geheime Waffen in die Hände westlicher Länder fallen. Dies konnte die sowjetische Führung nicht zulassen.
Ende des sowjetischen Don Quijote
Neun Schiffe der Ostseeflotte setzten die Segel, um Sablins Schiff abzufangen. Darüber hinaus tauchte bald eine Staffel von Yak-28-Bombern über der Fregatte auf. Es brauchte nur einen Angriff, um die Situation zu lösen.
Nachdem eine Bombe das Deck getroffen hatte, erkannte die Besatzung sofort, dass sie von einem auf den anderen Moment alle tot sein könnten. Die Matrosen verhafteten Sablin, befreiten den Kapitän, die anderen Gefangenen und informierten das Marinekommando, dass das Schiff unter ihrer Kontrolle stand.
Alexander Schein wurde zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Während Waleri Sablin auf sein Urteil wartete, malte er immer wieder ein und dieselbe Zeichnung: Don Quixote, der die Windmühlen bekämpfte.
Am dritten August 1976 wurde Waleri Sablin wegen Verrats an der Nation angeklagt und hingerichtet. 1994 wurde die Anklage in ein Kriegsverbrechen umgewandelt, aber ihm wurde eine postmortale Rehabilitation verweigert.
Offiziell war Sablins Reise ein Fluchtversuch nach Schweden und Tom Clancy wurde von eben dieser Geschichte für seines Buch Jagd auf Roten Oktober inspiriert.
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de.rbth.com/geschichte/81175-marineoffizier-waleri-sablin-1975-revolution-sowjetunion
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Mannschaft

Sablin mit Brüdern
Sablin auf Deck
mit Frau und Sohn
ZDF.de 10.07.2003 Tim Förderer
Ein kommunistischer Offizier plant eine Revolution
Sowjetischer Zerstörer auf Abwegen
Am 5. November 1975 nimmt der sowjetische Zerstörer "Storozhevoy", zu deutsch "Wache", Kurs auf Riga. Das Schiff soll an einer Militärparade im Gedenken an die Russische Revolution teilnehmen. Was keiner ahnte: Die Revolution war quasi mit an Bord. Doch im Inneren gärt es bereits. Valeri Sablin, nach dem Kapitän ranghöchster Offizier an Bord, plant eine Meuterei. Der 36-Jährige ist politischer Offizier und soll der Mannschaft eigentlich den Staat näher bringen. Eine frühe Karriere als Kapitän hatte er abgelehnt, weil er noch mehr über das System lernen wollte.
Mit seiner Aktion möchte er das Volk aufrütteln, um in einer Revolution den Sturz des sowjetischen Parteiapparates zu bewirken. Dahinter steckt seine tiefe Verwurzelung im Kommunismus nach bolschewikischer Tradition. Sablin sucht während der Fahrt Verbündete. Nach dem letzten Landgang in Riga am 9. November lockt er den Kapitän Anatoly Potorni unter einem Vorwand ins Unterdeck, sperrt ihn ein und übernimmt das Kommando.
Film als Einstieg
Zur Einstimmung lässt Sablin die Mannschaft den Film "Panzerkreuzer Potemkin" ansehen. Der Film über eine blutig niedergeschlagene Meuterei im Zuge der Russischen Revolution im Jahre 1905 ist schon damals ein berühmtes Werk.
Die höheren Dienstgrade müssen in der Offiziersmesse antreten. Die Tatsache, dass der Kommandeur eingesperrt ist, macht die befehlsgewohnten Männer nervös. Sablin wischt alle Bedenken beiseite und lässt abstimmen. Acht Offiziere erklären sich Einverstanden, und auch die Mannschaft steht geschlossen hinter dem Revolutionär.
Panzerkreuzer Potemkin
Am Morgen des 27. Juni 1905 revoltiert die Mannschaft des russischen Panzerkreuzers Potemkin im Hafen von Odessa. Die Mannschaft ist unzufrieden, die Nahrung an Bord knapp. Nachdem die Offiziere die Mannschaft zwingen will, verdorbenes Fleisch zu essen, bricht eine offene Meuterei aus. Die Soldaten stürmen die Waffenkammer und bringen das Schiff in ihre Gewalt. Die Nachricht von der erfolgreichen Meuterei verbreitet sich in der Bevölkerung wie ein Lauffeuer. Das ebenfalls unzufriedene Volk versammelt sich, um die Soldaten zu unterstützen. Doch bald darauf dringen Kosaken des Zaren in die Stadt ein und feuern wahllos in die Menschenmenge. Mehrere Tage dauert das Gemetzel, an dessen Ende Hunderte Tote stehen. Die Mannschaft der Potemkin kann fliehen und erhält in Rumänien Asyl. Der Aufstand gilt als wichtiges Ereignis im Zuge der Russischen Revolution von 1905. Sergej Eisenstein machte daraus 1925 den Film "Panzerkreuzer Potemkin". Er zählt heute zu den berühmtesten Werken der Filmgeschichte.
Die Storozhevoy nimmt Kurs auf St. Petersburg, damals noch Leningrad genannt. Sablin sieht in der Stadt mit langer Tradition revolutionärer Ereignisse den besten Platz für seinen Showdown - die Revolution in der gesamten Sowjetunion. Er hofft, über den nationalen Rundfunk eine Ansprache an das sowjetische Volk richten zu können. Der Revoluzzer geht davon aus, dass die Genossen genauso unzufrieden mit dem System sind, wie er selbst. Parteichef Breschnew wird trotz aller Propaganda in weiten Teilen des Landes nicht respektiert. Sablin ist der Ansicht, dass die alternden Mitglieder des Politbüros das Land niemals zum Wohlstand führen, geschweige denn zum wahren Kommunismus.
Disziplinierter Werdegang
Indes konnte niemand ahnen, dass der Offizier Sablin eines Tages Kopf eines Aufstandes sein würde. Schon in der Schule gilt er als diszipliniert, unfähig zu lügen. Seine Karriere verläuft makellos. Mit 16 geht er zur Marine, erhält eine Ausbildung zum Offizier an der angesehenen Frunse-Militärakademie in Leningrad. Bereits als junger Kadett wird er zum Chef der kommunistischen Jugendorganisation gewählt. Doch in ihm gärt es bereits. Er übernimmt die sozialistischen und kommunistischen Ideale nicht nur, er will sie in die Tat umsetzen.
