Geleitwort des Club of Rome
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Claude Martin hat ein großartiges Buch über die Tropenwälder vorgelegt, welches der Club of Rome nach sorgfältiger Prüfung mit großer Freude und in Dankbarkeit als Bericht akzeptiert hat. Endspiel - Wie wir das Schicksal der tropischen Regenwälder noch wenden können ist damit der 34. Bericht an den Club of Rome.
Der erste Bericht erschien 1972 - die berühmten Grenzen des Wachstums. Claude Martins Buch bringt wesentliche, entscheidende und neue Aspekte in die globale Debatte um die Zukunft der Menschheit und unseres Planeten ein. Dies ist das wichtigste Kriterium für einen »Bericht an den Club of Rome«.
Der Club of Rome war eine der ersten und einflussreichsten Organisationen, die sich langfristigem Denken und der systemischen Analyse wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Fragestellungen widmete. Dieses Denken stand am Anfang der Umweltbewegung, die sich in den 1970er-Jahren formierte; sie beeinflusste Millionen von Menschen über eine ganze Generation hinweg. Es hat in den letzten Jahrzehnten auch maßgeblich dazu beigetragen, visionäre politische Grundsatzentscheidungen auszulösen. Der Club of Rome setzte somit das langfristige Denken und die Analyse der größten Zukunftsherausforderungen für die Menschheit ganz oben auf die internationale Agenda.
In Endspiel präsentiert Claude Martin den geschichtlichen sowie aktuellen Stand der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem noch immer voranschreitenden Verlust tropischer Regenwälder und ihrer Rolle für die Klimastabilität. Der Bericht ist ein Weckruf, der uns allen die globalen Gefahren, die von der fortschreitenden Zerstörung ausgehen, und die Konsequenzen für unseren Planeten klar vor Augen führt. Er stellt aber auch jüngste positive Entwicklungen heraus und skizziert eine Reihe notwendiger Maßnahmen, die es auch künftigen Generationen ermöglichen würden, sich an der Magie unberührten Regenwaldes zu erfreuen.
Wir sind überzeugt, dass der Bericht Endspiel einen entscheidenden Beitrag dazu leistet, die Ursachen, die zur Degradierung und Zerstörung von Regenwäldern weltweit führen, besser verstehen und bewältigen zu können. Er veranschaulicht die Grundsätze für den Schutz tropischer Regenwälder und untersucht Möglichkeiten und Wege der Bewahrung eines Großteils der Biodiversität sowie der Kulturen indigener Völker auf unserem Planeten.
Endspiel gibt der Thematik der Zukunft tropischer Regenwaldgebiete ihren wichtigen Stellenwert zurück - und platziert sie wieder im Zentrum der globalen Umweltdebatte.
Anders Wijkman und Ernst Ulrich von Weizsäcker, Ko-Präsidenten des Club of Rome
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Vorwort von H. Lesch
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Im Regenwald feiert das Leben sich selbst. Es ist immer warm und immer feucht. Die tropische Sonne erwärmt den Regenwald auf durchschnittlich 25 Grad Celsius jahrein, jahraus. Und es regnet viel, ach was, manchmal schüttet es wie aus Kübeln, und zwar meistens am Nachmittag und am Abend. Gewaltige Gewitter begleiten die Niederschläge bis tief in die Nacht hinein. Und wenn sich dann tags darauf der Boden und die Luft wieder rasch erwärmen, verdunstet das Regenwasser als feuchtwarme Luft und ballt sich am Himmel in immer dichteren Wolken abermals zusammen. Wieder regnet es, und aufs Neue durchzucken Blitze den Himmel. Feuer, Wasser, Luft und Erde sind hier in Wallung, sind miteinander durch uralte Kreisläufe verbunden.
Wie die Ozeane, so wirken auch die Regenwälder wie gigantische Schwungräder des globalen Klimas. In diesem Netz der Urelemente bedient sich das Leben großzügig und entwickelt deshalb auch die größte Vielfalt an Flora und Fauna. Nirgendwo auf unserem Planeten ist die Gier des Lebens auf Entfaltung so spürbar wie in den tropischen Regenwäldern. Sie sind das Labor des Lebens, hier wird geschüttelt und gerührt, hier schlummern immer noch die größten Wunder und Geheimnisse.
Nach allem, was wir heute wissen, ist die Erde einzigartig. Ob auf anderen Planeten Leben, geschweige denn Leben in einer erdähnlich reichen Form existiert und jemals entdeckt werden wird, ist fraglich - eher werden in nicht allzu ferner Zukunft Abkömmlinge unserer Spezies auf dem Mars herumlaufen.
Ob die Menschheit bis dahin eine genauere Vorstellung von der tatsächlichen Biodiversität unserer guten alten Erde haben wird?
Erst ein Bruchteil der Tier- und Pflanzenarten ist bis heute wissenschaftlich erfasst, und wir sind drauf und dran, unseren größten Biodiversitätspool zu verlieren. Das Versuchslabor Regenwald wird geplündert und gerodet, und das ist gefährlich für die ganze Welt.
Jetzt kommt der Klimawandel noch als weitere Bedrohung hinzu: Regenwälder sind nicht nur Kohlenstoffsenken, die Klimaveränderungen machen die Regenwälder auch zu potenziellen Opfern lang anhaltender Trockenzeiten. Der Regenwald ist einer der wichtigsten Bestandteile der planetaren Kreisläufe, die Leben, auch das von uns Menschen, überhaupt erst möglich machen.
Aber wo die Gefahr wächst, wächst auch das Rettende, so der gute Hölderlin, der nie einen Regenwald gesehen hat. Aber er hat recht, denn die möglichst genaue Kenntnis der biologischen, chemischen und physikalischen Kreisläufe in diesem eng vernetzten Wunderwerk der Elemente und der Lebewesen macht den wirklichen Wert der Regenwälder deutlich. Dazu gehören auch die lokalen Bevölkerungen und Ureinwohner im Amazonas- und Kongobecken, in Borneo und Papua-Neuguinea, von deren jahrtausendealtem Wissen wir auch im Cyberzeitalter noch viel lernen könnten. Die objektiven Wissenschaften sagen uns, was für einen Schatz die Regenwälder darstellen. Sie sagen uns aber auch, was weg ist, ist weg - wenn wir nicht aufpassen.
Dieses ungewöhnliche »Dschungelbuch« von Claude Martin enthält all das, was man über den Regenwald wissen muss. Er macht aus seinem Herzen keine Mördergrube, sondern lädt uns ein, mit ihm durch dieses Paradies zu gehen, zu sehen und vor allem zu verstehen, warum wir dieses großartige Panoptikum des Lebens nicht den ökonomischen Zwängen opfern dürfen. Claude Martin erzählt und erklärt, schwärmt und ordnet ein. Und er zeigt die Chancen auf, die es immer noch gibt, das Allerschlimmste zu verhindern, und zwar jetzt! Ohne die Regenwälder wäre unsere Erde nicht mehr das, was sie gerade jetzt noch ist, eine wunderbare Welt voller Möglichkeiten, in der sich das Leben seit Jahrmilliarden ausprobiert und immer wieder aufs Neue zeigt, dass es sich zu leben lohnt. Verschwinden die Regenwälder, dann werden Räder und Kräfte in Gang gesetzt, denen wir hilflos ausgesetzt sein werden. Claude Martins Buch ist ein Erlebnis und ein Bekenntnis. Es gibt keine Alternative zum Optimismus. Also los!
Prof. Dr. Harald Lesch
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