4 Der letzte Rückzug Janov 1980
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Die Psychose ist eine weitere Möglichkeit für das Gehirn, mit Primärschmerz umzugehen. Sie ist nicht mystischer oder unergründlicher als die Neurose. Primär-Traumata sind elektrische Stürme, die im Gehirn geschleust werden. Unter Streß oder ungünstigen Umständen können aus diesen Sturmzentren elektrische Eruptionen hervorbrechen. Diese Eruptionen können die Form von Wut, Weinkrämpfen, epileptischen Anfällen, Migräne, Alpträumen und, wenn die Primärschmerzspannung groß genug ist, von Selbsttäuschungen und Halluzinationen annehmen.
Die Psychose stellt den Zusammenbruch der Verdrängung dar; Energie strömt aus den Speichern, und das Primär-Toben kann mit inneren Mitteln nicht zum Stillstand gebracht werden. Sie ist die letzte mentale Operation des Gehirns in Reaktion auf Urschmerz — die letzte Abwehr des Gehirns. Ich glaube, die einzige Alternative dazu ist der Tod. Der Organismus ist verrückt geworden, um sich zu verteidigen, und wenn der Geist nicht auch verrückt werden kann, dann, so glaube ich, wird es der Körper, was sich in tödlichen oder fast tödlichen Krankheiten ausdrückt.
Deshalb zeigen Psychotiker unerwartete verrückte Bewegungen, ein jähes Verdrehen der Augen, oder sie fangen plötzlich an, mit jemandem, der nicht da ist, laut zu reden: der unmittelbare Beginn von Selbsttäuschungen und Halluzinationen. Diese Explosionen sind auch bei der Neurose zu erkennen, wie etwa in Wutreaktionen, Asthma-Anfällen, Ticks, Migräneanfällen und so weiter. Auch dies sind Signale der Eruptionen.
Vor allen Dingen sind die Symptome der Psychose Symptome. Sie unterscheiden sich in der Qualität von neurotischen Symptomen, weil sie bizarr sind und anscheinend keine Grundlage in der Realität haben. Es ist wirklich keiner im Fernsehapparat, der Befehle erteilt — um die Selbsttäuschung eines unserer Patienten zu zitieren. Die Symptome sind im großen und ganzen gedankliche Vorstellungen oder reine Einbildungen. Bizarr sind sie, weil ihre Quelle tiefer und unzugänglicher Urschmerz ist. Deshalb gibt es scheinbar keine offensichtliche Verbindung zwischen dem Symptom und irgend etwas in der Realität.
Bei der Neurose ist die Quelle weiter an der Oberfläche, dort, wo der Urschmerz nicht so stark ist. Die Psychose braucht keinen aktuellen Anlaß zur Auslösung einer Halluzination. Die Quelle liegt so weit zurück in der Vergangenheit, daß sie gar nicht zu existieren scheint, und sie sprudelt fast ohne Provokation hervor.
Obwohl die Ursprünge von Neurose und Psychose die gleichen sind, ist die Psychose doch qualitativ einen großen Schritt vom neurotischen Zustand entfernt. Urschmerz akkumuliert sich, bis jemand in einen neuen Bereich gerät. Hier sind das Verhalten, die Symptome, das Traumleben und die Biochemie anders. Daß ein Psychotiker anders ist, fällt jedem sofort auf. Ein Blick in seine Augen verrät schon fast die ganze Geschichte. Seine trüben Augen sagen uns, daß er nur in die Vergangenheit schaut. Er ist nicht »hier«. Seine Reaktionen sind befremdend: Einer unserer Patienten glaubte, daß der Therapeut seine Kleidung aus der vorigen Sitzung wechsele, um ihn hinters Licht zu führen. Seine Selbsttäuschung bestand darin zu glauben, daß dies eine Verschwörung sei, um ihn durcheinanderzubringen und es ihm unmöglich zu machen zu wissen, wo er sich befand. Mit anderen Worten: eine Verschwörung, um ihn zu täuschen. Andere Patienten berichten von Stimmen, die durch die Wand kommen, die sie auslachen und verspotten.
Ein Psychotiker findet sich in der Welt nicht gut zurecht. Er kann keine Arbeitsstelle halten, studieren oder Verabredungen einhalten. Er ist vergeßlich, weil er nicht bewußt ist — er ist nicht (ganz) da. Er kleidet sich nachlässig und ißt nicht ordentlich, weil sein Geist mit der Vergangenheit beschäftigt ist — mit dem Urschmerz. Es ist möglich, daß er noch immer unter der Annahme lebt, jemand werde sich um ihn kümmern. Häufig ist er empfindsam, weil er direkt von der zweiten, der emotionalen Ebene her reagiert und über keine festgefügten Abwehrformen der dritten oder intellektuellen Ebene verfügt, die ihn davon abhalten könnten wahrzunehmen, was vor sich geht. Es mag tatsächlich so sein, daß er sich in dem Dilemma befindet, weil er immer zu empfindlich gewesen ist. Es ist ein eigenartiges Paradox. Er nimmt emotionale Nuancen wahr, jedoch total unbewußt. Es mangelt ihm an einem Zusammenhalt des Bewußtseins, der ihn eine Situation in ihrer Ganzheit aufnehmen und über die Reaktion entscheiden ließe. Seine Reaktionen sind außerordentlich unangemessen.
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Der chronische Psychotiker führt einen letzten Grabenkampf um Kontrolle und Vernunft. Da er immer wieder gegen die überwältigende innere Zerrissenheit verliert, werden seine Versuche, etwas zu begreifen, immer krampfhafter und unangemessener und damit auch zunehmend uneffektiver. Projektion ist für den Psychotiker überlebenswichtig.
Primär-Ängste zu externalisieren, bedeutet, daß man etwas mit ihnen anfangen kann. Wie absurd oder widersinnig die Selbsttäuschung eines Menschen uns auch erscheinen mag, für ihn selbst ist sie buchstäblich sinnvoll. Sie erfüllt ein sonst unerklärliches, formloses Gefühl mit Sinn und Vernunft. Die äußeren Umstände können so manipuliert werden, daß die Person sich fühlt, als hätte sie eine Art Kontrolle über ihr Leben. Man kann den Fernseher eintreten, Türen zunageln, man kann Leuten aus dem Wege gehen, die einen »auslachen«. Wahnsinn hat Methode.
Gibt man einem Psychotiker eine Droge, die den Urschmerz blockiert, wird er nicht länger von einer Macht überwältigt, die er projizieren muß. Und damit nimmt auch das Maß der Selbsttäuschung ab.
Manchmal wird eine Psychose nicht bemerkt, weil der Mensch sich einer mystisch oder religiösen Richtung hingegeben hat, die so gut in eine institutionalisierte begriffliche Struktur paßt, daß seine Psychose institutionalisiert wird. Mit einer organisierten Imprimatur hinter sich hat die Psychose ihr Cachet. Solange jeder in seiner Gruppe dasselbe glaubt, egal wie befremdend es auch sein mag, wird er wahrscheinlich nicht aus dem Weg geräumt. Er kann stundenlang in den Himmel starren, aber weil er »meditiert« oder »mit Gott kommuniziert«, nimmt man an, er sei normal.