Im Jahr 1959 prangert er in einem Brief die Ungleichheit in der sowjetischen Gesellschaft an - adressiert an Parteichef Nikita Chrustschow. Die Parteioberen sind nicht gerade begeistert. Er wird ins Politbüro zitiert, wo er eine Rüge erhält. Niemand ahnte damals, dass der Brief nur der Anfang sein würde.
Kurskorrektur: Der KGB verkauft die Revolution als Überlauf
Der KGB glaubt Sablin und seinen Mitstreitern die Geschichte von der Revolution. Doch zum Wohl des Staates wird nach außen eine andere Story verbreitet: Sablin sei ein Überläufer und werde auch als solcher bestraft - jedoch viel härter als erwartet. Als Sablin nach seiner gescheiterten Revolution in Riga ankommt, übernimmt der sowjetische Geheimdienst KGB die Ermittlungen. Es sollen so wenig Informationen wie möglich nach außen dringen. Nicht einmal die engsten Familienangehörigen erfahren etwas über den Verbleib der Mannschaftsmitglieder.
Anfangs glaubt beim KGB niemand die Geschichte von der Revolution. Ein einzelner Mann, der mit einem unbewaffneten Schiff das gesamte sowjetische Volk aufrütteln will. Das klingt den Ermittlern zu unglaubwürdig. Sie vermuten, dass Sablin und seine Mannschaft zum Westen überlaufen wollten. Die andere Version wäre auch zu schockierend: Ein politischer Offizier, dessen Loyalität zum Staat eigentlich Berufsethos sein sollte, bewegt eine Mannschaft zur Meuterei gegen eben diesen Staat.
Gnade für die Mannschaft
Vier Monate lang wird die Besatzung der Storozhevoy verhört. Der KGB versucht, die Verantwortlichen herauszufiltern. Die meisten einfachen Mannschaftsmitglieder sind jung, etwa 20 Jahre alt. Der Staat zeigt sich deshalb gnädig. Anders sieht es im Falle der Rädelsführer aus. Sablin und 15 weitere werden nach Moskau in das berüchtigte Lefortovo-Gefängnis überführt. Dort übernimmt Oleg Dobrovolski die Befragungen, einer der erfahrensten Ermittler des KGB.
Sablin beschwört immer wieder, dass er niemals überlaufen wollte. Der KGB glaubt ihm schließlich, doch die Wahrheit, dass ein ranghohes Mitglied der Partei sich gegen den Staat gewandt hat, durfte die Öffentlichkeit nie erfahren. So wird die Geschichte von der Fahrt nach Schweden in Umlauf gebracht, die der Westen gerne übernimmt.
Tom Clancy, ein amerikanischer Autor, entwickelt daraus in den achtziger Jahren das Buch "Jagd auf Roter Oktober". Der Film dazu erobert in den neunzigerJahren mit Sean Connery in der Hauptrolle die Kinos.
Hartes Urteil
Fünf Monate verbringt Sablin in Haft. Am 13. Juli 1976 verliest das Gericht das Urteil. Vaterlandsverrat wird in der Sowjetunion normalerweise mit 15 Jahren Gefängnis bestraft. Doch es kommt schlimmer: Tod durch Erschießen. Sablin bricht im Gericht zusammen. Einige der Mannschaftsmitglieder glauben heute, dass das Urteil von ganz oben kam, ein Anruf Breschnews. Einige Wochen später wird es vollstreckt. Seine Angehörigen erfahren erst acht Monate nach der Hinrichtung von seinem Tod. Als Sablins Bruder, Nikolai beim lokalen KGB-Offizier vorstellig wird, erfährt er, dass er nur hätte nachfragen müssen ...
Sämtliche Habseligkeiten Sablins, darunter alle Aufzeichnungen, waren vernichtet worden. Anfragen auf Auslieferung hätten innerhalb von sechs Monaten nach dem Tod des Häftlings eingereicht werden müssen. Genauso schlimm wiegt für die Verwandten die Tatsache, dass nirgends verzeichnet ist, wo Valeri Sablin begraben wurde.
Bis auf Sablin wurde lediglich sein Assistent, der Matrose Alexander Shein, bestraft. Er bekam acht Jahre Haft. Der Rest wurde offiziell begnadigt. Hinter den Kulissen verloren sie ihren Arbeitsplatz. Ihr Leben wurde zu einem Scherbenhaufen.
Die Armee rückt an mit Schiffen und Flugzeugen
Die politische Führung glaubt, dass Sablin in den Westen überlaufen will. Die Machthaber zögern nicht lange. Alle Verbände der Ostsee werden in Alarmbereitschaft versetzt. Mit dem Befehl "Stoppen oder Versenken" beginnt die Jagd auf die Storozhevoy.
Sablins Pläne sind zum Scheitern verurteilt. Ein junger Offizier flüchtet und schlägt Alarm. Ein Versuch, das Schiff noch im Hafen zu stoppen, schlägt jedoch fehl. Bei dem Ausweichmanöver kentert die Storozhevoy beinahe. Auf See lässt der Revolutionär eine vorher aufgezeichnete Rede über die Lautsprecheranlage laufen und auf einer freien Radiofrequenz senden. Was Sablin nicht weiß: sein Aufruf zur Revolution verhallt ungehört, weil die Verantwortlichen im Sender die Frequenz sofort sperren. Zumindest hat er binnen kürzester Zeit die volle Aufmerksamkeit der politischen Führung in Moskau.
Überlauf befürchtet
Das Marinehauptkommando gibt den unmissverständlichen Befehl, sofort beizudrehen und Riga anzulaufen. Sablin ignoriert die Aufforderung und lässt Fahrt aufnehmen. Die Politoberen fürchten, dass Sablin überlaufen will. Sein angestrebtes Ziel Leningrad liegt kurz vor internationalen Gewässern.
Breschnew wird mitten in der Nacht geweckt und gibt Order an alle Streitkräfte in der Ostsee: "Stoppen oder Versenken". Kurz darauf macht sich ein ganzes Heer auf, den Abtrünnigen einzufangen. Um ein Uhr Nachts erklingt an Bord das erste Mal der Alarm "alle Mann auf Gefechtsstation". Ironischerweise ist die Storozhevoy unbewaffnet. Lediglich Handfeuerwaffen und Gewehre befinden sich an Bord.
