Dieter "Sancho"
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*1938 in Königsberg bis 2020 (82) detopia: F.htm |
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Bild von detopia eingefügt,
zwecks
Anschaulichkeit: |
Schriften von Sancho, meist PDF |
Die Logik des Gelingens
(eines Paradigmenwechsels)
Von Dieter Federlein
Wie müsste eine <Logik des Gelingens> aussehen, damit ein wirklicher Paradigmenwechsel um sich greift? Paradigmenwechsel ist keine reformerische Kleinigkeit, sondern einen Ethoswandel, der seinesgleichen in der Geschichte der Menschheit sucht. Aber fangen wir klein an.
Für meine Thesen gehe ich davon aus, dass beispielsweise der Spruch <Geld regiert die Welt> einen guten Einstieg liefert, da dieser Spruch vielleicht deshalb so plausibel erscheint, weil das Versagen des Finanzkapitalismus in aller Munde ist und vom einfachen Volk schon lange geglaubt wird.
Es sieht auch für mich so aus, dass unser Geldsystem, besonders im „modernen“ kapitalistischen Ökonomiesystem, so funktioniert, dass es dem Vorteil einer Minderheit und zum Nachteil der Mehrheit und darüber hinaus auch zur Plünderung unserer Lebensgrundlagen dient und dass deshalb sowohl eine strukturell-ungerechte Verteilungsfunktion des Geldsystems angenommen werden muss, als auch eine Plünderungsfunktion gegenüber unseren Lebensgrundlagen.
Nun könnte man meinen, die Veränderung des Geld- und Kapitalsystems würde einen umgekehrten Prozess einleiten, z.B. wenn man eine „Umlaufsicherung“ d.h. eine Gebühr für solches Geld einführen würde, das nicht direkt für Investitionen, Konsum und Dienstleistungen ausgegeben, sondern gehortet oder gegen Zins verliehen wird. Durch die Umlaufsicherung soll ja vermieden werden, dass das Geld als „Goldesel“ missbraucht werden kann, das ja angeblich „arbeiten“ kann und auf diese Weise die Geldbesitzer reicher und reicher macht, ohne dass sie selbst dafür arbeiten müssen. Und insbesondere soll damit auch vermieden werden, dass ständig Finanz, Wirtschafts-, Sozial- und Ökokrisen auftreten.
Es könnte sein, dass diese vorgeschlagene Umkehrung der Geldfunktionen enorm heilsame Wirkungen auf alle ökonomischen Prozesse hat. Aber diese Diskussion möchte ich gerne kundigeren Leuten überlassen. Mein Hauptinteresse richtet sich auf die Frage: Wie können die Machtverhältnisse so verändert werden, dass z.B. ein besseres Geldsystem eingeführt werden kann?
Ja, wie verändern wir die politischen Machtverhältnisse so, dass nicht nur ein gesünderes Geld- und Ökonomiesystem eine Chance erhält, sondern dass darüber hinaus Rechtssysteme, Kultur und Grundwerte einer ganzen Gesellschaft sich wesentlich verbessern oder gar einen sprunghaften Systemwandel durchmachen? Gesellschaften bestehen ja nicht nur aus einem Geld- bzw. Ökonomiesystem, sondern auch aus einem Politik/Rechtssystem (einschließlich Verfassungssystem), einem Kultursystem und auch aus einem (so oder so gearteten) Grundwertesystem.
Richtig ist, dass heutzutage diese drei zuletzt genannten Subsysteme gegenüber dem „kapitalistischen Geldsystem“ bzw. der „Logik kapitalistischer Ökonomie“ so schwach oder korrupt sind, dass sie sich der ausbeuterischen Logik anpassen oder gar unterordnen müssen. 1 Man könnte sogar sagen, das Gesamtsystem steht auf dem Kopf. (Siehe Karikatur unten.)
Welche Logik und welche Handlungsstrategie brauchen wir, um dieses kranke Gesamtsystem erfolgreich vom Kopf auf die Füße zu stellen? Eine >Logik systemischer Heilung< muss drei Bedingungen erfüllen:
Es bedarf einer neuen Gesamtethik. z.B. eines Primats der Menschenrechte in allen Gesetzen und Entscheidungen, so dass die Menschenrechte nicht nur proklamiert werden, sondern tatsächlich den Geist und die Auslegung der Verfassung und dann auch die „Richtlinien der Politik“ bestimmen.
Es bedarf ausreichend vieler Subjekte, die a) eine angemessene Bewusstseins- und Handlungskompetenz besitzen (m.E. mit dem „Aufklärungsniveau zweiter Ordnung“ 2 ) und die b) fähig sind, die ganze Macht zu erringen, die für die Umkehrung der deformierten Pyramide vom Kopf auf die Füße nötig ist.