Bei einem Nervenzusammenbruch wird man von einer unverknüpften, aufsteigenden Primär-Kraft überwältigt. Es ist der Anfang des Primal-Feelings mit all seinen Schrecken, aber ohne die Fähigkeit zur Verknüpfung. Statt in ein Feeling (das heißt in den Urschmerz) einzubrechen und das Feeling dann mit Hilfe eines Therapeuten mit dem Bewußtsein zu verknüpfen, bricht das Opfer eines Nervenzusammenbruchs zusammen, auseinander und wird vielleicht jemand anderes — der Präsident oder Jesus. Wenn man darüber nachdenkt, was kann denn in uns schon »zusammenbrechen«? Es sind nur die Abwehrformen, die zusammenbrechen können. Ein Mensch ohne Primärschmerz könnte nur zusammenbrechen und er selbst werden — was Gesundheit, nicht Psychose wäre. So müssen wir, wenn wir an einen Nervenzusammenbruch denken, an den Zusammenbruch des Abwehrsystems gegen Urschmerz denken. Das geschieht, weil gegenwärtige Ereignisse mehr Urschmerz auslösen, als integriert werden kann.
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Jemand lebt im Wahnsinn, weil er es nicht fühlen kann. Seine Imagination, seien es Ideen oder bildhafte Vorstellungen, ist der beste Schutz, den er hat. Wenn man sich nicht mit dem Ursprung beschäftigt, muß man sehr vorsichtig sein, wenn man ihm diese Vorstellungen wegnimmt.
Ein Säugling hat eine sehr unzureichende Vorstellung von Raum und Zeit. Wird ein Erwachsener mit Urschmerz, der ihm in seiner Säuglingszeit widerfuhr, bombardiert, so wird er dazu neigen, Vorstellungen zu entwickeln, die keine räumlich-zeitliche Bedeutung haben. Astrale Projektion, das Gefühl, sich durch den zeitlosen Raum zu bewegen, ist ein Beispiel dessen, was ich meine. Der Grund liegt darin, daß bei der Auslösung früher, präverbaler Urschmerzen die exakte frühe Reaktion auf den Schmerz mit hochkommt. Deshalb hat der Mensch folgerichtig ein räum- und zeitloses Gefühl. Allein dies ruft Verwirrung hervor und ein Gefühl der Desorientierung, als würde man verrückt. In diesem Sinne ist das Feeling »grenzenlos«.
Der Inhalt der Vorstellungen, die an frühe Urschmerzen gebunden sind, hat normalerweise etwas mit Verletzung oder Tod zu tun — mit Bedrohungen des Überlebens. Der Psychotiker beschäftigt sich mit diesen Feelings, indem er sich vorstellt, in Lebensgefahr zu sein, weil zum Beispiel jemand aus einer nahe gelegenen Telefonzelle einen Strahl schleudern könnte, der ihn auslöscht. Der Inhalt des Feelings stimmt, doch stimmt der Rahmen nicht, und das Feeling ist unaufgelöst. Er hat das Gefühl, daß er sterben wird — daß er durch eine Hand unbekannten Ursprungs umgebracht wird. Mittlerweile haben wir eine ziemlich gute Vorstellung davon, was dieser Ursprung wirklich ist. Jemand, der das mit heftigen Schmerzen verbundene Gefühl hat, von der Nabelschnur erwürgt zu werden, ist, bevor ihm diese Erinnerung kommt, normalerweise vollkommen hilflos. Er hat keine Vorstellung, was mit ihm passiert und warum das so ist. Nur wenige erkennen, daß diese Erinnerung an die Geburt noch da ist und daß sie »fühlbar« ist.
Psychotiker können mit der Primärtherapie behandelt werden. Psychotische Symptome können in einer Stunde ohne Drogen oder Arzneimittel beseitigt werden. Ich sage nicht, daß die Psychose (ein Seins-Zustand) in einer Stunde umgekehrt werden kann, nur ihre Symptome. Wir haben erlebt, daß vollkommen wahnhafte Patienten total psychotisch zu einer Sitzung gekommen sind und ohne ihre Symptome wieder gegangen sind.
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Dies ist das Resultat eines verknüpften Primals. Es ist wirklich eine erstaunliche Sache, das mit anzusehen. Bald darauf werden sie wieder auf ihr Symptom zurückfallen, nämlich sobald mehr Urschmerz hochkommt. Doch nach und nach wird die Psychose mit dem Auflösen von genug Urschmerz verschwinden.
Es ist wichtig, hier noch einmal darauf hinzuweisen, daß die verschiedenen Tranquilizer und Neuro-Chemikalien die Psychose — eine Manifestation auf der dritten Ebene, eine »Denkstörung« — dadurch beeinflussen, daß sie auf subkortikale Systeme einwirken. Diese Tatsache demonstriert die großen Auswirkungen unterbewußter oder unbewußter Ereignisse auf das kortikale Funktionieren — auf Denken, Wahrnehmung und Vorstellungsvermögen. Mit anderen Worten, das kortikale Funktionieren ist sehr abhängig von unterbewußten Prozessen.
In gewissem Sinne steht der Psychotiker mit der Realität in Einklang. Unglücklicherweise ist es eine Realität der Vergangenheit, eine Realität, an die der konventionelle Therapeut nicht einmal im Traum denken würde. Diese Realität ist subkortikal und gut versteckt.
Die Behandlung der Psychose kann von jeder Ebene aus angegangen werden. Man kann damit beachtliche vorübergehende Resultate erzielen. Man kann den Psychotiker unter Drogen setzen, Schocktherapie anwenden und damit ernste frühe Urschmerzen blockieren. Man kann körperliche Übungen mit ihm veranstalten und die Spannung gespeicherter Feelings aus der Kindheit freisetzen. Doch Heilung bezieht alle Ebenen mit ein. Sie bedeutet eine verknüpfte Erfahrung und nicht Erleichterung auf einer einzigen Ebene.
Die Psychose repräsentiert ein weiteres dialektisches Paradox —: Je näher jemand an die Realität gelangt, desto irrealer muß er sein. Sich den Urschmerzen zu nähern, die den einen gesund machen werden, kann einen anderen in den Wahnsinn treiben.
Die subkortikalen Quellen der Psychose können aufzeigen, daß die Neurose und die Psychose nur verschiedene Punkte des gleichen Kontinuums sind. Bei geringerem Primal-Durchbruch — es gibt genügend Abwehrformen — wird der Kortex nicht zu seinem irren Rückzug getrieben, und die Symptome sind nur neurotisch. Größerer Durchbruch — mehr präpsychotische und psychotische Symptome. Demnach ist Psychose das Scheitern der Neurose.
