Alison Benjamin
Brian McCallum

Welt
ohne Bienen

A world without bees

 

Wie das Sterben
einer Art unsere
Zivilisation bedroht 

 

 

2009 beim Fackelträger-Verlag 

 

2009

288 Seiten 

dnb Buch 

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A world without bees

Aus dem Englischen von Helmut Dierlam

 

Rätselhaftes Verschwinden

Besprochen von Johannes Kaiser 2009 

deutschlandfunkkultur.de/raetselhaftes-verschwinden-100.html  2009 Kaiser dlf

Audio 2009 dlf Lesebericht 

 

Immer wieder gab es in den letzten Jahren erschreckende Pressemeldungen über das rätselhafte Verschwinden tausender Völker der westlichen Honigbiene. Imker standen fassungslos vor Hunderten von verlassenen Bienenstöcken. CCD - Colony Collapse Disorder nennen die Experten das mysteriöse Ereignis, bei dem die Bienen auf Nimmerwiedersehen verschwinden.

Doch was dieses Verhalten auslöst, darüber streiten sich die Wissenschaftler und genau dies ist das Thema des Buches. Auch die beiden Autoren, Alison Benjamin, Journalistin bei der britischen Tageszeitung "Guardian", und Brian McCallum, Bienenzüchter, behaupten nicht, das Rätsel lösen zu können. Dennoch ist ihr Buch eine ungewöhnlich anregende Lektüre, nicht zuletzt weil es in Reportageform sehr anschaulich und hautnah den Alltag und die Nöte der Züchter beschreibt, deren Verzweiflung und Frustration.

Das Buch gibt einen faszinierenden Einblick in die unbekannte Welt der Bienenzucht.

Die hat heute nur noch wenig mit dem romantischen Bild des Imkers auf der blühenden Wiese gemeinsam, der es auf den Honig abgesehen hat. Inzwischen werden Honigbienen professionell gezüchtet und kommerziell eingesetzt, um Obst und Gemüse auf riesigen Plantagen zu bestäuben. So treffen zum Beispiel jedes Frühjahr in den endlosen Mandelplantagen Kaliforniens, auf denen 80 Prozent der Welternte erzeugt werden, zehntausende Bienenstöcke in großen Trucks aus den ganzen USA ein - ein lukratives Geschäft für die Imker, die pro Bienenstock bis zu 180 Dollar erhalten und für die Farmer, denn Mandeln erzielen sehr gute Preise. Es geht um ein Milliardengeschäft. Umso dramatischer sind die unerklärlichen Verluste zahlloser Honigbienenvölker. Dabei geht es nicht allein um deren geheimnisvolles Verschwinden, sondern auch um den nicht weniger rätselhaften Tod zahlloser Bienen weltweit.

Auf der Suche nach Antworten sind die beiden Autoren viel gereist, haben Imker in Großbritannien und den USA besucht, Wissenschaftler befragt, Forschungslabors besucht, Studien gelesen. So viele Experten sie interviewt haben, so viele Ursachen sind ihnen genannt worden, die in dem Buch detailliert aufgelistet werden.

Große Todesraten können Parasiten oder Viren verursachen. Seit Bienenvölker als Handelsware weltweit verschickt werden, breiten sich auch Krankheiten, die früher auf eine bestimmte Region beschränkt waren, global aus. Natürlich spielt auch der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft eine wichtige Rolle. Viele Mittel schaden den Bienen. Die zunehmende Naturzerstörung hat ebenfalls Auswirkungen auf die Gesundheit der Bienen. Zusätzlich geraten sie zumindest in den USA permanent unter Stress, indem sie tausende von Kilometern durchs Land gekarrt werden, um von einem Bestäubungsort zum nächsten zu gelangen.