Letzte Warnung
Bald darauf sind 13 schwer bewaffnete Schnellboote der Küstenwache unterwegs. Am Morgen starten 18 Kampfflugzeuge mit jeweils zwei Raketen an Bord mit Ziel Storozhevoy. Die Schnellboote erreichen das Schiff als erste. Sie übermitteln eine letzte Warnung zu stoppen oder sie würden das Feuer eröffnen. Der Revoluzzer ignoriert den Befehl und antwortet, dass er nicht vorhat, sein Vaterland zu verraten. Zehn bange Minuten bleiben, bis die Storozhevoy den Kurs ändern müsste, um nach Leningrad zu kommen. Behält sie in bei, fährt sie genau in Richtung Schweden.
Letzte Zweifel
Das Militär ist nicht bereit, diesen Zeitpunkt abzuwarten. Die Jäger überfliegen das Schiff ein erstes mal. Die Piloten ignorieren den Befehl, ihre Bomben abzuwerfen. Für einen kurzen Augenblick scheint es, dass die Revolution um sich zu greifen beginnt. Schließlich fällt die erste Bombe, wenige Meter vor dem Bug.
Der Mannschaft kommen Zweifel. Einige laufen unter Deck und befreien den Kapitän. Seine ersten Worte: "Wo ist Sablin". Potorni reißt eine Pistole an sich und stürmt an Deck. Er erwischt Sablin und schießt ihn ins Bein. Kurz darauf lässt er über Funk Entwarnung geben: "Feuer einstellen, das Schiff ist wieder unter meiner Kontrolle." Nur sechs Stunden nachdem die Storozhevoy Riga verlassen hat, liegt Sablins Revolution in Trümmern. Alle Aufständischen werden in Gewahrsam genommen. ##
Die Storozhevoy gehört zu
den modernsten Schiffen der sowjetischen Ostsee-Flotte - die Marine ist der
Stolz von Staats- und Parteichef Leonid Breschnew.
Der Zerstörer erreicht Riga
am 8. November, ohne besondere Vorkommnisse.

Zusatz: wikipedia Oleg W Penkowski (Spion)
wikipedia Able_Archer_83 (Manöver)
Aus en.Wikipedia 2025 Ü mit Chrome
Waleri Michailowitsch Sablin ( russisch Валерий Михайлович Саблин ; 1.1.1939 bis 3.8.1976) war ein Offizier der sowjetischen Marine und Mitglied der Kommunistischen Partei , der im November 1975, während er als politischer Offizier auf der U -Boot-Abwehrfregatte Storoschewoi diente , eine Meuterei gegen den Sowjetstaat anführte. Sablins erklärtes Ziel war es, die Kontrolle über das Schiff zu übernehmen, es vom Rigaischen Meerbusen nach Leningrad zu fahren und eine landesweite Ansprache zu senden, in der er gegen die weit verbreitete Korruption und Stagnation der Breschnew-Ära protestierte und eine Rückkehr zu leninistischen Prinzipien und eine neue kommunistische Revolution forderte.
Die Meuterei wurde von sowjetischen See- und Luftstreitkräften niedergeschlagen, noch während das Schiff unterwegs war. Sablin wurde verhaftet, vor ein Kriegsgericht gestellt und des Hochverrats für schuldig befunden. Er wurde im August 1976 durch ein Erschießungskommando hingerichtet. Sein Stellvertreter, der Matrose Alexander Schein, wurde zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Der Vorfall blieb bis zum Zerfall der Sowjetunion weitgehend geheim und wurde von der Sowjetregierung unterdrückt . Die Geschichte wurde im Westen bekannt, wenn auch oft ungenau, und diente als Inspiration für Tom Clancys Roman Jagd auf Roter Oktober aus dem Jahr 1984. Im Jahr 1994 überprüfte das Militärkollegium des Obersten Gerichtshofs der Russischen Föderation Sablins Fall posthum und wandelte die Anklage wegen Hochverrats in ein geringeres Militärdelikt um, bestätigte jedoch das ursprüngliche Urteil.
Frühes Leben und Ausbildung
Valery Sablin wurde am 1. Januar 1939 in Leningrad als Sohn des Marineoffiziers Michail Petrowitsch Sablin geboren . [ 1 ] Seine Familie hatte eine starke Marinetradition; sein Vater und sein Großvater mütterlicherseits waren Marineoffiziere, und sein Urgroßvater väterlicherseits war im Ersten Weltkrieg mit dem Kreuzer Pallada untergegangen.
Während des Zweiten Weltkriegs diente Sablins Vater in der Nordflotte und beteiligte sich an der Verteidigung alliierter Arktiskonvois , die wichtige Vorräte für die sowjetische Kriegsanstrengungen lieferten. [ 3 ] Valery und seine Mutter Anna verbrachten seine frühe Kindheit in Poljarny , dem Hauptquartier der Nordflotte, nördlich des Polarkreises . Er erinnerte sich an deutsche Bombenangriffe und daran, wie seine Mutter sie zu den Luftschutzbunkern eilte. [ 3 ] Anfang der 1950er Jahre zog die Familie nach Gorki , wo Sablins Vater bis zu seiner Pensionierung Militärwissenschaften lehrte.
Gelangweilt vom Provinzleben suchte Sablin die Aufregung der Großstädte und beschloss, der Marinetradition seiner Familie zu folgen. [ 2 ] Im Jahr 1956, im Alter von 17 Jahren, trat er in die renommierte MV Frunse-Marinehochschule in Leningrad ein. [ 4 ] Viele seiner Klassenkameraden waren Söhne von Marineoffizieren oder Parteifunktionären. [ 5 ] Sablin war ein glühender Anhänger der kommunistischen Ideale und der Prinzipien des Leninismus . [ 6 ] Er war ein hervorragender Kadett, wurde für sein Engagement geschätzt, wurde Kompaniechef und war einer der ersten seines Jahrgangs, der der Kommunistischen Partei beitrat . [ 6 ] Seine Mitschüler betrachteten ihn als das „Klassengewissen“. [ 6 ] Im November 1960 schloss er sein Studium mit Auszeichnung ab.
Marinekarriere
Nach seinem Abschluss wurde Sablin zum Leutnant befördert und der sowjetischen Nordflotte in Seweromorsk zugeteilt . [ 8 ] Er diente an Bord der Zerstörer Sweduschi und später Oschestochennij . [ 8 ] Sein erstes Kommando war eine Flugabwehrabteilung, gefolgt vom Kommando über eine Division. [ 8 ] Wie andere junge Offiziere musste er sich zunächst als Spezialist auf seinem Gebiet (Navigation) qualifizieren, bevor er die Qualifikation zum Deckoffizier erwerben konnte . [ 9 ] Seine Vorgesetzten lobten seine Leistung; der Kapitän der Oschestochennij schrieb 1965 an Sablins Vater und lobte Valery als „hingebungsvollen Kommunisten und vorbildlichen Marineoffizier“, der der Schiffsbesatzung als Vorbild diente.