Es wäre also sofort ein systemischer Handlungsprozess einzuleiten, durch den eine ständige Annäherung an die erwünschten Ziele stattfindet und durch den später die prozesshafte Aufrechterhaltung dieser Ziele/Werte garantiert ist.
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Zu Punkt 1.:
Hier geht es um eine Weisheitsforschung, die alle vorhandenen Weisheiten der Vergangenheit und der Gegenwart integral zusammenführt. Das Ziel der Forschungen und der Anwendungen muss nach heutigem Wissen eine Gesellschaftsordnung sein, in der ein Optimum an Freiheit, Gleichheit, Liebe, Schönheit, Friedlichkeit und nachhaltiger Subsistenz- und Suffizienzökonomie möglich ist.
Zu Punkt 2.:
Subjekte, die eine Systemveränderung wollen, müssen selbstredend zu einer Selbstveränderung bereit und fähig sein, aber sie dürfen auch nicht verkennen, dass diese Selbstveränderung nur durch eine spezifische Dialektik (Dialogik und Meta-Dialogik) stattfinden kann, die geistig immer auch eine Fremdveränderung verlangt und beinhaltet. Es ist also egal, ob ich nur mich selbst verändern will, oder ob ich mit anderen zusammen z.B. mit einer Partei oder einer freien Initiative oder Bewegung das jetzige politische System verändern will, denn die notwendigen Fragen und Herausforderungen sind die gleichen, nämlich die folgenden:
1. Erkenne Dich selbst! Wer ist das individuelle oder kollektive Subjekt, das diese Systemveränderung will? Welche Bedingungen müssen die Subjekte (muss ich) erfüllen, damit keine gravierenden Selbsttäuschungen und Fremdtäuschungen stattfinden? Es bedarf hierzu einer mutigen Subjektphilosophie3 .
2. Erkenne das Wahre, Gute, Schöne und Nachhaltige! Denn Du musst wissen, wohin die Reise gehen soll. Welches sind die Ziele/Werte/Ordnungen, die erreicht werden sollen? Welches sind die „Sinn-Werte“ („Letztwerte“), die dahinter stehen und welche Rangfolge sollen sie haben? Hierzu ist eine Transzendentalphilosophie nötig4 .
3. Wähle eine authentische Strategie! Auf welche Weise, mit welchen Methoden, Handlungsformen und Schritten sollen die Ziele/Werte erreicht werden, ohne dass diese (vielleicht heimlich) den eigentlichen Zielen/Werten zuwiderlaufen? 5
Anders gesagt, wir brauchen für einen echten Systemwandel drei Grundbedingungen: • Ziele/Werte aufgrund einer transzendentalphilosophischen Sinnlehre, z.B. eine philosophische Anthropologie mit einer gültigen Epistemologie (Erkenntnislehre). • Uns selbst als freie originäre (revolutionäre) Subjekte, als auch dialogische „Zwischenräume“ zwischen den freiheitsfähigen Subjekten. • Ein ethisch-systemisch stimmiges Handlungswissen, das auch wirklich zum Erfolg führt und kluge Strategien, die für richtige Schritte und deren richtiger Abfolge sorgen.
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Nachruf
Autorin: Barbara Stützel
Dieter Federlein verstarb am 9. Dezember 2020 mit 82 Jahren, er lebte noch bis Oktober noch in Sieben Linden. Nach seinem fünften Schlaganfall nahm seine Demenz nochmal zu, sodass er in ein Pflegeheim in der Nachbarschaft umzog. Dort hat er sich erstaunlich schnell wohlgefühlt und genossen, dass dort stets professionelle Unterstützer für ihn da waren. Regelmäßige Besuche aus und in Sieben Linden waren Höhepunkte in seinem neuen Alltag.
https://gen-deutschland.de/2021/04/14/nachruf-auf-sancho-dieter-federlein/
Dieter wurde am 21. November 1938 als ältester Sohn einer Stellmacherfamilie in Königsberg geboren. Hier erlebte er während des Krieges noch Luftangriffe in seinem Elternhaus, er befand sich im Keller, als sein Haus getroffen wurde. Die Familie floh 1943 nach Bärenstein im Erzgebirge, hier wuchs Dieter in der noch jungen DDR auf und machte eine Stellmacherlehre bei seinem Vater. Er war damals schon sehr sportlich und gewann Preise im Geräteturnen.
Ihn inspirierten Indianerbücher sehr, v.a. das Buch „Blauvogel, Wahlsohn der Irokesen“ und wollte in die USA reisen, um den Indigenen ihr Land wiederzugeben. So machte er sich mit dem Fahrrad über die halboffene Grenze auf in den Westen mit einer Reisegenehmigung, um Verwandte zu besuchen. Er folgte einfach der Landstraße und wurde am Todesstreifen festgenommen und in Magdeburg verhört. Aber da er ja eine Reisegenehmigung hatte, konnte er die Reise fortsetzen und siedelte so in den Westen um.
