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Kathrin Fischer
Achtsam geht
Wie die Ideologie der Achtsamkeit
dnb Buch 2026 dnb Inhalt |
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dnb Autorin *1967 in FaM dnb Nummer (11) detopia
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hanser Buch mit Leseprobe + deutschlandfunk Lesebericht
2026 swr.de/kultur/literatur/kathrin-fischer-achtsam-geht-die-welt-zugrunde-100.html Stand 18.8.2026 Von Oliver Pfohlmann
Achtsamkeit als Selbsttäuschung der Mittelklasse: Kathrin Fischers „Achtsam geht die Welt zugrunde“ ist ein wütender Essay über Rückzug, Privilegien und politische Ohnmacht.
Jahrelang saß Kathrin Fischer auf dem Meditationskissen. Eifrig folgte sie den Anweisungen ihres Zen-Lehrers, auf der Suche nach mehr Gelassenheit in ihrem Leben. Geholfen hat es ihr nicht. Denn wenn etwas ihren polemischen Buchessay „Achtsam geht die Welt zugrunde“ antreibt, dann ist es Wut. Wut über eine immer kaputtere Welt, Wut über eine elitäre Mittelstandsgesellschaft, die glaubt, sie würde mit Atemübungen und einer Schale Yogitee dazu beitragen, die Welt zu retten.
Geschäftstüchtige Komplizin des Neoliberalismus
Und vor allem Wut über das, was Kathrin Fischer die „Ideologie der Achtsamkeit“ nennt: Für die Podcasterin ist die boomende, geschäftstüchtige Meditationsindustrie mit ihren Sinnsprüchen und Dankbarkeitsritualen nichts anderes als eine Komplizin unserer neoliberalistischen Gesellschaft.
Wer glaubt, gegen die Fehlentwicklungen und Missstände, die diese Spielart des Kapitalismus gerade hierzulande anrichtet, würde einem eine Achtsamkeitsapp helfen, liege gründlich falsch, so Fischer.
Atemtechniken, Manifestationen und Fünf-Minuten-Meditationen helfen möglicherweise kurzfristig gegen die Angst, in München oder Berlin eine neue Wohnung suchen zu müssen. An der schier ausweglosen Situation ändern sie jedoch nichts.
Sündenbock für gesellschaftliche Missstände
Ganz genau, möchte man einwenden. Achtsamkeitspraktiken können einen, im besten Fall, in schwierigen Momenten ruhiger und gelassener werden lassen – was in unseren Zeiten der Vielfachkrisen ja nicht gerade wenig ist, oder?
Aber wer hat behauptet, mit ihnen ließe sich die harte Realität ändern? Und, um Fischers Beispiel aufzugreifen, bezahlbarer Wohnraum herbeimeditieren?
In Kathrin Fischers Wutrede werden Achtsamkeitspraktiken zum Sündenbock für praktisch alles, was derzeit falsch läuft: Beispielsweise sollen sie die Isolation befördern, schließlich kümmerten sich Meditierende ja primär um sich selbst.
Deshalb förderten sie auch Narzissmus, da sie unsere Abhängigkeit von unseren Mitmenschen leugnen und behaupten, unser Glück liege in uns selbst.
Mehr noch: Achtsamkeit verstärke die Spaltung der Gesellschaft, schließlich nutze die neue Mittelklasse einschlägigen Praktiken, um sich von den unteren Schichten abzugrenzen.
Was für diese die Flucht in populistische Rechtsparteien ist, sei für jene die Teilnahme am Zen-Retreat: ein kontraproduktives Hilfsmittel, mit einer immer kaputteren Wirklichkeit fertigzuwerden.
Im Grunde verhält sich die achtsame Mittelklasse wie die Milliardäre, die sich mit Bunkern und Marsplänen auf eine apokalyptische Zukunft vorbereiten. […] Sie zieht in den inneren Bunker und nennt das Rettung der Welt.
Wut als bessere Quelle für politische Veränderung?
Okay, jetzt atmen wir alle doch erstmal tief durch. Natürlich ist nicht alles falsch, was Kathrin Fischer schreibt.
Ihre Kritik am scheinheiligen Einsatz von Achtsamkeitskursen in Unternehmen zum Beispiel. Oder an einer „achtsamen Mittelklasse“, die Solidarität und Diversität predigt, aber ihre Kinder dann doch lieber auf Privatschulen schickt.