Im Jahr 1963, während er vorübergehend in Murmansk im Einsatz war , schrieb Sablin einen Brief an Nikita Chruschtschow , den damaligen Ersten Sekretär der Kommunistischen Partei . Darin kritisierte er die Parteiführung und argumentierte, sie müsse sich „von Speichelleckern und korrupten, gewinnsüchtigen Beamten befreien“. [ 11 ] Er wurde vom Murmansker Parteikomitee gerügt, seine Karriere erlitt jedoch keinen bleibenden Schaden, auch wenn sich seine Beförderung zum Oberleutnant um fast ein Jahr verzögerte. [ 11 ]
Im September 1963 wurde die Ozhestochenniy zur Schwarzmeerflotte mit Sitz in Sewastopol übergeben . [ 12 ] Zwei Jahre später kehrte das Schiff zur Nordflotte nach Seweromorsk zurück, wo die Sablin bis 1969 blieb. [ 12 ]
Politischer Offizier
1969 wurde Sablin zum Landdienst abkommandiert und besuchte die Militärpolitische Akademie W. I. Lenins in Moskau , die Ausbildungsstätte für politische Offiziere ( Zampoliten ) der Marine. [ 12 ] Dies war ein ungewöhnlicher Schritt für einen vielversprechenden Linienoffizier, da es sich bei Zampoliten im Allgemeinen um ältere Offiziere handelte, die bei der Besetzung von Kommandopositionen übergangen wurden, oder um politische Laufbahnoffiziere, die aufgrund ihrer Parteitreue ausgewählt wurden. [ 11 ] Sablins kommandierender Offizier auf der Oschestochenniy zögerte, der Versetzung zuzustimmen, da er in Sablin einen potenziellen Schiffskapitän sah, doch Sablin selbst hatte vier Jahre zuvor darum gebeten. [ 12 ] Mit der Wahl des Zampolit- Weges entschied sich Sablin für eine Fachkarriere statt für eine Führungslaufbahn. [ 12 ] Als Spezialist wurde er schneller befördert, aber dies war vermutlich nicht Sablins Motivation. [ 11 ]
Der Zampolit war ein Nachfahre des Politkommissars aus dem Zweiten Weltkrieg und diente als Wachhund der Kommunistischen Partei innerhalb des Militärs. [ 2 ] Anders als die früheren Kommissare, die den gleichen Rang wie der Einheitskommandeur innehatten, war der Zampolit dem kommandierenden Offizier unterstellt, unterstand jedoch einer separaten politischen Befehlskette. [ 13 ] Auf großen Kriegsschiffen war der Zampolit der dritte Befehlshaber nach dem Kapitän und dem Ersten Offizier ( Starpom ) und musste sich als Wachoffizier unter Fahrt qualifizieren. [ 13 ] Zu seinen Aufgaben gehörten politische Indoktrination, die Verwaltung der Schiffsbibliothek und der „Roten Ecken“ (politische Altäre), die Förderung von Parteikampagnen, die Organisation „sozialistischer Wettbewerbe“ und die Tätigkeit als Personaloffizier, Kaplan und Sozial-/Freizeitoffizier. [ 14 ] Sablin schloss die Akademie im Juni 1973 mit Auszeichnung ab; sein Name wurde dort in die marmorne Ehrentafel eingraviert. [ 15 ] Am 9. August 1973 wurde er als Zampolit an Bord der U-Boot-Abwehrfregatte Storozhevoy abkommandiert . [ 16 ]
Ernüchterung und Motivationen
Während seiner Zeit an der Militärpolitischen Akademie Lenins (1969–1973) wurde Sablin zunehmend desillusioniert vom Sowjetsystem. [ 17 ] Inspiriert hatte ihn die Tauwetter-Periode unter Chruschtschow Ende der 1950er und Anfang der 1960er Jahre, [ 18 ] die er als Kadett im Kontakt mit Universitätsstudenten wie seiner Cousine Tamara erlebte, die verbotene Schriften und provokante Gedichte mit ihm teilte. [ 19 ] Der Einmarsch des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei 1968 , der die Reformen des Prager Frühlings zunichtemachte, beunruhigte ihn zutiefst.Sablin stellte die Ideale des Leninismus und der Oktoberrevolution der Realität der Breschnew-Ära gegenüber , die seiner Ansicht nach von Stagnation , Korruption, Heuchelei und der Verfestigung einer privilegierten Elite ( Nomenklatura ) geprägt war. [ 21 ] Er blieb ein glühender Anhänger der leninistischen Prinzipien und argumentierte, das System sei von seinen Hütern verraten worden. [ 22 ] Er glaubte, dass der weit verbreiteten Unzufriedenheit in der sowjetischen Gesellschaft, die sich in Apathie und Zynismus manifestierte, nur durch eine Rückkehr zu wahren leninistischen Idealen durch eine neue Revolution begegnet werden könne. [ 23 ] Später schrieb er, der Staats- und Parteiapparat sei so stark gegen Kritik gepanzert worden, dass er von innen heraus aufgebrochen werden müsse.