Es gibt in niemandem einen latenten psychotischen Prozeß, es gibt nur gespeicherten Urschmerz. Eine psychotische Reaktion ist eine Reaktion, kein primärer Prozeß. Es stellt sich die Frage, auf was ist Psychose die Reaktion? Die Antwort ist klar: Primärschmerz. Man kann die Psychose auf verschiedene Arten behandeln, zum Beispiel mit Vitamin-Behandlungen, doch ist der Psychotiker in jeder Hinsicht krank, nicht nur seine Vitaminwerte. Er hat ein »psychisches« Leiden, das die Struktur seines Gehirns verändert hat — ein Leiden, das jede Zelle durchdringt.
Es ist nicht sehr fair, daß ein Trauma, das zu Beginn des Lebens nur Minuten oder wenige Stunden gedauert hat, einem den ganzen Rest des Lebens auf der Erde ruinieren kann. Deshalb ist die Fürsorge für den Fötus und den Säugling von so großer Bedeutung.
Das Fühlen ist sowohl eine Vorbeugung gegen als auch eine Heilung von Geisteskrankheit. Was man nicht fühlen kann, das kann einen verrückt machen.
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5. Das fühlende Kind
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Fast jedes Buch über Kindererziehung ist ein Buch mit Anleitungen. Irgend etwas Eigenartiges umgibt diese Ratschläge für Eltern in bezug auf ihre Kinder. Es ist, als ob man eher über Marsmenschen redet als über eine Lebensphase, die wir alle durchlebt haben. Die stillschweigende Annahme in diesen Büchern ist, daß wir alle von unserer Kindheit abgeschlossen sind und daß sich keiner mehr daran erinnern kann, wie man sich als Kind gefühlt hat. Daß wir nicht fühlen können.
Offensichtlich ist doch wohl alles, was zwischen Eltern und dem Kind vor sich geht, nur insoweit wichtig, wie es Feelings widerspiegelt. Daß ununterbrochen Bücher darüber geschrieben werden, wie man Kinder erzieht, ist ein Beweis dafür, daß es mit dem Fühlen nicht weit her ist; wir greifen dann auf Techniken zurück. Doch ist Technik die letzte Zuflucht für jemanden mit erschöpften, verdrängten Feelings, der nicht mehr erkennen kann, was richtig ist. Niemand braucht Regeln dafür, wie er zu anderen eine Beziehung herstellt, wenn er einen direkten Zugang zu seinen Feelings hat. Die einzige Frage, die zu stellen ist, lautet: »Wie behandelst du Menschen, die du liebst?«
Wenn man ein Kind liebt, wird man es richtig behandeln. Nicht dadurch, daß man es nur sagt oder gar nur denkt, sondern dadurch, daß man es gerne bei sich haben mag, wird es merken, daß es geliebt wird. Wenn man es nicht um sich herum haben will, wird es merken, daß es unerwünscht ist. Wenn man sich freut oder nicht freut, es zu sehen, wird es auch das spüren. Wenn man nicht erwartet, daß es etwas anderes sein soll, als es ist, wird es das verstehen, ohne daß man viele Worte darüber verlieren muß.
Das Kind, das jede Minute in uns existiert, zu fühlen, heißt genau zu wissen, wie wir uns in unserer Kindheit gefühlt haben und was wir und Kinder brauchen. Unsere Bedürfnisse sind die gleichen wie die unserer Kinder. Wenn wir uns selbst gegenüber unsensibel sind, sind wir auch ihnen gegenüber unsensibel. Uns gegenüber sensibel zu sein heißt, mit ihnen in Einklang zu stehen. Es gibt keine Sensibilität, die nicht innen anfängt. Wenn man zum Beispiel empfindsam ist für das eigene Bedürfnis, in den Arm genommen zu werden, wird man auch spüren, wann das Kind das Bedürfnis hat, in den Arm genommen zu werden.
Niemand wird einem ständig depressiven Vater sagen, er solle doch glücklich mit seinen Kindern sein. Niemand kann einer gereizten, nervösen Mutter sagen, sie sollte sich entspannen und ruhig mit ihren Kindern umgehen. Niemand kann einer unreifen Mutter, die kaum für sich selbst sorgen kann, sagen, »sie soll erwachsen werden und als reife Erwachsene auf ihre Kinder eingehen«. Niemand kann einem verdrängten, zurückgezogenen, passiven Vater sagen, er soll aus seinem Schneckenhaus kommen und offener zu seinen Kindern sein.
Ich glaube, daß die mechanistische Gesellschaft, in der wir leben, zu der mechanistischen Art und Weise geführt hat, in der wir unsere Kinder erziehen. Eine Form davon ist zum Beispiel das Füttern nach der Uhr, bei dem es feste Zeiten gibt, zu denen das Kind gefüttert werden muß, die nichts mit seinem natürlichen Rhythmus und seinem eigenen, besonderen Hunger zu tun haben. Im Zeitalter der Technologie haben wir die Vorstellung, daß wir mit unseren Kindern genauso umgehen können wie mit unseren Autos. Das Kind, das als Folge davon neurotisch wird, kann dann in eine Therapie gehen, die auch mechanistisch ist — sei es Biofeedback oder behavioristische Konditionierung; die Eltern bekommen weitere »Wie-erziehe-ich-mein-Kind«-Ratschläge und noch mehr Erziehungsregeln.
Meiner Meinung nach sind 50 Prozent der ganzen Angelegenheit damit erledigt, daß man dem Baby eine angemessene Geburt verschafft. Eine absolut natürliche Geburt, wie die Leboyer-Methode, gibt dem Kind die Kraft, späteren Traumata zu begegnen; eine Kraft, die es auf andere Art nicht gewinnen kann. Eine ordentliche Geburt ist etwas, das teilweise innerhalb des Entscheidungsbereichs der Eltern liegt, und wenn es irgend etwas gibt, das man versuchen kann seinem Kind zu verschaffen, ist es das.
Wir dürfen den Zeitplan der Bedürfnisse nicht vergessen. Es gibt nur ganz bestimmte entscheidende Zeiten, in denen bestimmte Bedürfnisse erfüllt werden können. Berührungen und Zärtlichkeit sind zum Beispiel für den Säugling von entscheidender Bedeutung, und das Bedürfnis kann nur zu der Zeit erfüllt werden, nicht später. Das Bedürfnis bleibt immer bestehen — aber eine zu späte Befriedigung ist nie adäquat. Das offenkundigste Beispiel hierfür ist das Stillen — eine absolute Notwendigkeit für ein gesundes Kind. Falls wir die Brust nicht bekommen, wenn wir sie brauchen, verbringen wir das ganze Leben mit der Suche nach Symbolen der Mutterbrust, im verzweifelten — unbewußten — Bemühen um Befriedigung.
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Einem Baby in seinem Bettchen eine Flasche in den Hals zu stecken, ist traumatisierend. Während des Fütterns muß es in den Arm genommen werden. Niemand ißt gern allein, und das gilt auch für Babys, die, genau wie wir, menschliche Wesen mit den gleichen Bedürfnissen und Gefühlen sind. Ich glaube, ein Grund dafür, daß einige Erwachsene depressiv und ängstlich werden, wenn sie allein essen müssen, liegt darin, daß es in ihrem frühen Leben totale Ablehnung bedeutete.