Oder Fischers Gesellschaftsdiagnose, von den wachsenden Vermögensungleichheiten bis zum Skandal einer kaputtgesparten Infrastruktur.
Aber genau hier wird es spannend: Falsch zum Beispiel sei es, so die 59-jährige Autorin, das Warten auf den wieder mal verspäteten Zug für Gelassenheitsübungen zu nutzen – wie es übrigens tatsächlich ein Schlaumeier in der Süddeutschen geraten hat. Besser sei es, die Wut dann zuzulassen, als Quelle für politische Veränderungen.
Fragt sich nur, inwiefern der ungehemmte Ärger einer, sagen wir, wartenden Mutter mit quengelndem Kind mehr hilft als eine Runde Boxatmung. Und warum sollen sich Achtsamkeitspraktiken und politisches Engagement ausschließen?
Denkt man an jene, die mit Wut und Empörung in der Politik auf Stimmenfang gehen – dann kann man sich bei den anstehenden Wahlen eigentlich gar nicht genug Gelassenheit wünschen.
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Kathrin Fischer, Host des Podcasts »Erschöpfung statt Gelassenheit«, setzt sich kritisch mit dem Achtsamkeits- und Selbstfürsorgetrend auseinander. »Ein glänzendes Stück Aufklärung.« Harald Welzer
Meditation, Journaling, Atemübungen – immer mehr Menschen nutzen Achtsamkeitspraktiken als Zuflucht vor den Krisen unserer Zeit. Doch statt zu mehr Ruhe und innerer Stärke zu führen, treiben diese Techniken nicht selten noch tiefer hinein in das Hamsterrad aus Selbstoptimierung und Erschöpfung. Achtsamkeit ist längst nicht mehr bloß eine persönliche Praxis, sondern hat sich zur Ideologie entwickelt, die gesellschaftliche Missstände individualisiert, negative Gefühle als unzulässig darstellt und die Gesellschaft weiter spaltet.
Scharfsinnig seziert Kathrin Fischer in ihrem augenöffnenden Buch den Achtsamkeitstrend und plädiert dafür, sich nicht länger ins Private zurückzuziehen, sondern gemeinsam eine gerechtere Zukunft zu gestalten.
2012 Laminat
Von nun an geht's bergab!
Wir haben uns an den Wohlstand der achtziger Jahre gewöhnt. Wir dachten, es gehe immer so weiter. Wir hielten Politik, Staat und Steuern für notwenige Übel und konzentrierten uns darauf, uns selbst zu verwirklichen. Jetzt merken wir: Es geht bergab. Früher konnte mit einem Gehalt eine Familie ernährt, ein Haus gebaut, konnten sogar Rücklagen gebildet werden. Heute reicht das Geld gerade noch für eine Mietwohnung mit Laminat. Was ist da passiert?
Aus der persönlichen Suche Kathrin Fischers nach Antworten auf die Existenzängste, die derzeit alle heimsuchen, wird eine aufregende und aufklärende Analyse der prekären Situation der Mittelschicht - und ein Plädoyer für eine Politisierung der "Generation Laminat".
Gejammer auf hohem Niveau? Keineswegs. Die anscheinend harmlose Frage nach Laminat oder Parkett hat es in sich. Die Journalistin Kathrin Fischer stößt bei ihren Nachfragen über das Auskommen mit dem Einkommen bei Freunden, Soziologen und Wirtschaftswissenschaftlern mitten hinein in die dramatischen Veränderungen der letzten dreißig Jahre. Sie stellt fest: Was vom Lohn übrig bleibt, ist für '99 Prozent' der Menschen heute schlicht zu wenig. Deshalb gehen sie weltweit auf die Straße und campieren vor den Banken.
Am Ende geht es um viel mehr als um Laminat. Erlebt unsere Mittelschichtsgesellschaft den Anfang vom Ende? Und was bedeutet das für unsere Demokratie? Werden wir uns auf sozialen Unfrieden gefasst machen müssen, auf Wachmänner, die eingezäunte Villen bewachen, während arbeitslose Jugendliche aus den Problemvierteln Autos anzünden? Werden wir uns bald nach unserem Laminat zurücksehnen?
( Ordner ) www.detopia.de ^^^^