Seine Zeit in Moskau fiel mit einer Phase relativer familiärer Stabilität zusammen. Er hatte 1960 Nina Mikhailovna Chumazova geheiratet, eine Universitätsstudentin, die er in Leningrad kennengelernt hatte. [ 25 ] Ihr Sohn Mikhail wurde im September 1962 geboren. [ 26 ] Während sein früherer Dienst auf See ihn oft fernhielt, erlaubte ihm seine Stationierung an der Akademie mehr Zeit mit seiner Familie. [ 26 ] Er hielt enge Beziehungen zu seinen Eltern und Brüdern aufrecht und besuchte sie oft in Gorki. [ 27 ] Er war ein eifriger Leser, sammelte Materialien über den Potemkinschen Aufstand von 1905 und den Meuterer Leutnant Pjotr Schmidt [ 28 ] und war ein begabter Amateurkünstler. [ 29 ] Seine Frau Nina bemerkte sein starkes Interesse an Politik und seine Tendenz , offen darüber zu diskutieren, was ihr angesichts des totalitären Charakters des Staates Sorgen bereitete. [ 30 ]
Meuterei auf Storozhevoy
Hintergrund
Storozhevoy ( russisch : Сторожевой , was „Wächter“ oder „Beschützer“ bedeutet) war eine sowjetischeU-Boot-Abwehrfregatte der Krivak -I-Klasse . Es wurde im Dezember 1973 in Dienst gestellt, der Baltischen Flotte zugeteiltund in der Ostsee nahe Kaliningrad stationiert . [ 31 ]
Vor der Meuterei war die Storozhevoy im aktiven Dienst. Im Oktober 1974 lief sie zum 25-jährigen Jubiläum der DDR nach Rostock aus und im Frühjahr 1975 nahm sie an der großangelegten Marineübung Okean-75 im Atlantik teil, gefolgt von einem Zwischenstopp in Havanna auf Kuba und weiteren Übungen in der Ostsee. [ 31 ] [ 16 ] Anfang November 1975 lief die Storozhevoy von Baltijsk nach Riga aus, um an den Feierlichkeiten zum 58. Jahrestag der Oktoberrevolution teilzunehmen . [ 32 ] Sablin wählte diesen Zeitpunkt bewusst und verband seine geplante Aktion mit der historischen Revolution. [ 31 ] Kurz nach dem Besuch in Riga sollte das Schiff in Liepāja eine neue Besatzung erhalten, bevor es zur Pazifikflotte überging ; dieser bevorstehende Wechsel stellte für Sablin wahrscheinlich eine „Jetzt oder nie“-Situation dar. [ 31 ]
Planung
Alexander Shein, Sablins rechte Hand während der Meuterei
Sablin begann seine Aktion Monate im Voraus zu planen. Im April 1975, während eines Einsatzes im Atlantik, nahm er mehrere politische Reden auf Tonband auf, in denen er seine Kritik am Sowjetsystem und seinen Aufruf zu einer Rückkehr zu leninistischen Prinzipien darlegte. [ 33 ] Er glaubte, er müsse die Kontrolle über das Schiff übernehmen und dessen Funkausrüstung nutzen, um seine Botschaft landesweit zu verbreiten. [ 34 ] Sein letztendliches Ziel war es, mit dem Schiff nach Leningrad zu segeln, neben dem Museumsschiff Aurora (einem Symbol der Revolution von 1917) anzulegen und einen landesweiten Aufstand gegen das Breschnew-Regime anzuzetteln. [ 35 ] Er ließ sich von historischen russischen Aufständen inspirieren, insbesondere von der Meuterei auf dem Schlachtschiff Potemkin von 1905. [ 36 ]
Sablin brauchte Komplizen. Sein wichtigster Rekrut war der Matrose Alexander Schein, der Schiffsmaler, ein 20-jähriger ehemaliger Schulabbrecher mit einem leichten Vorstrafenregister wegen Diebstahls, den Sablin unter seine Fittiche genommen hatte. [ 37 ] Am 5. November enthüllte Sablin Schein seinen Plan, was ihn zunächst beunruhigte und ihn befürchten ließ, Sablin könnte ein ausländischer Spion sein. [ 34 ] Sablin beruhigte ihn, und Schein willigte ein, mitzumachen. Anschließend rekrutierte er einige weitere Matrosen, darunter Michail Burow, Wladimir Awerin, Salivonchik und Manko. [ 34 ] Sablin versorgte Schein mit einer ungeladenen Makarow-Pistole und einem der bespielten Tonbänder, die der Besatzung vorgespielt werden sollten. [ 32 ] Außerdem hatte er einen Monat zuvor in Kaliningrad Vorhängeschlösser gekauft, um mögliche Gegner festzuhalten.
Verluste und Verluste
1 Verwundeter (Sablin) Schaden durch Eigenbeschuss an Komsomolez Litwy
Am Abend des 8. November 1975, als die Storozhevoy in der Düna in Riga vor Anker lag, setzte Sablin seinen Plan in die Tat um. [ 32 ] Gegen 19:00 Uhr lockte er den Kapitän des Schiffes, Anatoli Potulnij, unter dem Vorwand, betrunkene Matrosen zu versorgen, in den vorderen Sonarraum auf dem Unterdeck. [ 39 ] Als Potulnij den leeren Raum betrat, sperrte Sablin ihn ein und hinterließ einen Brief, in dem er sein Vorgehen erklärte. [ 40 ]
Um 19:30 Uhr beorderte Sablin die Schiffsoffiziere (mit Ausnahme derer, die sich im Urlaub oder auf Landgang befanden) in die Offizierskajüte. [ 41 ] Er teilte ihnen mit, dass er den Kapitän eingesperrt habe und beabsichtige, nach Leningrad zu segeln, um eine neue Revolution zu beginnen. [ 41 ] Er überreichte ihnen Schachfiguren und bat diejenigen, die ihn unterstützten, eine weiße Figur zu nehmen, diejenigen, die dagegen waren, eine schwarze. [ 42 ] Das Abstimmungsergebnis war ausgeglichen: Acht Offiziere unterstützten Sablin, acht lehnten ihn ab. [ 43 ] Sablin sperrte die abweichenden Offiziere in ein separates Abteil unter Deck. [ 42 ] Er versicherte ihnen, dass ihnen nichts geschehen würde und dass die Einsperrung sie schützen würde, falls die Meuterei scheitern sollte. [ 42 ] Shein, bewaffnet mit der inzwischen geladenen Pistole, stand vor dem Besprechungsraum Wache. [ 41 ]
In dieser Nacht hatte Sablin Sergei Eisensteins Film Panzerkreuzer Potemkin aus dem Jahr 1925 für eine Vorführung auf dem Schiff ausgewählt [ 36 ] und gegen 22:10 Uhr versammelte er die verbleibende Mannschaft (ungefähr 150 Mannschaften) auf dem Achterdeck. [ 44 ] Er hielt eine leidenschaftliche Rede, in der er die Korruption und Stagnation der Breschnew-Ära anprangerte und eine Rückkehr zu wahren leninistischen Prinzipien forderte. [ 44 ] Er bat um ihre Unterstützung, um nach Leningrad zu segeln und eine Revolution zu beginnen, und behauptete fälschlicherweise, sie hätten Unterstützung von anderen Marineeinheiten. [ 45 ] Die Mannschaft, inspiriert oder vielleicht gezwungen durch die Umstände, stimmte mit überwältigender Mehrheit zu, die Meuterei zu unterstützen. [ 45 ] Sablins Unterstützer waren mit Pistolen und automatischen Gewehren aus dem Schiffsarsenal bewaffnet. [ 46 ]