Vom Zeitpunkt der Geburt bis zum ersten Jahr braucht das Baby häufigen Körperkontakt mit den Eltern. Je näher die Zeit der Geburt, desto beständiger muß der Kontakt sein; und desto größer ist das Trauma, wenn er fehlt. Wenn das Baby in den ersten Minuten oder Stunden seines Lebens keinen körperlichen Kontakt zu seiner Mutter hat, schlägt sich das immer in Form von gespeichertem Urschmerz und lebenslangen Spannungen nieder. Wenn es in den ersten Lebenstagen keinen Körperkontakt gibt — möglicherweise weil die Mutter oder das Baby krank ist —, kann man sich lebenslanger Spannungen sicher sein.
Es gibt keine Sicherheit, die dem Gefühl gleichkommt, dem Körper des Vaters oder der Mutter nahe zu sein. Das Gefühl von Nähe, Wärme, Schutz, emotionaler Nähe, Sorgfalt und von voller Aufmerksamkeit — alles ist darin enthalten.
Was ich damit sagen will, ist, daß das Baby schon sehr früh bei seinen Eltern schlafen sollte — und nicht in einem separaten Bettchen. Eltern haben Angst, das Baby zu erdrücken und so weiter, doch die Tatsachen widerlegen diese Auffassung. Nach den ersten Lebensmonaten, wenn das Baby von den Eltern in einem Tragegestell zum Spazierengehen oder Einkaufen mitgenommen wird, bleibt dieses Gefühl der Sicherheit bestehen. Das Baby fühlt die Eltern körperlich und sieht, was sie sehen — wohingegen es sonst passiv in einem Kinderwagen liegen würde.
Nur diese zwei Dinge — eine gute Geburt und häufigen Körperkontakt —, und das Baby hat schon einen gesunden Start ins Leben. Es wird über eine sehr große Kraft verfügen, um anderen Traumata entgegenzutreten.
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Natürlich brauchen Kinder ihr ganzes Leben lang Körperkontakt, doch nicht annähernd so viel, wie wenn sie noch sehr jung sind. Auch Teenager brauchen noch Küsse und Umarmungen, aber die Auswirkungen, wenn sie sie mit fünfzehn nicht bekommen, sind lange nicht so gravierend wie im ersten Lebensjahr. Weil ein Säugling Worte nicht versteht, muß ihm auf körperliche Art gezeigt werden, daß er geliebt wird.
Früher Mangel an Berührung zieht das Gehirn und die Persönlichkeitsentwicklung in Mitleidenschaft. Berührung ist einer der besten Tranquilizier, die es gibt. Wenn sich ein Kind verletzt hat und weint, muß es in den Arm genommen und getröstet werden. Doch fällt es vielen Eltern schwer, diese elementare Idee zu begreifen. Wenn ein Kind ins Krankenhaus muß, sollte es so oft wie möglich in den Arm genommen werden, und das auch während einer Operation, wenn es sich arrangieren läßt. Es wird das Operationstrauma lindern, obwohl das Kind bewußtlos ist. Auf einer unteren Bewußtseinsebene werden sowohl die Operation als auch die Liebkosung vollständig verarbeitet.
Erwartungen — der Anfang vom Ende
Die Neurose kann schon im Mutterleib beginnen. Sie kann sogar noch früher entstehen — in den Köpfen und Vorstellungen von Mutter und Vater, in erster Linie bei dem Wunsch nach einem Kind. Wenn die Gründe für diesen Wunsch neurotisch sind, wird die Neurose unausweichlich auf das Kind übergehen.
Wenn das Baby ein »Unfall« ist — und viele sind es —, dann werden sich die Eltern, besonders wenn sie jung sind, über diesen Eindringling ärgern, weil sie, statt die Kinder zu sein, die sie noch sind, in die Rolle von Eltern gesteckt werden.
Viele Frauen haben ein Kind, um ihre Ehemänner »anzubinden«. Dies ist einer der zerstörerischsten Gründe, aus dem man ein Kind haben kann, weil das Baby als ein Mittel, eine Waffe von den Eltern eingesetzt wird. Das Baby wird zum Manipulieren des Ehemanns eingesetzt, und es wird ihm nie gestattet, ein eigenständiges menschliches Wesen zu sein.
Viele Eltern haben einfach ein Baby, um die Familie zu bekommen, die sie nie hatten. Sie versuchen aus dem Baby Wärme, Aufmerksamkeit und Liebe herauszuholen — Dinge, die sie selbst nie bekommen haben. Natürlich ist all das ein unbewußter Prozeß. Das Baby wird dennoch dazu benutzt, den Eltern das Gefühl zu verschaffen, irgendwo hinzugehören — daß es Menschen gibt, die sich um sie kümmern, daß es jemand gibt, der sich um sie sorgen wird.
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Es ist erstaunlich, wie früh Kinder schon gezwungen werden, sich um ihre Eltern zu kümmern, und ganz besonders um deren Bedürfnisse.
Einige Eltern haben Kinder, weil der Vater sie für seine »Macho«-Einstellung braucht. Er muß beweisen, daß er zeugungsfähig ist. Die Mutter muß beweisen, daß sie eine »richtige Frau« ist. So muß das Kind zum Beweis für irgend etwas herhalten. Statt daß die Eltern das Wunder des Lebens erkennen, wird das Baby für dieses oder jenes benutzt. Irgendwie begreifen sie nicht mehr, daß sie ein neues menschliches Wesen erzeugt haben — der unglaublichste, kreativste Akt der Welt.
Das Baby ist ein Eindringling, ein Störenfried, etwas, das man ruhig halten, aus dem Weg schaffen muß, dem man Anweisungen gibt und dem man sagt, wie es sich zu benehmen hat. Selten ist es jemand, den man liebt und gern hat. Einige Eltern haben Kinder, die sie vom Zeitpunkt der Geburt an hassen. Das liegt daran, daß die Kinder deren Erwartungen und Bedürfnisse nicht befriedigen können — Erwartungen, die in den Vorstellungen der Eltern existierten, lange Zeit bevor das Kind das Licht der Welt erblickte.
Ein Baby zu haben, ist für viele neurotische Eltern, besonders junge Eltern, wie alles in ihrem Leben — ein Hirngespinst. Wenn die Realität dann ins Haus kommt, schlagen sie andere Wege ein, um die Wunschvorstellungen am Leben zu erhalten. Sie werden auf Partys gehen, viel arbeiten und, wann immer möglich, von zu Hause wegbleiben, um der Realität ihres Lebens aus dem Wege zu gehen — der Tatsache, daß ein neues Menschenwesen im Haus ist, das großer Sorgfalt bedarf.
