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Zwischenbilanz
(1962)
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Ich
bin grad siebenundzwanzig. Diesmal zeigt sich
mein neues Jahr im Krankenhaushabit,
und für die ersten Augenblicke neigt sich
der Tod mir zu, er droht mit — Leukämie.
Bestürzt erkenn ich: Soviel Jahre Leben und
immer mehr genommen als gegeben.
Wer
gab sein Blut hin für den achten Mai?
Wer hat sich nächtelang mit mir gestritten,
bis ich ihn fand, den Eingang zur Partei —
und niemand fragte: Wo hast DU gelitten?
Studiert hab ich! Für Hölderlin, für Bach
War Zeit. Und für die Liebe. Und sogar für Schach.
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Ja,
es war Zeit, ein wenig Mensch zu werden,
im Kleinen beinah und im Großen ganz
das Lügen zu verlernen. Die Bilanz
weist erste Früchte aus, die sich bewährten.
»Ansätze ...« Würden sie mich jetzt begraben —
ob es genügte, groß gewollt zu haben?
Vier
Jahre älter nur ging Schubert fort —
und hatte schon gelebt für alle Zeiten;
dem zwanzigjährigen Galois konnte Mord
den Platz im Pantheon nicht mehr bestreiten.
»Ja damals ... Doch die Zeiten ändern sich.«
Nein, Titow ist genau so jung wie ich.
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