Der Plan geriet jedoch ins Wanken. Oberleutnant Wladimir Firsow, der Elektronikoffizier und Parteisekretär des Schiffes, der zunächst für Sablin gestimmt hatte, änderte seine Meinung. [ 47 ] Gegen 22:30 Uhr entkam Firsow, indem er an einer Festmacherleine zum nahegelegenen U-Boot S-263 hinunterkletterte . [ 48 ] Er alarmierte dessen Kapitän, L. W. Swetlowski, der zunächst skeptisch war, Firsow aber schließlich an Land schickte, um die Behörden zu benachrichtigen. [ 48 ] Dieser Verlust des Überraschungsmoments zwang Sablin, seinen Zeitplan zu beschleunigen. [ 48 ]
Sprint aus Riga (9. November)
Valery Sablin befindet sich in der OstseeStorozhevoy hat aufgehörtStorozhevoy hat aufgehörtAntizipierenAntizipierenLeningradLeningrad
Karte mit modernen Grenzen; Storozhevoy wurde bei 57°58′6″N 21°2′9″E gestoppt [ 49 ]
Am 8. November gegen 23:00 Uhr befahl Sablin der Besatzung, den Anker zu lichten. [ 48 ] Das Schiff verließ Riga am 9. November gegen 2:15 Uhr. [ 50 ] Beim Auslaufen aus der Düna kollidierte die Storozhevoy leicht mit dem vor ihr liegenden U-Boot. [ 51 ] Unter dem Kommando von Petty Officer First Class Soloviev steuerte das Schiff nordwärts in Richtung Rigaer Meerbusen. [ 51 ] Sablin schaltete das Hauptradar des Schiffes zunächst aus, um nicht entdeckt zu werden. [ 51 ]
Um 3:00 Uhr morgens waren die sowjetischen Behörden in Riga über die Situation informiert. Vizeadmiral Anatoli Kossow , Stabschef der Baltischen Flotte, befahl Verfolgungsschiffen, darunter Patrouillenbooten der Grenztruppen des KGB , Storozhevoy abzufangen . [ 52 ] [ 53 ] Das erste Verfolgungsschiff, die SKR-14 , verließ Riga gegen 3:00 Uhr morgens. [ 53 ] Eine größere Truppe verließ Liepāja gegen 6:30 Uhr morgens unter Führung von Hauptmann 1. Rang Rassukovannyy an Bord des Patrouillenschiffs Komsomolets Litvy . [ 54 ]
Sablin erkannte, dass er keine Zeit mehr hatte, Leningrad direkt zu erreichen. Er nahm Kurs nach Westen (ca. 290 Grad) durch die Irbenstraße , die Passage zwischen der Insel Saaremaa und der lettischen Küste, in Richtung internationaler Gewässer in der Ostsee. [ 51 ] Sein Ausweichplan war, entweder Schweden zu erreichen oder seine Botschaft über die Vereinten Nationen in die Welt zu tragen . [ 55 ]
Gegen 4:00 Uhr morgens befahl Sablin dem Schiffsfunker Nikolai Winogradow, seine aufgezeichnete Nachricht auszustrahlen. Winogradow, der im Umgang mit sicheren Codes geschult war, übermittelte die Nachricht jedoch nur über verschlüsselte Militärfrequenzen und nicht über offene Kanäle, wie Sablin es wahrscheinlich beabsichtigt hatte. [ 56 ] Die Sendung enthielt ausführlich Sablins Kritik am Sowjetregime, rief zu einem Volksaufstand auf und erklärte Storoschewoi zum „freien und unabhängigen Gebiet“. [ 57 ] Sowjetische Kommandeure, darunter Admiral Sergej Gorschkow in Moskau, überwachten die Übertragungen. [ 52 ]
Verfolgung und Luftangriffe
Das sowjetische Oberkommando, das befürchtete, Sablin wolle mit einem modernen Kriegsschiff und dessen Geheimnissen nach Schweden überlaufen, reagierte entschlossen. [ 58 ] Leonid Breschnew persönlich autorisierte den Einsatz tödlicher Gewalt. [ 52 ] Gegen 6:00 Uhr gab Verteidigungsminister Marschall Andrei Grechko den Befehl an Admiral Gorshkov weiter: „Bombardieren Sie das Schiff und versenken Sie es!“ [ 52 ] Im Morgengrauen des 9. November befand sich Storozhevoy in der Irbenstraße, verfolgt von mehreren Patrouillenbooten des KGB unter der Führung von Kapitän 2. Rang Neypert. [ 59 ] Diese Boote versuchten, Storozhevoy mit Leuchtraketen, Signallampen und Megafonen zu signalisieren , dass sie aufhören solle, aber Sablin ignorierte sie. [ 60 ] Ein Aufklärungsflugzeug der sowjetischen Marine vom Typ Iljuschin Il-38 ortete die Fregatte gegen 8:00 Uhr. [ 61 ]Mehrere Lufteinheiten wurden alarmiert. Neun Bomber des Typs Tupolew Tu-16K vom Luftwaffenstützpunkt Bykhov unter Führung von Oberst Arkhip Savinkov trafen gegen 9:10 Uhr am Ort des Geschehens ein. [ 62 ] Sie waren mit Schiffsabwehrraketen des Typs K-10S (AS-2 ‚Kipper‘) bewaffnet, darunter möglicherweise auch mit Atomsprengköpfen bestückte Versionen für die Bekämpfung von Flugzeugträgern, da sie vermutlich zur Kampfalarmgruppe gehörten. [ 63 ] Die Bomber flogen im Tiefflug und feuerten Warnschüsse aus ihren Heckkanonen ab. [ 62 ] Gegen 10:00 Uhr trafen auch Bomber des Typs Jakowlew Jak-28 des 668. Bomberfliegerregiments mit Basis auf dem Luftwaffenstützpunkt Tukums ein. [ 64 ] Diese Flugzeuge der Frontalfliegerei und ohne Erfahrung im Zielerfassungsmanöver von See her bombardierten gegen 10:20 Uhr irrtümlicherweise das sowjetische Frachtschiff Wolgo-Balt 38 , ohne dass es Opfer gab. [ 65 ] Kurz darauf warfen sie versehentlich auch Bomben in der Nähe des verfolgenden Komsomolez Litwy ab , was zu geringfügigen Schäden und einem Brand führte. [ 65 ]
Gegen 10:16 Uhr befahl Generaloberst Guljajew, Kommandeur der Marineflieger der Baltischen Flotte, Oberst Savinkovs Tu-16, sich auf einen Raketenstart vorzubereiten, und berief sich dabei auf das Sonderprotokoll für den Abwurf von Atomwaffen. [ 66 ] Um 10:27 Uhr bestätigte Guljajew den Startbefehl. [ 66 ] Um 10:45 Uhr meldete Savinkov jedoch eine Radarstörung (genauer gesagt einen Magnetronausfall ), die den Start einer Lenkrakete unmöglich machte. [ 67 ] Ob dies echt war oder eine bewusste Weigerung, eine potenziell nukleare Rakete zu starten, bleibt umstritten. [ 68 ] Die beiden anderen Bomber erhielten den Befehl, unabhängig anzugreifen, aber um 10:46 Uhr, kurz bevor sie starten konnten, gingen verzweifelte Funksprüche ein, die den Angriffsbefehl widerriefen. [ 67 ]
Inzwischen waren auch Jagdbomber des Typs Suchoi Su-24 der sowjetischen Luftwaffe aus Tukums losgeschickt worden. [ 69 ] Zwischen 10:25 und 10:32 Uhr flogen Jak-28 und möglicherweise auch Su-24 direkte Bomben- und Kanonenangriffe auf Storozhevoy . [ 70 ] [ 65 ] Das Schiff wurde mehrfach von 500-Pfund-Bomben und 30-mm-Kanonen getroffen, die vor allem auf das Heck zielten, um Ruder und Antrieb außer Gefecht zu setzen. [ 70 ] Storozhevoy wurde beschädigt, begann, Wasser aufzunehmen, verlor die Kontrolle über das Steuer und begann, sich im Kreis zu drehen.