In den meisten Haushalten herrscht ein Regime der Unterdrückung der Haushaltsmitglieder, und die Unterdrückung der jungen Mitglieder steht obenan auf der Tagesordnung. Eltern, die das Gefühl brauchen, respektiert und geliebt zu werden, benutzen ihre Kinder dafür, es zu bekommen. Der Elternteil, der als hilfloses Kind selbst mißbraucht und herumgeschubst wurde, hat jetzt jemand anderen, den er herumkommandieren kann. Gibt es ein besseres Objekt als ein schutzloses Kind? Wenn man wissen will, ob Menschen ihnen gegebene Macht mißbrauchen werden, braucht man nur hinzugehen und zu schauen, wie sie mit ihren Kindern umgehen. Wenn sie diese Macht mißbrauchen, kann man sicher sein, daß sie jede Macht mißbrauchen.
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Wenn man die Beziehungen zwischen einem Elternteil und einem Kind beobachtet, bekommt man eine gute Vorstellung davon, wie die Freundschaft zu diesem Menschen aussehen würde, weil die Art, wie Eltern ein schutzloses, verwundbares Kind behandeln, unausweichlich zeigt, wie sie wirklich sind — das heißt, sie stellt eine Widerspiegelung ihrer wirklichen Bedürfnisse dar.
Vielleicht wollen einige Eltern gar nicht wirklich Kinder — sie wollen Erwachsene, die im großen und ganzen selbst für sich sorgen können. Sie scheinen niemanden zu wollen, der an ihnen hängt, die unterschiedlichsten Dinge von ihnen will — doch genau das ist es, was ein Kind natürlicherweise tut. Statt eines ängstlichen kleinen Kindes wollen sie jemanden, der seine Ängste verleugnet, sich nie beklagt und nicht einmal zugibt, krank zu sein, wenn er krank ist. Mit anderen Worten, sie wollen sich nicht um jemanden kümmern, doch haben sie ein Kind, das große Fürsorge braucht. Deshalb wird jenes Kind »Liebe« bekommen, das um nichts bittet, sich nie beklagt oder überhaupt etwas verlangt. Es wird einfach deshalb Anerkennung finden, weil es nichts will. Das wirklich anerkannte Kind ist das, welches sich schon früh im Leben der Bedürfnisse der Eltern annehmen kann — das beim Saubermachen hilft, die Hausarbeiten erledigt oder sich auf emotionale Weise um die Eltern kümmert.
Eltern können allein durch ihre Art ein Kind in neurotische Kämpfe verwickeln. Ist ein Elternteil ständig traurig, kann das Kind sein Leben mit dem Versuch verbringen, ihn aufzumuntern. Später sehr spaßig mit anderen zu sein, ist eine Art, die Eltern symbolisch aufzumuntern. Wenn es den Clown spielen muß, um geliebt zu werden, wird es eine entsprechende Persönlichkeit entwickeln. Wenn es intellektuelle Leistungen bringen muß, um beachtet zu werden, wird es den entsprechenden Weg einschlagen. Wenn die Eltern immer verzweifelt, unglücklich oder wütend dreinschauen, wird auch diese Tatsache das Kind in den Kampf verwickeln zu versuchen, Eltern, die unter Weiß-der-Himmel-was leiden, zu gefallen. Das Kind nimmt diese Stimmungen im ganzen Umfang wahr und reagiert entsprechend; es wird dafür kämpfen, seine Eltern zu netten Menschen zu machen — zu liebevollen, glücklichen, nie verzweifelten Menschen.
Ein Kind muß diesen Kampf weiterführen, weil das Gefühl, den einzigen Menschen, die es vielleicht lieben könnten, total gleichgültig zu sein, unerträglich ist. Es kann sich nicht abgelehnt fühlen und weiterleben. Es muß sich aus diesen Feelings herauskämpfen, indem es um die Liebe der Eltern und später um jedermanns Liebe kämpft.
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In den Schulen wird dieses Kind zum »Star« oder zur Verhaltensstörung — es kann sich nicht konzentrieren, kann nicht nachdenken oder studieren. Je weniger er imstande ist zu leisten, desto mehr Druck wird auf ihn ausgeübt — besondere Aufmerksamkeit, Nachhilfeunterricht, all die Dinge, die er nicht aufnehmen kann, weil sein Kopf ein Wirbelwind von Impulsen ist, über die er keine Kontrolle hat.
Eltern lenken die Neurose des Kindes durch die Art, wie sie sind, nicht nur durch das, was sie sagen oder tun. Eltern können einem Kind den ganzen Tag sagen, daß sie es lieben, aber wenn sie die Bedürfnisse des Kindes nicht befriedigen, hat es keine Liebe bekommen. Ein Kind wird von Eltern konfus gemacht, die ihm andauernd sagen, daß sie es lieben. Aber sein Körper schreit danach, in den Arm genommen zu werden — es braucht jemanden, der ihm Aufmerksamkeit schenkt, wirklich nach ihm schaut, sich mit ihm unterhält und zuhört.
Eine meiner Patientinnen, die ihre Kindheit gefühlt hat, kam zu einem besseren Verständnis ihrer Kinder:
»Ich fühle mich meinen Kindern näher. Ich haste nicht mehr durch ein Labyrinth von Zufälligkeiten. Hausarbeiten, die nicht wesentlich sind, habe ich abgeschafft. Wir teilen mehr. Ich bin nicht mehr so oft wütend, und sie kommen häufig wegen einer Liebkosung oder einem Gespräch zu mir. Doch die Sache hat zwei Seiten — weil ich auch mein Bedürfnis, nicht bei ihnen sein zu wollen, und das Verletzende dieses Umstandes, intensiver fühle.
Wo ich mir früher krampfhaft Sorgen um meine Zukunft, die Zukunft meiner Kinder, das Schicksal dieses Planeten, die Skrupellosigkeit der meisten seiner Bewohner, die scheußliche Vergeudung menschlicher und natürlicher Ressourcen gemacht habe, frage ich mich jetzt, welchen Beitrag ich zu einer kleinen, aber realistischen Veränderung beisteuern könnte.«
Ich habe eine ganze Reihe von Gesichtspunkten, wie etwa die Höhe des Einkommens, die Nachbarschaft, in der das Kind aufwächst und ähnliches mehr außer acht gelassen, weil das eine Aufgabe für Soziologen ist.
Unter den versteckten Gründen, warum Eltern Kinder haben, ist einer der wichtigsten der Versuch, Unsterblichkeit zu erlangen — über den Tod hinaus weiterzuleben durch einen Menschen, der aus dir gekommen ist.
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Für Menschen, die sich weigern, den Tod anzunehmen, ist dies eine weitere Möglichkeit, ein Kind im Sinne ihrer irrealen Wunschvorstellungen zu benutzen. Im allgemeinen wird das Kind etwas zustande bringen oder gewissermaßen ein bleibendes Zeichen setzen müssen, so daß die Eltern über Arbeit, Ruhm und Erfolg des Kindes fortbestehen.
Sogar Babys können in Elternfiguren umgewandelt werden. Kleine Kinder können, wenn sie sehr aggressiv und feindselig sind, Eltern dazu bringen nachzugeben, weil diese Eltern sich jetzt wie ein kleines Kind mit ihren eigenen feindseligen und aggressiven Eltern verhalten.