Hier arbeitete er u .a. beim Zirkus Hagenbeck als Akrobat und Helfer. Und unternahm die erste von vielen langen Fahrradtouren bis Marokko.
1962-1965 studierte er Sozialpädagogik. Da er sich damit aber als „Arzt am Krankenbett des Kapitalismus“ sah, wollte er es nicht weiter machen, sondern lieber anders die Welt retten. Also sattelte er um auf Lehramt.
Er lernte seine Frau Inge kennen und bekam mit ihr drei Söhne. Bis in ihre Jugendzeit begleitete er sie. „In meinen Kindern möchte ich weiterleben“, sagte er zu Holger, seinem Biograph.Wie kann man die Welt nachhaltig verändern? Dies war immer sein Thema. Er war voller Empörung gegen die Ungerechtigkeiten und immer auf der Suche nach dem archimedischen Punkt, mit dem man die Welt aus den Angeln heben kann.
1968 kam die Studentenbewegung – er gründete eine sozialistische Initiative mit. Dann bekam er seine Lehrer-Anerkennung und arbeitete eine Zeit als Lehrer. Er war SPD-Mitglied aus Angst vor Berufsverbot. Auch war er im Presbyterium der ev. Kirche und Gewerkschaft aktiv.1983 wurde er friedlich geschieden.
Er lernte Rudolf Bahro kennen und lebte mit ihm in einem Gemeinschaftsprojekt in Niederstadtfeld in der Eifel. Als Bahro 1991 durch Kurt Biedenkopf in Sachsen das Gut Pommritz mit dem Auftrag bekam, dort ein Modell zukunftsfähigen Lebens und Arbeitens zu entwickeln, gehörte Dieter zu den Initiatoren des daraus entstehenden LebensGuts. Fast 10 Jahre wirkte er an dessen Aufbau mit. Dann zog er weiter, zuerst ins ZEGG und von dort in dessen Nachbarschaft in Bad Belzig. Hier arbeitete er eine Zeit lang wieder als Sportlehrer in der Freien Schule. Und 2002 zog er um nach Sieben Linden. Lange lebte er im Bauwagen, fuhr weiterhin die meisten Strecken mit dem Fahrrad, z. B. die 170 km von Sieben Linden nach Belzig in einem Tag.
Seine letzte große Fahrradtour führte ihn 2010 zur GEN-Konferenz nach Italien. Auf der Rückfahrt war er trotz seiner mittlerweile 72 Jahre so fit, dass er die Alpen in nur 2 Tagen überquerte.
Umso bitterer war es dann für ihn, als sein Körper später nicht mehr wollte und er in seinem Bewegungsdrang immer eingeschränkter war.
Dieter beschäftigte sich Zeit seines Lebens mit Philosophien der Veränderung. Dies war nach der „Logik der Rettung“ von Rudolf Bahro, die Viergliederung des Staates nach Johannes Heinrichs, Ken Wilber und Spiral Dynamics, die Bewegung „Neu-Deutschland“, später dann Clinton Callahans Possibility Management.
In all diesen Gedankenwelten gründete er immer wieder Gesprächskreise, schrieb Aufrufe und setzte sich für die Verbreitung dieser Transformationsgedanken ein. Obwohl er in seiner Vehemenz auch penetrant sein konnte, inspirierte er viele Menschen durch seinen großen Geist. Und sein Wunsch, diese Welt zu retten, gründete in einer tiefen Liebe zur Schöpfung. Gerade auf seinen zahllosen Fahrradtouren fühlte er sich dem Göttlichen sehr nahe.
Sancho, wie er sich dann in Sieben Linden nannte, war ein lebhafter Denker, Herzensmensch, Clown, Fahrradmechaniker, Liebhaber, Sportler, Revolutionär, Selbsterforscher und Lehrer – und nicht in eine Schublade zu stecken. Er hat uns immer wieder mit seinem unruhigen, politisch-philosophischen Geist erfrischt und herausgefordert – sein Leben war der Suche nach dem Schlüssel zur Weltrettung gewidmet.
Nicht nur in seinen akrobatischen Hand- und Kopfständen (die er bis etwa zum 75. Lebensjahr gern und oft praktizierte) hat er Selbstverständlichkeiten auf den Kopf gestellt.
Zu seinem 80. Geburtstag schrieb Barbara Stützel aus dem ZEGG ein Lied auf ihn, das auch auf seiner Bestattung auf dem Poppauer Friedhof gespielt wurde.