Ende der Meuterei
Die Luftangriffe brachen die Entschlossenheit der Besatzung. [ 72 ] Gegen 10:20 Uhr befreiten mehrere Matrosen unter der Führung von Unteroffizier Kopilow Kapitän Potulniy und die anderen eingeschlossenen Offiziere. [ 73 ] Potulniy eilte mit einer Pistole bewaffnet auf die Brücke. Nach kurzem Zögern schoss er Sablin ins Bein und entwaffnete ihn. [ 73 ] Um 10:32 Uhr übernahm Potulniy wieder das Kommando und rief per Funk: „Feuereinstellung, ich habe das Kommando über das Schiff zurückerlangt!“
Die Meuterei war vorbei. Die Storozhevoy wurde in internationalen Gewässern gestoppt , etwa 21 Seemeilen (39 km) von sowjetischen Hoheitsgewässern und 50 Seemeilen (93 km) von Schweden entfernt. [ 73 ] KGB-Patrouillenboote legten längsseits an, und Marinesoldaten enterten das Schiff und sicherten die Besatzung.
Verhaftung, Prozess und Hinrichtung
Der verwundete Sablin wurde auf einer Bahre von Storozhevoy weggebracht . [ 74 ] Er und Shein wurden zusammen mit zwölf anderen mutmaßlichen Rädelsführern von Riga nach Moskau geflogen und im Lefortowo-Gefängnis des KGB inhaftiert . [ 75 ] Der Rest der Besatzung wurde in der Woroschilow-Kaserne in Riga festgehalten und von KGB-Offizieren und einer hochrangigen Marinekommission unter Vorsitz von Admiral Gorschkow eingehend verhört. [ 49 ]
Sablin wurde monatelang verhört, vor allem von KGB-Hauptmann Oleg Dobrowolski. [ 75 ] Dobrowolski beschrieb Sablin als überzeugten, wenn auch fehlgeleiteten Idealisten und Fanatiker, der bereitwillig marxistisch-leninistische Texte zur Rechtfertigung seiner Handlungen zitieren konnte. [ 76 ] Während Sablin in späteren Verhören, wahrscheinlich unter Druck oder Zwang, einen Verstoß gegen seinen Militäreid zugab (seine Frau sah ihn später mit ausgeschlagenen Zähnen), bestritt er stets, Hochverrat begangen zu haben. [ 77 ] Er beharrte darauf, dass seine Handlungen der Rettung des sowjetischen Sozialismus und nicht dem Verrat am Vaterland dienten. [ 78 ]
Die sowjetische Führung tat sich zunächst schwer damit, die Anklagepunkte zu formulieren, da sie Sablins wahre politische Motive nur ungern eingestand. [ 79 ] Der Vorwurf des Überlaufens nach Schweden war politisch leichter zu handhaben, wenn auch ungenau. [ 79 ] Schließlich reduzierten KGB und Marineführung angesichts des 25. Parteitags im Februar 1976 die Zahl der wegen Hochverrats angeklagten Männer auf Sablin und Shein, wahrscheinlich um die wahrgenommenen Disziplinarprobleme in der Flotte zu minimieren.
Der Prozess gegen Sablin und Shein begann am 13. Juli 1976 unter Ausschluss der Öffentlichkeit vor dem Militärkollegium des Obersten Gerichtshofs der UdSSR . [ 81 ] [ 82 ] Sablin wurde von dem staatlich bestellten Anwalt Leonid Aksyenov vertreten, dem Sablins Familie misstraute. [ 83 ] Sablin bekannte sich des Hochverrats schuldig, wahrscheinlich als Teil einer Abmachung oder unter Zwang. Er übernahm die Verantwortung, bat jedoch um Milderung für seine Mannschaft. [ 84 ] Trotzdem wurde er wegen Hochverrats gemäß Artikel 64(a) des Strafgesetzbuches der RSFSR zum Tode durch Erschießen verurteilt. [ 84 ] [ 82 ] Sein Dienstgrad und seine Orden wurden ihm aberkannt. [ 85 ] Alexander Shein gestand, wahrscheinlich unter enormem Druck, Beihilfe zum Hochverrat und Bruch seines Eides; er wurde zu acht Jahren Gefängnis und Arbeitslager verurteilt.
Sablin wurde am 3. August 1976 im Keller des Lefortowo-Gefängnisses durch einen einzigen Pistolenschuss in den Hinterkopf hingerichtet.
Seine Familie wurde erst im Februar 1977 benachrichtigt, als sein Bruder Nikolai eine Sterbeurkunde erhielt, auf der zwar das Todesdatum angegeben war, die Todesursache und der Todesort jedoch leer blieben.
Der Verbleib seiner Leiche ist unbekannt.