In der Neurose ist jeder ein Opfer, weil jeder von Mächten angetrieben wird, die außerhalb seiner Kontrolle liegen. Die Erziehungsberatung versucht, im großen und ganzen, diese Mächte zu kontrollieren, und mit genug Willenskraft kann man die Neurose von jemand tatsächlich für ein paar Wochen oder Monate zurückhalten, aber auf die Dauer gewinnt die Neurose immer.
Wir alle haben schon Eltern zu ihren Kindern sagen hören: »Sag jetzt: Danke schön«, »Sag: Guten Tag«, »Sag: Auf Wiedersehen.« Wahrscheinlich sind sich nur wenige von uns bewußt, daß dies ein subtiler Prozeß ist, durch den Kinder neurotisch gemacht werden. Wenn sie gezwungen werden, mechanisch oder durch Drill Sachen zu machen, die nichts mit ihren Gefühlen zu tun haben, so ist dies die subtile, unbewußte Art, eine Art Nährboden für Groll und Feindseligkeit zu schaffen. Man vertraut dem Kind nicht, daß es sich aufmerksam und dankbar verhält, sondern es wird in eine bestimmte Verhaltensweise gezwungen.
Diese automatische Abtrennung von Feelings kann zu einer Lebensweise werden — sowohl für die Eltern als auch für das Kind. Wenn das Kind größer geworden ist, wird es auf einem bestimmten Verhalten seiner Freunde bestehen. Es wird sagen: »Du mußt heute nacht bleiben«, »Du mußt mit mir dahin gehen«, »Du mußt das tun« und wird auf diese Weise anfangen, erst seine Freunde und später seine eigenen Kinder von ihren Gefühlen wegzudrängen. Menschen werden sich in seiner Gegenwart unwohl fühlen, weil sie nicht sie selbst sein können. Was sie fortjagt, sind unbefriedigte Bedürfnisse.
Wenn etwas in bezug auf Kinder wirklich zerstörerisch wirkt, so ist es ständiges Herumkritisieren gepaart mit unrealistischen Zielen der Eltern — wie zum Beispiel gute Zensuren oder sich im Sport auszuzeichnen. Es verschafft dem Kind das Gefühl, nie gut genug zu sein, und trägt zu einem totalen Gefühl von Wertlosigkeit bei.
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Nach und nach erreichen die Eltern, die ein Kind dazu drängen sich auszuzeichnen, genau das Gegenteil: den Versager, der das Gefühl hat, den Wünschen nie entsprechen zu können.
Es ist eine perverse Kunst, nicht fähig zu einem guten, lobenden Wort zu sein. In Wahrheit gibt es viele Eltern, die nie fähig waren, ihren Kindern in deren ganzem Leben etwas Nettes oder Freundliches zu sagen. Es gibt eine grundlegende Feindseligkeit, Abneigung und totale Ablehnung, die sich in Form von Kritik äußert. Es ist, als ob man sagt: »Du bist nicht wirklich, wie ich es möchte, du mußt anders werden«, und das Kind wird bald unbewußt begreifen, daß es nicht so ist, wie sie es wollen. Das endgültige Feeling heißt: »Ich bin nicht erwünscht.«
Als Folge solchen Umgangs wird sich das Kind vor allem schrecklich fürchten. Es wird kaum noch ein Wort herausbringen, ohne sich vorher Gedanken zu machen, ob es anerkannt wird oder nicht. Es wächst auf, ohne zu erkennen, daß es nach seinen Gefühlen handeln kann, und wartet auf Anweisungen, weil es weiß, daß, was auch immer es tut, auf jeden Fall kritisiert wird. Es tut nur, was »sie wollen«, und nicht mehr. Darin liegt Sicherheit.
Die Wirklichkeit der Kinder
Was ist für Kinder real? Was sind ihre realen Bedürfnisse? Schauen Sie sich Ihre Kinder an, und Sie werden die Antwort haben. Sie sind nicht bis an den Rand mit Ehrgeiz gefüllt, erklimmen keine Leitern sozialen Aufstiegs. Alles was sie wollen, ist spielen, Spaß haben, sich entspannen und geliebt werden. Das ist es, was wir alle wollen. Und doch stellen wir uns und unseren Kindern so viele Hindernisse in den Weg. Wir machen sie zu Leistungs- und Wettbewerbsmenschen. Wir machen es ihnen zur Pflicht, uns zu küssen, und nicht, wenn sie es aus ihrem eigenen, spontanen Gefühl heraus wollen. Ihre natürlichen Impulse sind die »realen«. Wenn man diese natürlichen Impulse wegnimmt, bleiben die unnatürlichen.
Selten können Eltern ihre Kinder so lassen, wie sie sind. Wenn ein Kind herumliegt, werden die Eltern unruhig und wollen wissen, warum das Kind herumliegt — sie müssen irgend etwas tun. Das Kind hat Teil ihrer Projekte und Pläne für die Zukunft zu sein, statt zu tun, was es wirklich will. Manchmal betrachten sie ein Kind als »böses Kind«, weil es nicht tun will, was die Eltern wollen, sondern ein eigenes Leben führen will.
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Ich glaube, die allgemeine neurotische Auffassung ist, daß wir Kinder nicht dazu erziehen, glücklich zu sein, geliebt zu werden oder eine glückliche Zeit zu verleben. Wir erziehen Kinder dazu, daß sie was leisten und mal etwas werden. Darin liegt das Problem. Kinder lernen, daß sie arbeiten müssen, um geliebt zu werden, und doch scheinen sie diese Liebe nie zu bekommen. Nach einiger Zeit wissen sie sogar nicht mehr, daß die Funktion des Lebens in der Entspannung und in Spaß und Freude an Erfahrungen besteht.
Wir scheinen um die Kinder eine unnatürliche Welt gebaut zu haben, so daß alles, was ihnen natürlich vorkommt, verboten wird. Von Geburt an sind sie von einer unnatürlichen Welt umgeben. Gleich bei der Geburt werden sie unter Drogen gesetzt und rauh behandelt. Dann kommen sie in Laufställchen und andere Arten von Käfigen. Ihre Gefühle werden stillgelegt, und sie werden gezwungen, in sehr frühem Alter, wenn es noch an Konzentrationsvermögen mangelt und die Aufmerksamkeitsdauer noch gering ist, unnatürlich lange in Schulen zu sitzen. Eltern müssen ihre Kinder viele Stunden lang allein lassen, um zur Arbeit zu gehen. Wir ziehen sie in einer verschmutzten Umwelt groß.
Das Modell der idealen Umgebung für Kinder könnte die agrarische Wirtschaftsform abgeben, in der das Kind während des Tages bei den Eltern ist, entweder auf dem Feld oder zu Hause, so daß es in seinen ersten Lebensjahren statt Eltern, die herumhasten und versuchen, ein Auskommen zu erzielen, eine wirkliche Familie hat.