Vermutet wird von den Autoren, dass das Zusammenspiel mehrerer dieser Faktoren die Völker dahinrafft, es also nicht nur eine einzige Ursache gibt. Ihre Argumente leuchten ein, sind gut begründet. Umso ernster sollte man ihre Warnung vor einem fortgesetzten Sterben nehmen, denn sollte es eines Tages keine Honigbienen mehr geben, käme das einer Katastrophe gleich. 

Zahlreiche Obst- und Gemüsesorten sind auf die Bestäubung angewiesen. Zwar gibt es noch andere Bienenarten, die ebenfalls bestäuben, doch auch die sind massiv bedroht und kein gleichwertiger Ersatz. Ohne Bienen drohen weltweit große Hungernöte. Ein Buch, das einem die Augen öffnet für die Gratisleistungen der Natur, deren Zerstörung durch den Menschen sein eigenes Überleben bedroht.


 

Stiller Tod - warum Bienen sterben - Susanne Aigner 14.07.2013 Ursache und Ausblicke auf eine Katastrophe pdf

Stiller Tod - warum Bienen sterben
Susanne Aigner 14.07.2013
Ursache und Ausblicke auf eine Katastrophe

Viele Menschen assoziierten mit Bienen bisher vor allem Honig. Nun geht es mit einem Mal um die Ernährung der Menschheit. 70 bis 80 Prozent aller Nutzpflanzen würden von Bienen bestäubt, heißt es. Vor diesem Hintergrund erhält die Biene eine ganz neue Bedeutung. Die Ökologie gerät aus dem Gleichgewicht. Mit der Natur verschwindet die Biene.

Befragt nach den Ursachen, verweisen ratlose Wissenschaftler auf das Zusammenspiel vielfältiger Faktoren. Bei genauerer Betrachtung wird klar, dass diese Faktoren von Menschen gemacht sind.

Wenn im Mai die Bienen schwärmen, sollte man vor Freude lärmen. Ein Bienenschwarm im Mai ist wert ein Fuder Heu.

Die Bienen verschwinden schon lange: Allein in Mitteleuropa sank ihre Anzahl zwischen 1985 und 2005 um 25 Prozent[1]. In den vergangenen Wintern starben europaweit an die 53 Prozent der Honigbienenvölker.

Auf den Obstplantagen im Süden Chinas sammeln Hunderte Arbeiter Pollen ein und verteilen ihn auf den Bäumen mit Hühnerfedern - eine Arbeit, die früher die Bienen erledigten. Doch sie verschwanden in dieser Gegend in den 1980er Jahren.

Seit 1998 berichten auch Imker aus Deutschland, Frankreich, Belgien, der Schweiz, England, Holland, Italien, Spanien über ein ungewöhnlich großes Ausmaß des Bienensterbens[4] (PDF). 2007 nahm die Katastrophe in den USA ihren Lauf: Nahezu 90 Prozent aller Völker waren plötzlich weg - in der Hälfte aller US-Bundesstaaten und zum Teil in Kanada. Dabei sind Bienen ein bedeutender Wirtschaftszweig. Ihre jährliche Bestäubungsarbeit wird auf 14,6 Milliarden Dollar geschätzt, in Deutschland auf zwei Milliarden Euro.

Amerikanische Imker kassieren gutes Geld dafür, dass sie ihre Bienen auf die Plantagen bringen. Allein 77 Millionen kalifornische Mandelbäume wollen jedes Jahr bestäubt sein, wofür 1,5 Millionen Völker nötig wären. Da die vorhandenen Bienen nicht mehr ausreichen, werden immer mehr Völker aus Australien in die USA importiert.

Vom Imkermangel zum Bienensterben

Glaubt man dem international renommierten Bienenforscher Robin Moritz[6], ist ein erster Einbruch der Bienenvölker auf den Zusammenbruch des Sozialismus in Mittelund Osteuropa zurückzuführen. Hunderttausende Imker gaben damals ihre Bienenbestände auf. Vor der politischen Wende um 1990 gab es rund zwei Millionen Bienenvölker in Deutschland, danach pendelte sich ihre Zahl auf etwa eine Million ein.

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