Nachwirkungen
Die sowjetische Regierung unterdrückte fast fünfzehn Jahre lang alle Informationen über die Meuterei. [ 89 ] Es gab offizielle Dementis, [ 89 ] und die Storozhevoy wurde nach Reparaturen auf Patrouille in der Ostsee ausgestellt, bevor sie im April 1976 an die Pazifikflotte übergeben und de facto nach Sibirien verbannt wurde . [ 90 ] Dort verblieb sie, bis sie 2004 außer Dienst gestellt und zur Verschrottung nach Indien verkauft wurde. [ 91 ]
Die anderen zwölf verhafteten Meuterer wurden im März 1976 aus Lefortowo freigelassen und mussten wahrscheinlich Disziplinarmaßnahmen wie Degradierung und Ausschluss aus dem Komsomol hinnehmen , sie entgingen jedoch einer Anklage. [ 92 ] Der Großteil der Besatzungsmitglieder, darunter auch Offiziere, die sich der Meuterei widersetzt hatten, wurde über die gesamte Marine verstreut; einige erlitten Degradierungen oder Karriereeinbußen. [ 93 ]Kapitän Potulniy wurde degradiert und mit der Leitung eines Lagerhauses an Land beauftragt; seine Karriere war ruiniert, obwohl er die Kontrolle über sein Schiff zurückerlangte. [ 94 ] Alexander Shein diente fünfeinhalb Jahre in Lefortowo und zweieinhalb Jahre in einem Arbeitslager, bevor er freigelassen wurde. Als ehemaliger politischer Gefangener wurde er diskriminiert und hatte nach seiner Freilassung persönliche und berufliche Probleme. [ 95 ]
Sablins Familie erlebte schwere Not. Nina Sablina und ihr Sohn Mikhail wurden im Mai 1976 aus ihrer Marineunterkunft in Baltijsk vertrieben. [ 96 ] Sie zogen nach Leningrad und lebten dort relativ anonym. [ 96 ] Nina wurde gesellschaftlich ausgegrenzt, [ 97 ] und Mikhail durfte seinem Vater nicht zur Marine folgen. [ 96 ] Valerys Vater starb im Januar 1977, ohne zu wissen, dass sein Sohn bereits hingerichtet worden war; seine Mutter starb achtzehn Monate später. [ 96 ]
Trotz der Unterdrückung kursierten Gerüchte über die Meuterei innerhalb der sowjetischen Marine und gelangten schließlich über Emigranten und abgefangene schwedische Geheimdienste in den Westen. [ 98 ] Frühe, oft ungenaue Berichte der westlichen Presse machten das Ereignis sensationell und stellten es häufig als versuchten Massenüberlauf dar oder behaupteten hohe Opferzahlen.
Vermächtnis
Vertraue darauf, dass die Geschichte die Ereignisse ehrlich beurteilt, und du wirst dich nie für das schämen müssen, was dein Vater getan hat. Gehöre auf keinen Fall zu den Menschen, die zwar Kritik üben, aber nicht handeln. Solche Menschen sind Heuchler, schwache, wertlose Menschen, die nicht die Kraft haben, ihre Überzeugungen mit ihren Taten in Einklang zu bringen. Ich wünsche dir Mut, meine Liebe. Sei stark im Glauben daran, dass das Leben wunderbar ist. Sei positiv und glaube daran, dass die Revolution immer siegen wird. — Sablins letzter Brief an seinen Sohn vor seiner Hinrichtung
Die Storozhevoi- Meuterei erlangte indirekt internationale Berühmtheit durch Tom Clancys Debütroman Jagd auf Roter Oktober aus dem Jahr 1984 und dessen Verfilmung aus dem Jahr 1990. Clancy erfuhr von der Meuterei durch Gregory D. Youngs Monographie beim Naval Institute Press aus dem Jahr 1982 , die auf seiner Masterarbeit basiert.
Während Clancy die Kernidee eines desillusionierten Offiziers, der ein sowjetisches Schiff kapert, adaptierte, fiktionalisierte er die Details erheblich: Das Schiff wurde zu einem U-Boot mit ballistischen Raketen ( Roter Oktober ), das Motiv war die Flucht in die Vereinigten Staaten und der Anführer (Marko Ramius) war erfolgreich. [ 102 ] Der Roman selbst nimmt kurz Bezug auf die echte Meuterei, stellt Sablin jedoch fälschlicherweise als Anführer einer Meuterei von Mannschaften mit Ziel Gotland dar , bei der mehrere Hinrichtungen verkündet wurden.
Mit dem Aufkommen von Glasnost Ende der 1980er Jahre kamen Informationen über die Meuterei in der Sowjetunion ans Licht. Der ehemalige Marineoffizier und Schriftsteller Nikolai Tscherkaschin setzte sich für Sablin ein und veröffentlichte 1990, nach Überwindung erheblichen offiziellen Widerstands, den ersten sowjetischen Bericht über die Meuterei in der Prawda .
Dies führte zu einer Phase öffentlicher Diskussion und einer historischen Neubewertung von Sablins Handeln.
Nach Berufungen von Sablins Familie und Unterstützern überprüfte das Militärkollegium des Obersten Gerichtshofs der Russischen Föderation 1994 die Urteile gegen Sablin und Shein. Das Gericht rehabilitierte beide Männer teilweise und wandelte die Anklage des Hochverrats (Artikel 64a) in geringere Militärverbrechen um, insbesondere Machtmissbrauch und Ungehorsam (Artikel 252b und 252c).
Das Gericht bestätigte jedoch die ursprünglichen Urteile – Tod für Sablin und Gefängnis für Shein – und befand sie der geringeren Anklagepunkte für schuldig.
Diese teilweise Rehabilitierung erkannte an, dass Sablin kein Verräter war, betrachtete sein Handeln jedoch aus militärischer Sicht als kriminell. Eine vollständige Rehabilitierung ist angesichts des Charakters der Meuterei als Militärverbrechen unwahrscheinlich.
Sablin bleibt eine umstrittene Figur. Manche sehen ihn als heldenhaften Idealisten, der sich in einem aussichtslosen Versuch opferte, ein korruptes System nach wahren leninistischen Prinzipien zu reformieren.
Andere hingegen halten ihn für eine gefährlich naive oder großspurige Figur, die verantwortungslos das Leben seiner Mannschaft riskierte und die Spannungen des Kalten Krieges potenziell eskalieren ließ.
Sein Handeln verdeutlichte die tiefsitzende Unzufriedenheit innerhalb der sowjetischen Gesellschaft und des Militärs während der Ära der Stagnation und kündigte den endgültigen Zusammenbruch der Sowjetunion an.
Waleri Sablin Tragischer Held der Sowjetunion 1975