Aus einem Leben voller Deprivationen ragen einige Erlebnisse heraus, die uns nicht aus dem Kopf gehen. Diese Erfahrungen sind von größter Wichtigkeit; normalerweise sind es gute Erfahrungen. Ich erinnere zum Beispiel, daß ich mich während des Zweiten Weltkriegs freiwillig zur Marine meldete und mich zwecks Bewerbung in ein Büro der Marine begeben mußte. Ich setzte mich einer älteren Frau gegenüber, und diese fragte, sehr langsam, bedächtig und freundlich: »Wie heißen Sie?« Ich sagte ihr meinen Namen, sie schaute mich an, wiederholte ihn sehr langsam und buchstabierte ihn dann. Ich hatte ein unglaubliches Gefühl der Wärme und merkwürdige Empfindungen, die ich vorher noch nie gehabt hatte. Jahrelang blieb mir dieses Erlebnis im Gedächtnis, bis ich während der Primärtherapie darauf kam, daß mir zum erstenmal jemand gegenübergesessen hatte, der langsam, bedächtig und freundlich mit mir geredet hatte — auch wenn es nur um die Frage nach meinem Namen ging.
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Viele unserer Patienten erinnern sich, daß solch ein Erlebnis — wie etwa einem Mann begegnet zu sein, der ein Boot oder einen Motor reparierte, sich freundlich mit ihnen unterhielt oder ihnen etwas zeigen wollte — die Richtung ihres Lebens veränderte, im Sinne der Interessen, die sie entwickelten. Viele Patienten erinnern sich, daß ihr Interesse für ein Thema nur entstanden ist, weil ein Lehrer warmherzig und freundlich war. Der Wert solcher Erfahrungen hält das ganze Leben lang an. Dies gilt besonders, wenn sie einem Leben totaler geistiger Leere und einem Mangel an Interesse und Wärme gegenüberstehen.
Emotionale Krankheiten von Kindern
»Geisteskrankheiten« von Kindern sind etwas anders als die von Erwachsenen. Sie leiden weniger an neurotischen oder psychotischen Störungen des Begriffsvermögens, weil ihre Ideenbildungsfähigkeit geringer ist. Ihre Neurosen sind, mehr oder weniger, körperbezogen oder körperlich orientiert und im allgemeinen mehr auf der emotionalen Ebene. Ich glaube, daß sich Selbsttäuschungen und Schizophrenie später im Leben entwickeln, weil der ältere Teenager oder junge Erwachsene dann erst die Gehirnkapazitäten hat, um Störungen des Begriffsvermögens zu entwickeln.
Gesunde Kinder verhalten und fühlen sich gut, weil sie ganz einfach keinen Grund haben, es nicht zu tun. Ich glaube, daß sich alle Kinder gut verhalten, bis sie zu Neurotikern gemacht werden. Kinder sind grundsätzlich intelligent, bis man ihre Intelligenz abgestumpft hat.
Irreal zu sein ist für Kinder eine fatale Krankheit, weil ihr Körper ein Leben lang seine Bedürfnisse auf verschiedene Arten herausschreien muß. Einige Kinder müssen zum Beispiel krank werden, damit man sich endlich um sie kümmert.
Soviel ist klar, Kinder wachsen aus dem unter ihren Symptomen liegenden Urschmerz nie heraus. Bettnässen, Nägelkauen, Allergien, Kopfschmerzen, all das rührt von Primärschmerz her. Der Urschmerz verflüchtigt sich nicht bei der Einnahme von Tabletten oder anderen Behandlungsarten; er muß nach und nach aufgelöst werden.
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Dies gilt genauso für das stotternde Kind, das Kind mit Lernschwierigkeiten oder Kinder mit körperlichen Symptomen. Bis ein Symptom schließlich an der Oberfläche erscheint, braucht es eine lange Vorgeschichte, und mit dieser Vorgeschichte gilt es sich zu beschäftigen.
Im großen und ganzen sind Neurosen von Kindern eine unkomplizierte Sache. Entweder hat es Symptome wie zum Beispiel Bauchschmerzen, oder es übergibt sich häufig, oder ist allergisch und bekommt ständig Erkältungen, oder es bekommt Wutanfälle und ist »leicht erregbar«. Es ist für Erwachsene wahrscheinlich schwer vorstellbar, wie absolut hilflos und abhängig ein Kind von der Anerkennung und Liebe seiner Eltern ist. Der geringste Zorn beider Eltern nimmt dem Kind jegliche Zufluchtsmöglichkeit, es kann sich mit seinen Gefühlen an niemanden wenden, hat niemanden, mit dem es reden, niemanden, der ihm helfen kann. Seine Eltern bedeuten für ihn die ganze Welt. Eltern vergessen das manchmal - besonders Eltern, die sich selbst wertlos fühlen. Er - oder sie - kann sich nicht vorstellen, daß irgend etwas, was er macht, solch großen Einfluß auf das Kind hat, oder daß er/sie für jemand so wichtig sein könnte, wo man selbst doch den Eltern so unwichtig war.
Die Neurose von Kindern fängt normalerweise mit einfachen Ängsten oder einfacher Aggression an. Eine der bedeutenderen Ängste ist die Angst, etwas zu wollen, zu zeigen, was man braucht. Die Wünsche und Bedürfnisse der Kinder werden so häufig zurückgewiesen, daß sie Angst bekommen, die Eltern überhaupt um etwas zu bitten. Statt dessen agieren sie diese Wünsche auf symbolische Art aus, wie etwa durch Stehlen und Lügen. Dann verlieren sie die Verbindung zu sich selbst. Schließlich wissen sie nicht mehr, daß sie überhaupt etwas wollen.
Was die Begriffe Respekt und Angst betrifft, scheint große Verwirrung zu herrschen. Eltern glauben, daß, wenn sie nur genügend Furcht in ihren Kindern gesät haben, diese sie irgendwie respektieren werden. In Wirklichkeit ist Respekt nur eine andere Bezeichnung für Furcht. Kinder haben oft vor genau den Menschen Angst, vor denen sie keine Angst haben sollten — vor Menschen, von denen sie total geliebt werden sollten: ihren Eltern. Diese Ängste, mit denen ein Kind jeden Tag seines Lebens leben muß, werden Teil der verborgenen Macht, die in der Nacht in Gestalt von Tieren oder Räubern im Zimmer oder als Alpträume hervorkommt.
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Es ist wichtig für Eltern zu begreifen, daß sie ihren Kindern nicht sagen dürfen: »Aber, aber ... sei ein braver Junge oder ein braves Mädchen, es gibt nichts, wovor du Angst haben mußt.« In Wahrheit gibt es sehr wohl etwas Beängstigendes, doch weder die Eltern noch das Kind wissen, was es ist. Man sollte Kindern wenigstens ihre Ängste lassen. Wenn nachts das Licht anbleiben soll, sollte man es gestatten. Mit anderen Worten, man sollte die Ängste an der Oberfläche halten, damit sie nicht verdrängt werden und dadurch zu einer weiteren latenten Macht werden.
Was ich über die Ängste gesagt habe, trifft ganz gewiß auch auf sehr starke Traumatisierungen wie etwa chirurgische Eingriffe und andere Katastrophen zu. Hier wird das Kind wahrhaftig in Schrecken versetzt, und es braucht für die Zeit seiner Krankenhauserfahrungen den Trost und die Beruhigung von den Eltern am nötigsten. Dort braucht es jemanden, der es in den Arm nimmt, streichelt, liebkost und beruhigt. Man darf es nicht allein lassen, nur weil die Ärzte befürchten, daß »hysterische Eltern« das Kind aufregen.
Wir »haben« keine Gefühle, wir sind unsere Gefühle. Wenn die Gefühle unbewußt sind, sind wir unbewußt. Das heißt, was wir anderen antun, bleibt unserem Bewußtsein verschlossen. Wir können unsere Kinder schlecht behandeln ohne zu erkennen, was wir da tun — auch wenn man uns darauf hinweist. Wir können unsere Kinder ablehnen oder ihnen gegenüber sarkastisch sein, ohne uns der Folgen für das Kind bewußt zu sein. Kein Neurotiker kann über seine Bedürfnisse hinausschauen. Und das trifft ganz besonders auf die Art und Weise zu, wie Eltern mit ihren Kindern umgehen.
Neurotische Eltern können die Schrecklichkeiten, die sie jeden Tag an ihren Kindern begehen, nicht erkennen. Es ist eine Art Symbiose, in der das Kind in das Unbewußte der Eltern paßt und die Eltern das Kind vollkommen unbewußt behandeln; danach spielen beide Teile ihre Rollen.
Das Zerstörerische ist nie etwas, was die Eltern tun, entscheidend ist die Beziehung tagein, tagaus, Stunde um Stunde. Auch wenn ein Elternteil später zerknirscht sein sollte und wiedergutmachen will, was er dem Kind angetan hat, gibt es nichts, was er wirklich tun könnte, ausgenommen von nun an ein liebevoller Vater oder eine liebevolle Mutter zu sein. Er wird die Schmerzen, die er bereits verursacht hat, nie auslöschen können. Kinder werden nie dadurch verzogen, daß die Eltern ihren Bedürfnissen nachgeben.
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Sobald sie jedoch einmal depriviert worden sind, können Eltern ihre Kinder verziehen, wenn sie deren Wünschen nachgeben, denn neurotische Wünsche zu befriedigen ist eine Aufgabe ohne Ende. Ist ein Bedürfnis aber einmal erfüllt, ist die Sache damit erledigt. Kinder, die befriedigt worden sind, stellen nicht ununterbrochen Forderungen. Die ganze Sache mit der »strengen Erziehung«, um eine charakterfeste Persönlichkeit zu schaffen, ist ein Mythos, den wir ein für allemal begraben sollten. Es gibt nur eine Möglichkeit, wirklich aufzuwachsen, und das ist, seine Bedürfnisse befriedigt zu bekommen. Wenn man »streng erzogen« wird und die Bedürfnisse nicht befriedigt werden, wird man nie erwachsen, ganz gleich, wie alt man ist.
Die Antwort ist in einfühlsamen Eltern zu finden. Was immer ihre Kinder auch tun, es wird natürlich, anmutig und zur richtigen Zeit sein. Sie werden von ihren Kindern nichts fordern, was diese nicht erfüllen können. Sie werden nicht von der Annahme fehlgeleitet, daß die härteste Schule die beste für das Kind ist. Sie werden verstehen, daß ihr Kind nicht in die Welt gesetzt wurde, um nur zu arbeiten.
Die beste Faustregel für die Kindererziehung ist zu tun, was sinnvoll ist. Man sollte Kindern erlauben, während der Mahlzeiten zu sprechen — nicht weil sie Kinder, sondern weil sie Menschen sind. Wenn man in ein Restaurant geht, sollten sie selbst die Speisen aussuchen dürfen. Sie sollten so lange spielen dürfen, wie sie wollen und auch wo sie wollen — solange es sicher ist.
Man braucht ziemlich viel Vertrauen, um einzusehen, daß Kinder, wenn man sie sich selbst überläßt und sie nicht zu etwas drängt, von sich aus wünschen, gut zu leben, und tun werden, was auch immer gut für sie ist, sogar später arbeiten oder studieren. Es mag sein, daß das nicht nach dem Zeitplan der Eltern geschieht, aber sie werden allein dahin kommen, und das ist der beste Weg. Es braucht ziemlich viel Geduld und Vertrauen, Kinder das tun zu lassen.
Gefühle sind das Wichtigste in der Erziehung. Wenn man Kinder dazu ermutigen könnte, Feelings zu verstehen und zu begreifen, daß in ihnen seit frühester Zeit versteckte Mächte sind, hätten sie eine gewisse Kontrolle über ihre Symptome und ihr Verhalten, selbst wenn sie ein schlechtes Zuhause gehabt haben.
Wenn zum Beispiel ein Kind sich in der Schule danebenbenommen und sich aufgespielt hat und wenn die Klasse und das Kind wüßten, daß es sich wegen einiger unaufgelöster Urschmerzen von zu Hause aufgespielt hat, wenn es Räume gäbe, in die Kinder zum Reden und Weinen gehen könnten, dann wäre wenigstens ein gewisser Druck weg. Wichtig dabei ist, daß die Kinder verstehen würden, daß es Gefühle sind, die sie antreiben.
Gefühle sollten nicht aus den Klassenzimmern ausgeschlossen werden. Im allgemeinen werden Gefühle in den meisten Klassenzimmern als geringfügige Belästigung betrachtet, die man so schnell wie möglich abtut, statt sie als etwas anzusehen, das menschliches Leben, Erinnerungen, Intellekt und Wissensdurst bestimmt — als etwas, das viel eingehender erörtert werden sollte als eine Geschichts- oder Geographiestunde.
Nachdem wir die bemerkenswerten Veränderungen bei Erwachsenen festgestellt haben, denen Gefühle gestattet wurden, können wir verstehen, was mit Kindern geschehen würde, wenn man ihnen erlaubte, zu fühlen. Und in der Tat, die Veränderungen bei Kindern, die Primais haben — größtenteils Kinder unserer Mitarbeiter —, sind unmittelbar und dramatisch. Es reduziert sich alles auf die Frage, wessen Gefühle die Oberhand haben sollen. Die Bedürfnisse der Kinder oder die Bedürfnisse der Eltern? Ohne Zweifel werden die Eltern und die Schule gewinnen.
Kinder brauchen nicht all die Dinge, von denen wir annehmen, daß sie sie brauchten: Disziplin, Unterricht und Strafen. Was sie brauchen, ist, daß man ihnen zuhört, sich mit ihnen unterhält, mit ihnen berät, sie in den Arm nimmt, sie lieb hat und sie für das schätzt, was sie sind. Eltern können das nicht mechanisch, durch Drill und Ermahnungen erreichen. All das entspringt einer einfachen Sache: aus einem guten Gefühl zu sich selbst und Liebe zum Kind. Ist die Liebe einmal da, wird alles andere von selbst kommen. Man braucht keine Erziehungsbücher mehr im Kopf zu haben — es gibt keine Regeln mehr zu befolgen. Die Feelings besorgen das alles. Es ist nie so sehr die Frage, was du tust, sondern wer du bist.
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